Die drei schlimmsten Krankheiten der Welt – und wie du sie heilen kannst

Jun 2, 2018

Fast jede/r von uns leidet unter einer von ihnen. Manche – ich zum Beispiel – leiden unter allen dreien. Aber zum Glück gibt es Medizin gegen die drei schlimmsten Krankheiten der Welt. Ja, wir können uns selbst heilen – von Comparitis, Kümmeritis und Selbstmacheritis!

 

Comparitis

Meine Kollegin R. ist nicht nur sehr viel jünger, sondern auch sehr viel sportlicher als ich. Kürzlich haben wir gemeinsam einen Yoga-Workshop gehalten. Bei R.’s Chatturanga Dandasana (ja, genau! Die Haltung, bei der man so schön zu zittern beginnt, wenn Arm- und Bauchkraft fehlen) werde ich blass vor Neid, und wenn sie dann noch – elegant über die Zehen rollend –  in ein perfektes Urdhva Mukha aufsteigt, frage ich mich, wie viele Leben ich wohl noch brauchen werde, um in meinen Asanas so anmutig auszusehen wie sie.

Aber ich habe ganz bewusst R. und nicht eine andere Kollegin gebeten, diesen Asana-Workshop mit mir zu halten. Eben WEIL wir so unterschiedlich sind. Und weil die Teilnehmerinnen an unserem Beispiel erkennen können, dass jeder Körper einen anderen Yoga braucht. R. hat viel mehr Kraft als ich, ich kann mich dafür viel intensiver verbrezeln als sie. R. kennt jeden einzelnen kleinen Muskel beim lateinischen Namen, ich bin dafür auf Du und Du mit Embodiment und Psychonergetik. Und beide sind wir gute Yogalehrerinnen.

Würde ich mich bemühen, wie R. sein zu wollen, wäre das nicht nur ziemlich frustrierend, sondern es würde auch dazu führen, dass meine wahren Gaben und Talente sich nicht voll entfalten können.

Würde ich meine Energie darauf verschwenden, mich mit R. zu vergleichen und dem Leben vorzuwerfen, dass es mich nicht mit so viel körperlicher Kraft ausgestattet hat wie sie, wäre ich blind für meine eigene Schönheit, meine eigenen Qualitäten, meine Einzigartigkeit.

Stell dir vor, es ist Weihnachten und unter dem Baum liegen lauter verheißungsvolle Päckchen, jedes mit einem Namenskärtchen daran. Eines der Geschenke trägt deinen Namen. Ja, es gehört dir, nur dir allein!

Aber statt es entgegenzunehmen und den Schatz darin zu finden, stehst du schmollend in der Ecke und schaust den anderen neidvoll dabei zu, wie sie ihre Geschenke auspacken – und all das nur, weil du dir einbildest, deines wäre weniger wertvoll als die der anderen. Dabei hast du noch nicht mal begonnen, die Verpackung aufzudröseln – und du weißt auch gar nicht, was in den Päckchen der anderen versteckt ist, und ob es wirklich so toll ist, wie du glaubst.

Comparitis-Medizin:

Mach dir bewusst, dass es reine Zeit- und Energieverschwendung ist, dich mit irgendjemandem zu vergleichen. Das Universum/die Schöpfung/Gott hat dich genauso gemeint, wie du bist, und nicht anders. Das Holz, aus dem du gemacht bist, ist perfekt. Schnitz‘ dir das allerallerallerbeste Leben daraus! Eines, das zu dir passt und in dem DEINE Einzigartigkeit erblühen kann.

Nebenwirkungen:
Vielleicht löst sich dein Selbstbild auf – vielleicht musst du dir eingestehen, dass du als Annika viel glücklicher bist als als Pippi. Das ist der bittere Geschmack der Comparitis-Medizin. Aber dafür bekommst du, wenn sich der Schleier der Comparitis gelichtet hat, auch mehr Gefühl für deine wahren Bedürfnisse und Gaben, und kannst dein Leben immer mehr so gestalten, dass es wirklich DIR entspricht – und nicht dem Menschen, der du glaubst, sein zu müssen. Denk daran: Das Glück ist in keinem anderen Keks!

