DIE ALCHEMIE DES SCHREIBENS

5 Uhr morgens, Dämmerlicht. Tiefer Atemzug. Stift trifft auf Papier. Aus Gedanken werden Buchstaben, aus Gefühlen Worte. Leise Ahnungen verdichten sich zu Sichergewusstem, Chaos ordnet sich zu intelligenten Strukturen, bedrohlich große Sorgenberge verwandeln sich in lachhaft kleine Gartenzwerge.

Heiliger Moment.

18 Uhr abends, Dämmerlicht. Zwölf Menschen in einem Seminarraum. Atemanhalten, Präsenz. Zwölfmal Schreibgeräusch, sonst Stille. Kreativität bricht sich Bahn, Bilder tauchen auf aus dem Nichts, Aha’s schwirren durch den Raum, die Seele spricht, gebanntes Lauschen. Mitteilen, zuhören, sich öffnen, lachen, manchmal auch weinen.

Heiliger Moment.

Ein Leben lang schon beschäftige ich mich mit dem Schreiben. Genaugenommen mit seiner Alchemie.

Schreiben wandelt und verwandelt. Schreiben hat das Potenzial, aus unscheinbaren Rohstoffen Gold zu machen.

Schreiben ist jenes Transformationsmedium, dem ich am allermeisten vertraue. Weil es mich noch nie im Stich gelassen hat, und weil ich ein ums andere Mal erlebt habe, wie es anderen Menschen in ihren Wandlungsprozessen Halt und Sicherheit, Erkenntnisse, Visionen und Inspiration geschenkt hat.

Geist wird zu Materie.

„Eigentlich ist das doch ein unglaublicher Vorgang“, schreibt Jürgen vom Scheidt. „Ein Gedanke, ein vorher nur in meinem Kopf, also in meinem Bewusstsein existierendes Erinnerungsbild, fließt als neuronales Feld durch meinen Arm, meine Hand, meinen Stift auf das Papier – und Geist wird zu Materie!“

Der unglaubliche Vorgang, von dem hier die Rede ist, ist aber nur ein winziger Teil der Alchemie des Schreibens. Nicht nur Gedanken manifestieren sich auf dem Papier, sondern auch Botschaften aus dem Unbewussten. Die leisen Rufe unserer Seele gerinnen zu Buchstaben, das Schreiben durchdringt Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft – weil die Seele in allen drei Dimensionen gleichzeitig zuhause ist. Schreiben ist Meditation auf dem Papier: Die Gedanken klären sich, und geben den Weg frei zu einem Erkennen, das viel tiefer ist, als es für den denkenden Verstand jemals zugänglich wäre.

Ich spreche hier vom Schreiben als Methode der Selbsterkenntnis, nicht vom Produzieren von Texten. Es geht um einen Prozess, der uns zu mehr Wahrhaftigkeit führt, und nicht darum, „gut“,  „richtig“ oder „originell“ zu schreiben.

Damit erübrigt sich auch die Frage, ob jemand schreiben kann oder nicht. Schreiben zu „können“ ist dem Schreiben, wie ich es hier verstehe, sogar eher abträglich. Denn wer schreiben kann, bei dem gewinnt oft der innere Zensor die Oberhand. Unter seinem strengen Blick duckt die Seele sich schnell weg, und die zarten jungen Wortpflänzchen fallen seinem strengen Regime zum Opfer.

Nicht wissen. Nicht schreiben.

Neugierig und in einer Haltung des Nichtwissens beginnen wir zu schreiben, offen für den Prozess und alles, was er uns bringen mag. Der Stift gleitet übers Papier, und etwas, das vorher noch nicht da war, nimmt Form an. Wir schöpfen.

Irgendwann hören wir dann vielleicht sogar auf zu schreiben, während die Worte weiterhin aufs Papier fließen. Nun schreibt ES UNS.

Und das ist – für mich – ein heiliger Moment.

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Foto: anyaberkut – Fotolia.com

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