10 + 1 Rezepte für schüchterne Rampensäue

Feb 12, 2016

Da vorn ist die Bühne. Und hier bist du. Tief drin wohnt die Angst. Doch sie ist nicht alleine. Denn da lebt auch noch dieses TIER in dir.

Ich bin sieben, höchstens acht. Stehe mit hundert anderen Kindern auf dem Schulhof. Wie jeden Morgen schreitet, kurz bevor wir eingelassen werden, ER über den Hof. Alle hundert grüßen IHN artig, während ER majestätisch nickend den Blick über die bunte Schar schweifen lässt. Dann verschwindet ER im Schulgebäude. Jeden Tag. Nur heute nicht. Heute kommt ER auf MICH zu. Steht riesengroß vor mir. Ich werde klein wie ein Zwerg. „Kannst du nicht grüßen?“, fragt ER. Ich schlucke. Kein Wort kommt über meine Lippen. Die Spitze SEINES Regenschirmes bohrt sich tief in meinen Bauch. Am Schulhof wird es mucksmäuschenstill. „Na? Ein einfaches Guten Morgen?“ Ich will, will, will ja, aber mein Bauch ist hart, mein Atem stockt, und meine Lippen sind versiegelt. ER hält mich für renitent. Dabei bin ICH einfach nur schüchtern. Eine furchtbar schüchterne Siebenjährige.

Ich weiß nicht, wie viele Vorträge und Seminare ich seither gehalten, wie viele Präsentationen, Assessments und Lesungen ich bravourös gemeistert habe in den 35 Jahren, die seit Direktor’s Regenschirm vergangen sind. Wie oft bin ich vor Gruppen getreten, wie oft bin ich über meinen Schatten gesprungen (und einmal sogar aus einem Flugzeug)? Das schüchterne Mädchen war immer mit dabei. Das Lampenfieber und die Angst auch. Aber die Sau war stärker. Das Tier, das UNBEDINGT da rauf will. Auf die Bühne. Das im Rampenlicht stehen will, im Mittelpunkt, das die Blicke auf sich ziehen, das sein Licht strahlen lassen will.

Glaub mir: Auch Rampensäue sind nervös. Auch Stars haben Lampenfieber. Auch Menschen, die nach außen absolut souverän wirken, haben zittrige Knie, wenn sich alle Blicke auf sie richten. Der Unterschied ist nur: Sie üben. Sie kennen Tricks. Und sie tun es. TROTZDEM. (*)

Spürst du, dass es auch in DIR steckt, das Tier? Du willst dich zeigen, willst strahlen … aber …. da ist ja noch der Direktor. Und sein Schirm. Oder was auch immer DICH davon abhält, auf die Bühne des Lebens zu steigen und deine Rolle wirklich auszufüllen.

Das war einmal. Vor vielen, vielen Jahren. Willst du JETZT leben oder DAMALS? Willst du in der Komfortzone bleiben oder wachsen?

Vielleicht möchtest du eines meiner bewährten Rezepte für schüchterne Rampensäue ausprobieren. Die ersten drei sind Futter für den Kopf. Rezept 4 bis 9 nutzen das Prinzip des Embodiment. Selbstbewusste Körperhaltung – selbstbewusster Geist. Das zehnte schließlich macht sich die Kraft des Atems zunutze. Und dann gibt es auch noch einen Bonus-Tipp.

Die Rezepte funktionieren in jeder Situation, in der du Selbstbewusstsein brauchst, egal, ob du bei deiner Chefin eine Gehaltserhöhung beantragen, eine Rede halten oder den netten Typen von nebenan auf einen Kaffee einladen möchtest.

Es muss nicht immer die große Bühne sein. Nicht jeder von uns wäre glücklich als Mega-Star vor tausenden Menschen im Publikum. Aber sich zu zeigen – danach sehnt sich wohl jeder Mensch insgeheim. Und du tust es nicht nur für dich selbst. Nein. Die Welt braucht DICH und DEIN Licht, DEINE Einzigartigkeit – egal, ob du Pippi oder Annika heißt.

Wer sich nach Licht sehnt, ist nicht lichtlos. Denn die Sehnsucht ist schon Licht! ~ Bettina von Arnim

10 + 1 Rezepte für schüchterne Rampensäue

1) Was ist das Schlimmste, das passieren kann?
Und wie schlimm ist es wirklich? Du stolperst über das Beamer-Kabel. Das Mikrofon funktioniert plötzlich nicht mehr. Du wirkst unfreiwillig komisch. Na und? Du hast die Leute zum Lachen gebracht. Gut für dein Karma! Und außerdem: Mit jedem Lachen stirbt ein Problem.