 

Kümmeritis

Früher habe ich bei der Caritas gearbeitet, in der Kommunikation. Die Caritas hat es sich zum Ziel gesetzt, sich um so ziemlich alle Menschen zu kümmern, die in Not sind, vor allem um jene, um die sich sonst niemand mehr kümmern will. Ich finde es ganz großartig, dass es Organisationen wie diese gibt.

Aber ich bin nicht die Caritas. Ich bin auch nicht Mutter Teresa, so sehr ich deren Lebenswerk bewundere.

Nicht jede und jeder von uns ist zur Nothelferin oder zum Samariter geboren. Und für alle, die eine andere Lebensaufgabe haben, kann die Kümmeritis zu einer echten Sucht werden, die uns – wie jede andere Sucht auch – betäubt und von dem ablenkt, was wirklich unsere Aufgabe ist. Denn es ist sehr viel einfacher, sich um alles andere zu kümmern, als um die eigenen zentralen Lebensthemen, um die wesentlichen Entwicklungsaufgaben und die wahre Berufung. Deshalb lassen wir uns nur allzu gerne ablenken von uns selbst, und sind sofort zur Stelle, wenn irgendjemand irgendetwas braucht – statt für uns selbst da zu sein.

Wie würde unsere Welt aussehen, wenn jeder und jede von uns sich richtig gut um sich selbst kümmern würde? Wenn unsere Schalen so voll wären, dass sie überfließen – so dass wir auch für diejenigen da sein können, die sich im Moment nicht so gut um sich selbst kümmern können? Und was wäre, wenn wir diese Menschen, statt sie mit gut gemeinter Hilfe zu schwächen, dahingehend unterstützen würden, dass sie wieder selbst für sich sorgen können?

Kümmeritis

Wie würde unsere Welt aussehen, wenn jede/r von uns sich gut um sich selbst kümmern und nur das geben würde, was bei ihm überfließt?

Es gibt einen großen Unterschied zwischen Kümmeritis und dem Übernehmen von Verantwortung. Kümmeritis ist, wie gesagt, eine Krankheit und kann zur Sucht werden. Verantwortung übernehmen wir als erwachsene Menschen zuerst einmal für uns selbst und für unser eigenes Leben. Aus dieser klaren Position heraus und mit einer realistischen Einschätzung unserer Kräfte und Ressourcen können wir dann auch bewusst Verantwortung für andere Menschen oder Dinge übernehmen.

Kümmeritis-Medizin:

Unterscheide genau, was in deiner Verantwortung liegt und was nicht! Kümmere dich zuallererst um dich selbst und um DEIN Leben! Das, was überfließt, kannst du dann freigiebig und großherzig, aber auch gezielt und maßvoll dort einsetzen, wo es gebraucht wird.

Nebenwirkungen:

Auch hier ist das Selbstbild in Gefahr – sofern du dich gerne als einen Menschen siehst, der bedingungslos gibt und immer für andere da ist. Aber auch das Bild, das andere von dir haben, wird ins Wanken geraten, wenn du zur Kümmeritis-Medizin greifst. Es könnte gut sein, dass es zu Widerstand führt, zu Forderungen, oder gar zu emotionaler Erpressung, wenn andere nicht mehr das von dir bekommen, was sie zu bekommen gewöhnt sind. Sollte das geschehen, bitte die Medizin keinesfalls absetzen, sondern sofort die Dosis erhöhen!!!

Mit den Jahren wird auch unser Bullshitomat immer besser. Wir merken, wenn sich jemand hinsichtlich der Verantwortung für seine oder ihre Probleme etwas vormacht. Wenn diese Person dann von uns gerettet werden will oder uns Schuldgefühle macht, nur weil wir angesichts der neuesten Krise nicht gleich alles stehen und liegen lassen, fällt es uns heute leichter, der emotionalen Erpressung zu widerstehen. Wir erkennen: Ein „Nein“ muss reichen. Wie befreiend!
~ Christiane Northrup

 

Selbstmacheritis  

Herr Sohn hat den Müll nicht runtergetragen?

Bevor ich einen Streit anzettle, MACH ICH’S LIEBER SELBST.

