Öffne dein Herz JETZT NICHT!

Okt 24, 2014

Was dein Herz ist: ein Muskel, ein Organ, ein Energiezentrum. Was dein Herz NICHT ist: ein Fenster, ein Computerprogramm, eine Walnuss. Deshalb öffnet es sich auch nicht auf Befehl. Die wahre Geschichte einer widerspenstigen Weisheit.  

Nichts, aber auch gar nichts regte sich unter  meinem Brustbein. FIsh pose. Camel pose. Kobra. Open your heart! Let your love shine! Wie oft habe ich das im Yogaunterricht gehört!  Und wie oft habe ich mich wie ein emotionsloser Eisblock gefühlt, nicht nur, weil sich mein Herz beim Yoga nicht öffnen wollte, sondern auch weil ich beim Liebesfilm im Kino als einzige nicht weinen musste. Und weil mir der Anblick junger Katzen nicht dieselben Entzückensschreie entlockte wie allen anderen.

Nicht, dass mein Herz sich nicht bemerkbar gemacht hätte – im Gegenteil. Es verursachte Schmerzen in meiner Brustwirbelsäule. Es drückte von innen gegen das Brustbein. Es gab mir immer wieder zu verstehen, dass es keine Luft bekam.

Es war lebendig, aber es war eingesperrt. Tief in seinem Inneren war es rot, flüssig und heiß wie Lava. Aber nichts davon drang nach außen.

Wieder muss ich die Frau mit den Zauberhänden zitieren. Der Herzbeutel, erklärte meine Cranio Sacral Therapeutin, habe sich wie eine schroffe, harte Mauer schützend um mein Herz gelegt, vermutlich nach einer schmerzhaften Erfahrung. Über das Fasziensystem sei er mit der Brustwirbelsäule verbunden, daher meine immer wiederkehrenden Beschwerden.

Ich begann heart opening yoga zu üben, wölbte im Fisch und im Kamel mein Brustbein nach oben und stellte mir vor, wie meine Schulterblätter mein Herz dem Himmel entgegenhoben.

Nicht mit mir, sagte mein Herz. 

Ich ging zur Shiatsu-Praktikerin. Die junge Frau – ebenfalls mit Zauberhänden ausgestattet – tat ihr Bestes. Sie lockte, verwöhnte, mobilisierte.

Kommt nicht in Frage, sagte mein Herz.

Ich legte, auf dem Rücken liegend, beide Hände auf die Mitte meiner Brust. „Ich liebe mich“, wiederholte ich mit jedem Einatmen, und mit jedem Ausatmen: „So wie ich bin.“

Das glaube ich dir … vielleicht irgendwann einmal, sagte mein Herz.  

Monate später. Eine erfahrene Yogalehrerin drückt in einer Sitzposition energisch ihr Knie gegen meine Brustwirbelsäule und zieht meine Schultern nach hinten. Etwas geschieht. An den darauffolgenden Tagen kann ich mich kaum auf den Beinen halten. Mir ist eiskalt, und ich bin ständig den Tränen nahe.

Und dann beginnt mein Herz zu ATMEN. 

Eine unglaubliche Veränderung. Plötzlich sind meine Hände, sonst immer eiskalt, warm. Plötzlich sind da Leichtigkeit, Vertrauen und … Liebe. Plötzlich ist meine Angst vor Gefühlsduselei verschwunden, und meine Zurückhaltung, wenn es darum geht, anderen gegenüber tiefe Gefühle auszudrücken.

„Ist es ein Fehler, dein Herz zu öffnen, bevor du es stärkst? Nein. Um deinem Herzen Widerstandsfähigkeit beizubringen, musst du es aus seinem Gehäuse herauslassen“, schreibt Ana T. Forrest in „Die Yogakriegerin“.

In diesem Punkt bin ich nicht ihrer Meinung.

Du kannst dein Herz nicht öffnen. Es empfängt keine Befehle, schon gar nicht von deinem Yogalehrer, einem youtube-Video oder deinem Willen. Es ist weiser als dein Kopf. Und es hat seinen eigenen Rhythmus. 

Eine Knospe öffnet sich erst, wenn sie stark genug geworden ist, um eine Blüte zu sein. Genauso öffnet das Herz sich erst, wenn es mutig und stark genug geworden ist, wenn es genug Vertrauen gefasst und sich ausreichend genährt hat.

Im Gegensatz zum Wandel von der Knospe zur Blüte geht die Öffnung des Herzens nicht immer sanft vor sich. Es war nicht sanft, was besagte Yogalehrerin mit meinem Körper gemacht hat. Es war nicht einmal liebevoll – aber es war heilsam. Und es konnte nur geschehen, weil mein Herz bereit dazu war. Hätte sie mir dieselbe Hilfestellung wenige Wochen früher gegeben, wäre wahrscheinlich nicht das Geringste passiert.

Hör auf, deinem Herzen Befehle zu erteilen. Vertraue seiner Weisheit. Es öffnet und schließt sich genau zur richtigen Zeit.

An den Tagen nach meiner Herzöffnung habe ich übrigens nicht nur viel geweint, sondern auch gelacht wie seit meiner Teenagerzeit nicht mehr. Ich habe gelacht, bis mir die Tränen die Wangen hinunterliefen und ich keine Luft mehr bekam. Ich habe mich beim geringsten Anlass vor Lachen gekrümmt. Alles, was jahrelang in meinem Herzen vergraben gewesen war, drang an die Oberfläche.

Die Pysiker suchen seit langem vergeblich nach der Weltformel (Theory of everything), die das ganze Universum erklären soll. Damit kann ich natürlich nicht dienen. Aber eine Formel für mein ganz persönliches  Layaversum habe ich gefunden. Sie lautet:

LEBEN = LACHEN + WEINEN + ALLES DAZWISCHEN

Und wie lautet deine persönliche Weltformel?

Foto: © Maxim_Kazmin – Fotolia.com

Anregend wie der erste Schluck Kaffee. Wohltuend wie die Morgensonne. Nährend wie eine Umarmung.

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Heyho, das hat geklappt! Wir hören uns nächsten Sonntag. Bis dahin: Stay true!