Wenn es sich endlich richtig anfühlt – 5 Anzeichen, dass du DEIN Ding machst

Sep 8, 2017

Manchmal fühlt sich das Leben an, als wären wir nicht so ganz im richtigen Film. Vielleicht können wir es uns nicht erklären, vielleicht ist es auch nur ein unterschwelliges Gefühl, das sich in stillen Momenten immer wieder mal meldet. Vielleicht sind es aber auch Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Schwindel oder chronische Verspannungen – whatever.

Irgendwie fühlen wir uns bei dem, was wir tun, wie ein falscher Fünfziger.

Natürlich finden wir alle möglichen Argumente dafür, warum wir daran nichts ändern können – sicherer Job, von irgendetwas muss man schließlich die Miete bezahlen, das Arbeitsklima ist super, andere wären froh um eine solche Stelle, … -, aber unser Gefühl spricht eine ganz andere Sprache.

Wir sind nicht so ganz in unserem Element, stehen bestenfalls halbherzig hinter dem, was wir tun, fühlen uns fremdbestimmt, ferngesteuert, im Pflichterfüllungsmodus, vor allem aber: nicht so richtig lebendig.

Heimlich sehnen wir uns danach, dass es sich, vielleicht, irgendwann einmal, einfach RICHTIG anfühlen wird. Aber uns fehlt das Vertrauen, dass es tatsächlich einmal so sein könnte, würden wir uns nur endlich auf den Weg machen. Also arrangieren wir uns. Schließen Kompromisse. Geben uns zufrieden. Wagen nicht, die Latte höher zu legen. Tut ja auch sonst keiner, warum dann ausgerechnet wir?

Kürzlich las ich die Geschichte der 35jährigen Susanne Geisler, die ihre Karriere als Juristin aufgab, um Komponistin zu werden. Sie wählte das Jura-Studium aus den üblichen Gründen, und die Musik, die sie als Kind geliebt und in Form von Farben gesehen hatte, verschwand aus ihrem Leben. Gegen Ende des Studiums bekam sie Panikattacken in Vorlesungen, ihr war ständig schwindlig und sie schlief schlecht. „Kurz vor dem Examen habe ich angefangen, das alles aufzubrechen. Ich habe wieder angefangen, Klavier zu spielen, habe verstanden, was ich mir selbst genommen hatte. Endlich war da wieder etwas, das sich total lebendig anfühlte. Das Loslassen von Jura war dann ein Abschied auf Raten, Ich habe keinen klaren Cut gemacht, sondern mich herangetastet. Ich bin kein Risikotyp.“

Die Komponisten-Ausbildung hat sie sich mit Jobs in Bio-Supermärkten und Cafés finanziert, nach mehreren Zwischenstationen schreibt sie heute Songs für Hochzeiten, komponiert ihre eigenen Stücke und tritt in Bars und Cafés auf.  Davon kann sie noch nicht leben, also gibt sie nebenbei noch Klavierunterricht. Als Anwältin möchte sie nicht mehr arbeiten, auch wenn sie damit deutlich mehr verdienen würde.

„Meine Familie war früher so ängstlich. Ich bin die Erste, die sich dieser Angst gestellt hat. Und das fühlt sich jetzt endlich richtig an“, sagt sie.

Genau das ist es. Endlich fühlt es sich richtig an.

Nicht immer leicht, nicht immer mühelos, nicht immer angenehm – aber endlich richtig. Und lebendig.

Im Menschen ist etwas, das stärker ist als er,

das ihn Wege gehen lässt, die ohne Ziel scheinen.

Dennoch ist glücklich, wer auf ihnen geht.

~ Alexandra David-Néel

 

Endlich fühlt es sich lebendig an!

Egal, ob andere es verstehen oder nicht: Für DICH fühlt es sich endlich richtig und lebendig an.

Mein eigener Weg war nicht unähnlich. Ich habe Lehramt Physik und Mathematik studiert, weil … das ist eine lange Geschichte 😊. Nach meinem ersten Unterrichtsjahr litt ich unter Alpträumen und wusste: zurück in die Schule führt kein Weg. Beim Journalismus-Studium bekam ich zum ersten Mal einen Geschmack davon, wie es sich anfühlen könnte, wenn ich mein Ding mache. Ich habe damals auf Anhieb einen Kurzgeschichtenwettbewerb gewonnen, obwohl ich ewig nicht mehr geschrieben hatte, und wusste: Ich bin auf der richtigen Spur.

Danach habe ich allerdings noch zahlreiche Haken geschlagen, mich verrannt, auf laaaaangen Umwegen meine Ortskenntnis erweitert, herumgeeiert bis zum Abwinken, mich geziert, selbst sabotiert, ein paar Unternehmen gegründet … und all das.

Sogar als ich bereits Yoga unterrichtete, mein eigenes Studio führte und Schreib-Workshops hielt, fühlte es sich noch nicht ganz richtig an. Obwohl ich hauptsächlich mit Dingen beschäftigt war, die ich im Grunde gern tat, und obwohl ich immer wieder begeistertes Feedback für meine Arbeit bekam, fühlte ich mich am Abend oft seltsam leer statt erfüllt, und da war noch immer dieser unstillbare Hunger nach … nach MEINEM Ding eben. Ich wusste, dass ich schon nah dran war.  Und ich suchte und suchte und suchte weiter.