Meine Kollegin hat etwas Falsches recherchiert?

Bevor ich es ihr nochmal erkläre und sie sich womöglich von mir kritisiert fühlt, MACH ICH’S LIEBER SELBST.

Die Selbstmacheritis, eng verwandt mit der Kümmeritis und auch als MILS („Mach Ich’s Lieber Selbst“)-Syndrom bekannt, hat viel mit unbewussten Ängsten zu tun. Ehe wir einen Konflikt riskieren, ehe wir für uns und unsere Bedürfnisse einstehen, ehe wir mit Nachdruck von anderen etwas einfordern, das deren Job ist, machen wir’s lieber selbst … und vergeuden damit Zeit und Energie.

Natürlich kann die MILS-Tendenz auch damit zu tun haben, dass wir meinen, alles selbst am besten zu können. Oder damit, dass wir die Kontrolle nicht abgeben wollen.

So oder so: Wir machen uns damit das Leben schwer.

Selbstmacheritis

Typisches Selbstmacheritis-Symptom: Es reicht!

Zugegeben, es gibt auch Situationen, in denen es wirklich energieschonender ist, etwas selbst zu tun, statt ewig zu erklären oder einen Streit vom Zaun zu brechen.

Aber meistens geht es hier um short term pain for long term gain. Mit einem gewissen Initialaufwand (Herrn Sohn an seine Haushaltspflichten erinnern, der Kollegin nochmal erklären, worum es geht, …) ist die Chance groß, auf lange Sicht Zeit und Energie zu gewinnen.

Selbstmacheritis-Medizin:

Mach dir bewusst, dass dir nur begrenzte Zeit und Energie zur Verfügung stehen. Die Zeit, die du brauchst, um etwas zu tun, das eigentlich jemand anderer tun sollte, fehlt dir irgendwo. Was wünschst du dir? Mehr Zeit zum Spazierengehen, um Musik zu hören, zu lesen, mehr Zeit für Zärtlichkeit, zum Spielen, Klettern, Verreisen? Oder um einfach einmal NICHTS zu tun? Was davon wäre möglich, wenn du aufhören würdest, Dinge zu übernehmen, für die eigentlich jemand anderer zuständig ist?

Nebenwirkungen:

Wenn du diese Medizin über längere Zeit hinweg regelmäßig nimmst, hast du irgendwann tatsächlich mehr Zeit für dich zur Verfügung. Hilfe, was machst du dann damit? Schnell, schnell einen neuen Kurs belegen, die siebzehnte Ausbildung beginnen oder die Wohnzimmerwände neu streichen? Die anfängliche Rastlosigkeit oder gar panische Angst vor der Leere sind in der Tat unangenehme Nebenwirkungen der Selbstmacheritis-Medizin. Aber sie legen sich von selbst. Und dann? Freundest du dich mit der Leere an, mit dem WENIGER. Verliebst dich vielleicht sogar in diesen luftigen Raum, die Ruhe und die Stille, die Zeit mit dir allein. Und alles ist wieder gut.

Divider Gold

So weit, so einfach. Aber … sind Comparitis, Kümmeritis und Selbstmacheritis wirklich die schlimmsten Krankheiten der Welt? Was ist mit Krebs, Alzheimer und MS?

Na schön. Vielleicht sind diese drei Muster nicht die schlimmsten Krankheiten der Welt. Aber sie fressen uns innerlich auf. Und sie verursachen Stress, Sorgen und schlaflose Nächte. Diese wiederum führen dazu, dass die Selbstheilungskräfte unseres Körpers nicht so wirken können, wie sie sollten. Und das wiederum zieht körperliche Krankheiten nach sich.

Die Behandlung ist einfach. Die Nebenwirkungen sind erträglich. Also los – heile dich selbst! Wann, wenn nicht jetzt?

Big, wild love

Laya

Titelfoto: Photo by Bryan Apen on Unsplash

Anregend wie der erste Schluck Kaffee. Wohltuend wie die Morgensonne. Nährend wie eine Umarmung.

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Heyho, das hat geklappt! Wir hören uns nächsten Sonntag. Bis dahin viel Freude!