2) Du könntest scheitern. Versagen. Wer im Rampenlicht steht, dessen Fehler werden deutlicher sichtbar. Eine wunderbare Gelegenheit, dich selbst mehr zu lieben.

3) Fehler machen sympathisch. Wer will schon von perfekten Menschen an die eigene Unvollkommenheit erinnert werden? Also zeige dich in deiner Unperfektheit und ermutige andere dazu, das gleiche zu tun.

4) Lächle. Schon im Vorfeld. Je breiter, desto besser. Fühlt sich künstlich an? Macht nichts. Über Neurotransmitter signalisiert deine lächelnde Gesichtsmuskulatur deinem Gehirn: Alles bestens, kein Grund zur Aufregung. Hat denselben Effekt: Einen Stift so in den Mund nehmen, dass nur die Zähne ihn berühren, nicht die Lippen.

5) Gähne. Wir gähnen, wenn wir loslassen, uns entspannen. Umgekehrt funktioniert es genauso: Wenn du absichtlich gähnst, ist die Botschaft an deinen nervösen Kopf ganz klar: Relax. Alles ist gut. Singen funktioniert übrigens auch wunderbar!

6) Nimm dir Raum. Eine Studie hat gezeigt, dass schon zwei Minuten langes Arme-Ausbreiten den Testosteron-Spiegel hebt und den Cholesterol-Spiegel senkt. Übersetzt bedeutet das: mehr Selbstbewusstsein, weniger Stress. Du kannst dir aber auch einfach nur vorstellen, wie du mit ausgebreiteten Armen dastehst. Verblüffend, aber: es wirkt.

7) Wachse in deine Größe. Rolle Wirbel für Wirbel deinen Oberkörper ab und lass für ein paar Atemzüge Oberkörper und Kopf ganz locker hängen (Knie dabei ruhig anbeugen!). Dann roll gaaaaanz langsam, Wirbel für Wirbel wieder hoch. Roll dann deine Schultern nach hinten-unten und hebe zuletzt deinen Kopf. Bleib mit geschlossenen Augen stehen und nimm deine Ausdehnung zwischen Fußsohlen und Scheitel wahr. SO groß bist du!!! Dein Kraftfeld dehnt sich sogar noch weit über die Grenzen deines physischen Körpers hinaus aus.

8) Spür die Erde unter deinen Fußsohlen. Verwurzle dich. Du kannst nicht von dieser Erde fallen. Remember:

Du kannst nicht von dieser Erde fallen

 

9) Sprich mit deinem Körper! Vielleicht reagiert er mit schweißnassen Händen oder mit einer staubtrockenen Kehle auf die Anspannung. Vielleicht klopft das Herz bis zum Hals und die Knie schlottern. Sag ihm, dass du nicht mehr die schüchterne Siebenjährige bist und auch nicht der unsichere Teenager. Sag ihm, dass du jetzt erwachsen und stark bist. Sag ihm, dass nichts Schlimmes passieren kann. Sag ihm, dass du ganz fest an ihn glaubst. Und an dich selbst.

10) Atme tief und ruhig in deinen Bauch, verlängere die Ausatmung. Wenn du angespannt bist, wird dein Atem automatisch flach und unregelmäßig, und deine Sauerstoffversorgung läuft auf Sparflamme. Tiefe Bauchatmung beruhigt, langes Ausatmen löst die Anspannung.

Bonus-Rezept: Die 3 Sekunden Regel
3 – 2 – 1. Gib deinem Kopf keine Chance. Sei schneller als die Wenns und Abers. Lass es raus, das Tier. JETZT!

(*) “Ich selbst bin nervös vor öffentlichen Vorträgen”, gestand einst der Dalai Lama. “Ich rufe mir dann ins Gedächtnis zurück, dass mein Hauptanliegen darin besteht, Menschen zu nützen – und nicht darin, mit meinem Wissen zu prahlen.”

Foto: © milanmarkovic78 – Fotolia.com

Anregend wie der erste Schluck Kaffee.
Wohltuend wie die Morgensonne.
Nährend wie eine Umarmung.
 

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