Erst seit ich meiner eigenen Kreativität wieder viel, viel mehr Raum (und höchste Priorität) gebe, seit ich in meinen Seminaren Yoga und Meditation mit dem Schreiben verbinde, meine ganz eigene Form des „spirituellen Schreibens“ entwickelt habe und erlebe, welch unglaubliche Tiefe das ermöglicht, fühlt es sich richtig richtig an.

(Kürzlich hat mich Petra Prosoparis für ihr Ich-mach-mein-Ding-Camp gefragt, wie ich mein Ding in einem Satz beschreiben würde. Die Antwort war einfach: Die Suche nach Wahrhaftigkeit und das Schreiben als Weg).

Es kann ein langer Weg sein, bis es sich endlich völlig richtig und lebendig anfühlt. Das Schöne ist: Du musst nicht wissen, wohin dieser Weg dich führen wird. Es genügt, einen Schritt nach dem anderen zu machen und so lange weiterzusuchen und dem Gefühl der Lebendigkeit zu folgen, bis du irgendwann spürst: YES! DAS ist jetzt MEIN Ding.

(Natürlich ist auch das wieder nur eine Momentaufnahme, und es liegt mir fern zu behaupten, dass nur EIN Ding genau DEIN Ding sein kann. Meistens ist es eine einzigartige Mischung aus verschiedenen Dingen, und die kann sich immer wieder verändern.)

5 Anzeichen, dass du endlich DEIN Ding machst:

1) Es fühlt sich nach Zuhause an.

Es ist ein Aufatmen, das Gefühl, endlich am richtigen Platz angekommen zu sein. So als würdest du das letzte fehlende Teilchen in ein Puzzle einfügen, einen zufriedenen Atemzug nehmen und endlich, endlich das ganze Bild sehen. So als wärst du endlich ganz in deinem Element – du fühlst dich wie ein Fisch im Wasser.

2) Du hörst auf, dich zu vergleichen.

Plötzlich bist du nicht mehr neidisch auf andere, die es – aus deiner Perspektive – „geschafft haben“. Plötzlich ist dir ziemlich egal, was andere tun und wie sie es tun. Du lässt dich gerne inspirieren und schaust auch mal über den Tellerrand, aber im Grunde bist du so beschäftigt – um nicht zu sagen absorbiert – von deinen Leidenschaften, deinem kreativen Flow, deinem Schaffensdrang, dass du gar keine Zeit mehr hast, um auf andere zu schielen.

Endlich nicht mehr auf andere schielen

Endlich nicht mehr auf andere schielen – sondern selbst auf die Bühne des Lebens treten!

3) Erfolg und Anerkennung werden zunehmend unwichtig.

Ich glaube zwar, dass wir alle ein Stück weit auch die Anerkennung von anderen brauchen, aber wenn wir uns durch unser Tun an sich schon richtig erfüllt und zufrieden fühlen, sind wir bei weitem nicht mehr so abhängig davon. Und wir werden zunehmend immun gegen die ewigen Zweifler, Naysayer und Komfortzonendauerbewohner.

4) Am Ende des Tages hast du das Gefühl, nicht nur funktioniert zu haben.

Du hast nicht nur Listen abgehakt oder fremdgesteuert auf das reagiert, was von Außen an dich herangetragen wurde. Du warst nicht nur die ganze Zeit über beschäftigt – du hast auch wirklich etwas geschafft, oder besser: geschaffen. DU warst der Kapitän, DU hattest das Steuer in der Hand. Und auch wenn Wind und Wetter dir immer wieder Flexibilität abfordern: DU weißt, wohin du dein Lebensschiff lenkst.

5) Es ist nicht mehr so mühsam.

Klar, auch dein eigenes Ding zu machen kostet manchmal Kraft und Anstrengung, aber was uns wirklich Energie raubt, ist das Gefühl, am falschen Platz zu sein. Das Gefühl, dass unserem Tun einfach keine Wahrhaftigkeit innewohnt. Auch wenn du genau dein Ding machst, brauchst du Pausen, Regenerationszeiten und immer wieder mal Abstand – aber du wirst dich fast dazu zwingen müssen. Innerhalb kürzester Zeit ist dann deine Begeisterung wieder entflammt, du krempelst die Ärmel hoch und schreitest zu neuen Taten.

Zum Abschluss möchte ich dir drei Fragen stellen, die mir selbst immer wieder als Leitsterne gedient haben:

* Gibt es irgendetwas, das dir ganz leicht fällt? Vielleicht so leicht, dass es für dich selbstverständlich ist, dass du gar nicht auf die Idee kommst, es könnte eine besondere Gabe sein, die andere nicht haben?

* Bei welchen Tätigkeiten bist du so richtig versunken und selbstvergessen? Wobei vergisst du die Zeit und alles andere rund um dich?

* Was fühlt sich leicht UND freudvoll an? Dieses Freudegefühl kann ganz still sein – oder aber dir hüpft laut das Herz und du würdest am liebsten wie ein kleines Kind singen und durch die Gegend springen!

Big wild love, Laya

Beitragsbild: Dc Lovensky on Unsplash
alle anderen: Daniel Schneider

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Heyho, das hat geklappt! Wir hören uns nächsten Sonntag. Bis dahin: Stay true!