Top 3: Drei Lieblingsbücher über das Schreiben

Apr 5, 2018

Gar nicht so einfach, eine Auswahl zu treffen – mein Bestand an Büchern über das Schreiben nimmt mittlerweile mehrere Regalfächer ein, und in den letzten Jahren ist eine ganze Flut an Publikationen zu diesem Thema erschienen, denen ich nicht widerstehen konnte.

Trotzdem gibt es ein paar absolute Lieblingsbücher, und manchmal sind Oldies einfach Goldies. Viel Spaß beim Schmökern!

 

# 1 Gail Sher: Schreib dich frei

Ich erinnere mich noch gut an den Moment, in dem ich dieses Buch zum ersten Mal in der Hand hielt. Der Untertitel “Zen für Kreative” zog mich sofort in seinen Bann, und dass Schreiben für die amerikanische Psychotherapeutin und Dichterin Gail Sher eine Meditations-Praxis darstellt, ließ mich aufatmen. Immer wieder stellt sie das Schreiben in den größeren Kontext eines spirituellen Weges:

“Damit die Schreibpraxis vollkommen wird, müssen wir sie weggeben: die Anstrengungen, die Ergebnisse und unsere Indentifikation mit den Ergebnissen. Viel von dem Glück, welches das völlige Aufgehen in einer Aktivität mit sich bringt, wird durch den Glauben zunichte gemacht, dass wir der Bestzer sind – dass wir wissen, was wir tun. Aber alles, woran wir festhalten, verursacht Disharmonie. 

Wenn Sie Ihr Schreiben und Ihre Anstrengungen zu schreiben darbringen, stellt das Ihre ursprüngliche Absicht in einen größeren Rahmen. Sie werden zu einem Gefäß, durch das der schöpferische Geist fließt. […] Sei es eine Geschichte, ein Gedicht, ein Haiku oder ein Brief – Wörter reichen über die wortlose Essenz hinaus, wenn sie (als Zuflucht und als Weg) Ihnen nicht länger gehören.”

In wunderbaren kurzen Kapiteln gibt Gail Sher uns Anekdoten, Weisheiten und Schreib-Übungen an die Hand, die inspirierender nicht sein könnten. Das schönste an dem schmalen Band sind aber die letzten drei Sätze:

“Jede von uns muss ihren eigenen Weg durch das Schreiben finden. Schreiben lehrt uns Schreiben. Niemand kann Ihnen Ihr eigenes Geheimnis verraten.”

{Der Originaltitel des Buches lautet “One Contiunuous Mistake”. Ob und wo die deutsche Ausgabe noch erhältlich ist, weiß ich leider nicht … die englische Ausgabe gibt es >>hier.}

 

Divider Gold

 

# 2 Anna Platsch: Schreiben als Weg

Auch für Anna Platsch ist klar: Das Schreiben bringt uns in Kontakt mit unserer Essenz, unserem wahren Wesenskern, und so ist Meditation für sie ein wesentlicher Bestandteil des Schreibens – bzw. eine wichtige Vorbereitung auf das Schreiben als Erkenntnis- und Transformationsprozess:

“Seit einigen Jahren kann man ja das Wort ,Meditation’ schamlos aussprechen. In jedem zweiten Wellnesshotel wird morgens meditiert oder gibt es einen Meditationsraum oder Meditationsmusik. Das ist eigentlich eine feine Sache.

Nur – diese Art von Meditationen sind meistens einfache Entspannungsübungen, haben mit Meditation als spiritueller Praxis nur die Benennung gemeinsam.

Das Schwert eines spirituellen Weges ist schärfer. Und wenn Sie das Schreiben als spirituelle Praxis nehmen, ist eine Übung der Versenkung, eine, die unseren Verstand zentriert und leert und den Willen schult, sehr hilfreich.”

