Forgive! Wie Verzeihen richtig Spaß machen kann.

Jun 22, 2015

Ich bin niemandem böse. Ich trage niemandem etwas nach. Niemals. Ich doch nicht. Ding-ding-ding – Selbstbetrug!

Auch wenn ich es noch so gerne anders hätte: Da gibt es Groll. Alten Ärger. Alte Verletzungen.

Denn da war die Sportlehrerin in der Volksschule, die sich vor allen anderen über mich und meinen Laufstil lustig gemacht hat.

Da war der Typ im Gymnasium, der plötzlich doch lieber mit meiner besten Freundin schmusen wollte als mit mir.

Und da ist mein Exmann, der … aber lassen wir das 🙂

Ganz klar: Alles, was ich nicht verziehen habe, hält mich in der Vergangenheit fest. Bindet Energie und macht mich unfrei.

Trotzdem ist das Verzeihen nicht einfach. Denn da gibt es diesen Stachel im Fleisch. Diese innere Stimme, die Vergeltung will, die Genugtuung fordert. „Aber es ist doch Unrecht geschehen!“, ruft sie.

„Willst du recht haben oder glücklich sein?“, fragt M.B. Rosenberg, der Begründer der Gewaltfreien Kommunikation.

Am liebsten natürlich beides – aber wenn ich wählen muss, dann lieber doch das Glück. Und die Freiheit. Die Ketten sprengen, die mich an vergangene Verletzungen binden – das geht nur mit Verzeihen.

Der Schwache kann nicht verzeihen. Verzeihen ist eine Eigenschaft des Starken.
~ Mahatma Gandhi

Schwach zu sein kommt natürlich nicht in Frage. Aber die Sache soll auch Spaß machen. Und das geht so:

Komm in einen angenehmen Sitz, schließe die Augen und verbinde dich mit deinem Atem. Nimm dir ein wenig Zeit, um zur Ruhe zu kommen und in dich zu gehen.

Dann stell dir die Person vor, gegen die du Groll hegst oder Ärger verspürst, der du etwas übel nimmst, der du bisher nicht verzeihen konntest.

Hülle diese Person in grüngoldenes Licht, so als würde sie in einem Laubwald stehen, durch dessen Blätterdach das Sonnenlicht strahlt.

Hüll dich nun auch selbst in dieses Licht. Du und diese Person, ihr seid verbunden durch diese Schwingung, durch diese Farbe (sie entspricht der Frequenz des Herzchakras).

Und nun wirf ihr einen Ball zu. Ja, genau! Einfach so. Sie fängt ihn auf. Ist vielleicht zunächst erstaunt. Oder noch nicht bereit zu spielen. Gib ihr Zeit.

Du wirst sehen, wenn du einfach abwartest und weiterhin deine Verbindung zu dieser Person durch das grüngoldene Licht stärkst, wird sie irgendwann den Ball zu dir zurückwerfen. Vielleicht zunächst zögerlich oder gar widerwillig – macht nichts. Denn irgendwann werdet ihr beide gar nicht mehr anders könne als zu lachen und wie zwei Kinder miteinander Ball zu spielen.

Nachdem du euer Spiel eine Zeitlang genossen hast, bedanke dich bei dieser Person für das Spiel. Bedanke dich auch bei dem grünen Licht. Nimm einen tiefen Atemzug. Komm zurück ins Hier und Jetzt.

Auf diese kleine Übung bin ich bei Becca Chopra gestoßen. Schon als ich die Methode zum ersten Mal ausprobiert habe, hat sich eine aktuelle Konfliktsituation auf ganz überraschende Weise gelöst.

So einfach ist das? Ja. So einfach.

Denn es geht nur um deinen Entschluss. Um die Bereitschaft, das Alte loszulassen. Den anderen als Menschen als das zu sehen, was er ist: jemand, der – wie alle anderen Menschen auch – Schmerz vermeiden und Glück finden wollte. Seine Mittel mögen denkbar unklug gewesen sein, unachtsam, rücksichtslos … aber auch wenn es dich verletzt hat – sein Verhalten war nichts anderes als menschlich.

„You know, I’m a true spiritual pragmatist. I’ve forgiven so many folks all kinds of nutty stuff this life just for peace of mind and happiness. Different than condoning hurtful actions, forgiveness simply sets you free. It’s that basic.“

„Ich bin wirklich eine spirituelle Pragmatikerin. Ich habe in diesem Leben so vielen Leuten so viel verrücktes Zeug vergeben, nur um Frieden und Glück zu erlangen. Im Gegensatz dazu, verletztende Taten einfach nur hinzunehmen, macht echte Vergebung dich frei. So einfach ist das.“ (Tosha Silver in „Outragoues Opennness“ – derzeit mein Lieblingsbuch 🙂 )

Jemandem zu verzeihen bedeutet nicht, sein Verhalten zu akzeptieren oder ihm zu vertrauen. 

Es bedeutet, loszulassen und frei zu werden für die Zukunft.

So, jetzt nehme ich mir den nächsten Verzeihungs-Kandidaten vor. Den Typen aus der Schule? Die Sportlehrerin? Oder gar meinen … ? Ob der mit mir Ballspielen würde? Vielleicht probier ich’s für den Anfang doch lieber mit Kickboxen oder Kung Fu  🙂

Anregend wie der erste Schluck Kaffee. Wohltuend wie die Morgensonne. Nährend wie eine Umarmung.

Jeden Sonntagmorgen ein Goldstück in deinem Email-Postfach!

Heyho, das hat geklappt! Wir hören uns nächsten Sonntag. Bis dahin: Stay true!