Ulli Olvedi: Wie in einem Traum

Mai 16, 2017

Die Geschichte eines mutigen Mädchens, das in einem tibetischen Nonnenkloster zu einer wilden, weisen Frau heranreift. 

Auf brutalste Art und Weise werden Mailis Eltern ermordet. Ihr kleiner Bruder stirbt aus Kummer über den Verlust. Nachdem sie aus ihrer tiefen Trauer erwacht ist, beschließt Maili, auch das, was ihr noch geblieben ist – ihren Onkel und ihre Tante, ihr Heimatdorf und das winzige Häuschen ihrer Eltern -, hinter sich zu lassen. Sie macht sich auf den Weg in eine unbestimmte Zukunft: in ein Nonnenkloster in den Bergen Nepals, in der Nähe von Kathmandu.

Das erste Jahr ist hart für Maili. Doch schließlich findet sie im Kloster eine neue Familie: die stets vergnügte Nonne Shimi, die heimlich in Mail verliebt ist, die kleine Deki, um die sie sich kümmert wie um eine kleine Schwester, die kluge Ani Pema, die strenge, aber liebevolle Disziplinarin Urgyen Ani, und die räudige Hündin Chungchung.

Vor der großartigen Kulisse des Himalaya entspinnt sich die Geschichte einer außergewöhnlichen jungen Frau, die wild entschlossen ist, vom Buddha zu lernen, wie man nicht mehr leidet. Sie erkennt, dass es dafür notwendig ist, ihren Geist zu zähmen und ihre Emotionen als Erscheinungen in diesem Geist wahrzunehmen, ohne sich von ihnen davontragen zu lassen. Selbstbewusst geht sie ihren Weg – auch als sie sich unsterblich in den schönen Mönch Sönam verliebt. Ihre brennende Leidenschaft weiß sie in tiefe, mitfühlende Liebe zu verwandeln.

Eines Tages besucht ein hoher buddhistischer Lehrer, ein fremder Rinpoche, das Kloster. Als sein Blick auf den von Maili trifft, wird sie wie von einem Blitz durchzuckt. Der um viele Jahre ältere Rinpoche möchte sie mit nach Indien nehmen – sie soll seine Karmamudra werden, seine tantrische Gefährtin. Obwohl es eine große Ehre für sie ist, für diese Rolle auserwählt zu werden, lehnt Maili ab. Der Rinpoche versteht, ohne, dass sie es mit Worten erklären müsste: Ihre Liebe gehört Sönam.

Die Angst vor der Yogini
Eifrig absolviert Maili ihre spirituelle Praxis – aber sie will mehr. Sie will die Natur des Geistes direkt erfahren, alles mit ihrem Bewusstsein durchdringen. So wird sie zur Schülerin einer alten Yogini, die in einer Höhle in der Nähe eines Felsens wohnt, auf dem immer wieder ein Tiger gesichtet wird. Doch vor dem wilden Tier fürchtet Maili sich weniger als vor der unheimlichen Frau, die über übernatürliche geistige Kräfte verfügt, Gedanken lesen und sich in verschiedenste Formen verwandeln kann.

Ihrer Angst zum Trotz klettert Maili immer wieder den steilen Hang hinauf zur Höhle. Sie lernt die dynamische weibliche Weisheitsenergie der Dakinis – als „Himmelstänzerinnen“ bezeichnete spirituelle Wesen –  kennen und taucht immer tiefer in die tantrischen Lehren des Buddhismus ein, die jenseits aller Konzepte und gedanklichen Konstrukte direkt auf die erleuchtete Qualität des Geistes weisen.

„Wie in einem Traum“ ist ein Buch, das vom Erwachen handelt. Vom Erwachen eines ängstlichen Mädchens zu einer furchtlosen Frau, die die Liebe in allen Facetten lebt. Vom Erwachen eines Menschen zu einem spirituellen Wesen, das in absoluter Wahrheit gegründet ist, ohne die relative Wahrheit des menschlichen Daseins zu missachten. Vom Erwachen einer spirituell Praktizierenden zu einer Frau, die die Wahrheit in sich selbst gefunden hat und sich von ihrem „inneren Guru“ leiten lässt, um die direkte Erfahrung der unendlichen Leere zu machen, in der allein letztendliche Freiheit zu finden ist.

Ulli Olvedi erzählt in ihrem Roman Mailis Geschichte so mitreißend, dass man gar nicht mehr aufhören möchte zu lesen, um mehr vom Schicksal der tapferen Nonne zu erfahren. Immer wieder flicht die Autorin buddhistische Weisheiten in die einzelnen Kapitel ein, so dass das Buch – ganz nebenbei und ohne belehrend zu sein – zum Lehrmeister wird.

>> Ulli Olvedi: Wie in einem Traum

Big wild love, Laya

Anregend wie der erste Schluck Kaffee. Wohltuend wie die Morgensonne. Nährend wie eine Umarmung.

Jeden Sonntagmorgen ein Goldstück in deinem Email-Postfach!

Heyho, das hat geklappt! Wir hören uns nächsten Sonntag. Bis dahin: Stay true!