Ärgern? Spielen? Loslassen!

Okt 18, 2015

Mein Freund K. ist sechsfacher Vater. Zwei seiner Kinder sind Stief-, zwei sind Zwillingskinder, und erwachsen sind sie mittlerweile alle. K ist die Gelassenheit in Person.

„Er hat das Recht, es zu versuchen“, beschwichtigt er mich, als ich mich maßlos darüber aufrege, dass mein Sohn felsenfest behauptet, er habe eben die Zähne geputzt, während der Zahnbürstentest das genaue Gegenteil beweist: staubtrocken.

Wenn ich etwas nicht mag, dann wenn jemand mich für dumm verkauft.

Wie zum Beispiel der Bio-Produzent, der erklärt, er lasse sich nicht Fairtrade zertifizieren, weil er ohnehin alle Lieferanten fair behandle. Mein Internetprovider bezeichnet die saftige Preiserhöhung als „nicht ausschließlich begünstigende Änderung der Vertragsbedingungen“. Und ein gewitzter Online-Marketer verkauft mir sein Produkt um einen Euro, nur um mir als „Bonus“ ein Abo für € 49 im Monat unterzujubeln.

Zuerst überlege ich, das Spiel mitzuspielen. Meinen Provider ganz naiv zu fragen, worin denn der begünstigende Teil der Vertragsänderung bestehe. Oder meinem Sohn mit großer Ernsthaftigkeít vorzuschlagen, beim nächsten Zähneputzen doch auch die Zahnbürste zu benutzen.

Und dann – lasse ich es einfach.

In jeder Minute, die man mit Ärger verbringt, verpasst man 60 glückliche Sekunden, heißt es. Mit Spielen, die keinen Spaß machen, auch. Also lieber loslassen. Macht nämlich garantiert glücklich – mindestens ein paar Sekunden lang.

Dieser Text ist in der Print-Ausgabe von Welt der Frau erschienen.

Anregend wie der erste Schluck Kaffee. Wohltuend wie die Morgensonne. Nährend wie eine Umarmung.

Jeden Sonntagmorgen ein Goldstück in deinem Email-Postfach!

Heyho, das hat geklappt! Wir hören uns nächsten Sonntag. Bis dahin: Stay true!