Ein guter Teil des Buches ist der Biografie-Arbeit und damit der (schreibenden) Auseinandersetzung mit den eigenen Lebensthemen gewidmet. Unweigerlich geht es dabei auch um persönliche Verletzungen und Schatten – und damit um Heilung, um die Lösung aus der eigenen Geschichte und das Freiwerden:

“Es ist ein solcher Genuss, frei zu sein. Die tiefste Freiheit geht natürlich über die Ebene ,erlöste Kindheit’ hinaus. Und doch ist es unendlich hilfreich, auf uns als ganzen Menschen zu schauen, denn wo immer wir stehen – das Unerlöste holt uns ein, es lässt sich nicht einfach auf eine andere Ebene  verschieben, sondern braucht Auflösung dort, wo es wirkt.”

Eine Vielfalt an kreativen, immer wieder überraschenden Übungen paart sich in diesem Buch mit der Lebensweisheit einer gereiften Wandlerin auf weltlichen und spirituellen Wegen.

>> Anna Platsch: Schreiben als Weg: Von der kreativen Kraft des Wortes

 

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# 3 Natalie Goldberg: Schreiben in Cafés

Ich liebe Natalie Goldbergs Klassiker allein schon wegen des Titels – denn nirgendwo schreibe ich lieber als in Cafés. Am allerliebsten natürlich in fremden Städten 🙂

{Der Original-Titel lautet übrigens “Writing Down the Bones”. Auch nicht schlecht.}

In 196 kurzen Kapiteln inspiriert die Autorin nicht nur zu kreativen Schreib-Übungen, sondern weiht uns auch in die Geheimnisse des Schreibens ein, die der Kunst des Kuchenbackens gar nicht so unähnlich ist:

“Sie können die Zutaten nicht einfach nur in eine Schüssel geben und umrühren – daraus entsteht kein Leben. Sie müssen eins werden mit den Details, sie müssen Teil Ihres Körpers werden. Nabokov sagte: ,Liebkose die göttlichen Details’. Er sagte nicht: ,Rück’ sie zurecht oder schubs sie herum.’ Liebkosen, berühren Sie sie zärtlich. Sorgen Sie sich um sie. Tauchen Sie mit Ihrem ganzen Körper in den Fluss ein, über den Sie schreiben, so dass Ihr ganzes Ich es fühlt, wenn Sie eine gelbe, zähe Brühe oder einen reißenden Strom nennen. Es sollte keine Trennung zwischen Ihnen und dem Geschriebenen geben. Katagiri Roshi sagt: ,Wenn du Zazen (sitzende Meditation) machst, dann solltest du selbst nicht mehr anwesend sein. Du wirst zu Zazen. Und bist nicht mehr Steve oder Barbara.’ So solltes es auch sein, wenn Sie schreiben – das Schreiben schreibt. Sie selbst verschwinden: Sie notieren nur die Gedanken, die durch Sie hindurchströmen.”

Da haben wir sie wieder: die Verbindung zwischen Schreiben und spiritueller Praxis. Natalie Goldberg versteht es wunderbar, das Kleine, das Profane, in Bezug zum Großen, zum Göttlichen zu setzen und uns zu ermutigen, das eine im anderen zu finden:

“Bei Details denken wir meist an etwas Kleines, nicht an den kosmischen Geist oder an jene Berge New Mexicos. Wir halten Details für alltäglich und weltlich. Aber selbst der großartige, atemberaubende Anblick majestätischer Berge ist alltäglich für den, der dort lebt. Und sogar Wunder sind weltliche Vorkommnisse, die ein erweckter Geist auf fantastische Weise wahrnehmen kann. 

Schreiben beruht also nicht allein auf einem materialistischen Umgang mit Objekten. Wir beschreiben Einzelheiten, um durch das Alltägliche ans andere Ufer zu gelangen – zu der unendlichen Weite, die hinter allem liegt.”

>> Natalie Goldberg: Schreiben in Cafés

 

Big, wild love

Laya

Anregend wie der erste Schluck Kaffee.
Wohltuend wie die Morgensonne.
Nährend wie eine Umarmung.
 

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