Alles lieben, wie es ist

Dez 2, 2016

Manchmal wandle ich noch auf meinen vertrauten journalistischen Pfaden. Und wenn Welt der Frau mich einlädt, ein Porträt zur Coverstory über spirituelle Lehrerinnen beizusteuern, bin ich natürlich gerne mit dabei. 

So entstand dieses kurze Porträt von meiner Lehrerin Nathalie Delay, die „Meisterin der Stille“ genannt wird. Für mich ist sie vor allem eine spirituelle Poetin, eine Mystikerin des Herzens. Wenn sie – minimalistisch, anmutig und essenziell – Yoga unterrichtet, sagt sie Dinge wie: „Deine Hände sinken zu Boden wie zwei neugeborene Schneeflocken.“ Dann atmet mein Körper auf und meine Seele wird ganz leicht.

 

Alles lieben, was ist

Laya Commenda schreibt über ihre spirituelle Lehrerin Nathalie Delay. 

Langes Einatmen, langes Ausatmen. Die Worte berühren mein Herz wie eine sanfte Melodie. Nachhausekommen. Zu meinem Atem, zu meinem Körper, zu meiner Essenz.

Müsste ich Nathalie mit wenigen Wort beschreiben, so wären das Stille, Präsenz, Anmut und Wahrhaftigkeit. Und Liebe natürlich.

Die Liebe, die Nathalie verkörpert, hat eine andere Qualität als die, die wir für einen bestimmten Menschen empfinden. „Wenn die Liebe nicht mehr im Dienst der eigenen Persönlichkeit steht, bleibt sie global, ist nicht getrennt von der einen Quelle. Diese absolute Liebe beinhaltet alle Formen, alle Gedanken, alle Emotionen – auch die Angst. Wenn ich mich der Angst nicht verweigere, sondern sie wirklich spüre, dann finde ich darin die Qualität von absoluter Liebe, dann finde ich die Quelle“, erklärt sie. „Jede Emotion ist wie ein Tor zur totalen Liebe. Aber das ist kein Konzept und keine Ideologie. Das ist etwas, das man organisch erfahren muss.“

Diese Ideologiefreiheit zieht sich durch Nathalies Lehre. Es geht ihr um die essenzielle Erfahrung der Wirklichkeit, um ein aufrichtiges Erforschen, und nicht darum, an irgendetwas zu glauben. Der kaschmirische Shivaismus, eine mystische Tradition, in die sie eingeweiht wurde, kommt in Nathalies Unterricht gar nicht explizit vor. Sie lehrt, was sie lebt.

Am ersten Tag des Seminars habe ich starke Kopfschmerzen – eine gute Gelegenheit, zu praktizieren: mich dem hingeben, was sich im Moment zeigt, ohne Widerstand und ohne inneren Kommentar. Leiden entsteht, wenn wir etwas anders haben wollen als es gerade ist, sagt Nathalie. Aber das Leben präsentiert uns immer genau das, was wir brauchen, um uns von unseren Illusionen zu befreien.

Am zweiten Tag breitet sich Ruhe in mir aus. Im Park hebe ich Kastanien vom Boden auf und lasse mich von ihrer glatten Oberfläche berühren. Ich sehe den Wind in den Blättern. Ich beobachte eine Krähe, die gemächlich über die herbstliche Wiese hüpft. Es ist nichts Spektakuläres – nur ein kleines Erschauern.

Am dritten Tag bin ich so entschleunigt, dass mir mein gewohntes Tempo absurd vorkommt. Vielleicht liegt das an der minimalistischen Yogapraxis, die Nathalie vorschlägt. „Wenn wir die Bewegungen immer mehr verlangsamen und von Moment zu Moment bewohnen, kommen wir ins Empfinden, statt ständig im Denken zu sein. Wenn wir diese Intimität einmal gefunden haben, fällt es leichter, sie auch im täglichen Leben umzusetzen.“ So kann auch der Alltag jene poetische Qualität bekommen, nach der ich mich so sehr sehne.

Nathalie Delay lehrt in der mystischen Tradition des kaschmirischen Shivaismus.

Das Portät ist Teil der Cover-Story über spirituelle Lehrerinnen im Dezemberheft von Welt der Frau.

Fotos: Lukas Beck

Big wild love, Laya

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