Be like water #2

Okt 9, 2015

Ungeduld ist mein dritter Vorname. Weil nicht alles sofort zum Erfolg führt, was ich tue, glaube ich, etwas falsch zu machen. Dabei habe ich nur meine mächtigste Verbündete vergessen – die Zeit.

Kinder lehren ihre Eltern Geduld, heißt es. Mein Sohn hat sich zwar redliche Mühe gegeben – aber gegen meine Ungeduld war er machtlos.

Was er nicht schaffte, vollbrachte der Yoga. Und mehr noch: die yogalounge.

 

“Denken Sie in Jahren”, pflegt eine meiner Lieblings-Yogalehrerinnen allen Yoga-Neulingen zu raten. Ich finde das sehr mutig, denn es klingt ganz und gar nicht sexy. Wer will nicht SOFORT Erfolge sehen? Nach den ersten paar Yogastunden superflexibel und am besten auch gleich erleuchtet durch die Welt stolzieren?

Obwohl ich diese Lektion, was meine Yoga-Praxis betrifft, durchaus bereits gelernt hatte, hat mich meine Ungeduld in Sachen yogalounge nochmal eingeholt – und fast zur Verzweiflung gebracht.

Denn NATÜRLICH war ich davon ausgegangen, dass das Team sofort perfekt harmonieren würde und alle Beteiligten suuuuper engagiert, zuverlässig und motiviert sein würden.

Und NATÜRLICH war ich davon überzeugt, dass alle Yogakurse von Beginn an berstend voll sein würden, alle Workshops ausgebucht und alle Räume ständig vermietet.

Und NATÜRLICH stand für mich außer Zweifel, dass wir von Anfang an Gewinne machen und wirtschaftlich suuuuper erfolgreich sein würden.

Als ich mir einige Monate nach dem Start eingestehen musste, dass nichts davon eingetroffen war, stellte ich mir EINE Frage:

WAS MACHE ICH BLOß FALSCH???

Inzwischen weiß ich: Ich habe sehr vieles sehr richtig gemacht. Eines aber hatte ich übersehen.

Erfolg ist ein Prozess. Und Wachstum braucht Zeit. Viel, viel, viel Zeit.

“Wir neigen dazu, das, was wir an einem Tag tun können, zu überschätzen, und das, was wir über einen längeren Zeitraum tun können, zu unterschätzen.” Chris Guillebeau

Es ist wahr: Wir leben in einer Instant-Gesellschaft, in einer Heute-haben-morgen-bezahlen-Zeit, in einer Buy-with-1-Click-Welt. Wir haben uns daran gewöhnt, alles, was wir uns wünschen, sofort haben zu können. Und haben dabei vergessen, was jeder Landwirt und jede Gärtnerin seit jeher weiß: Zwischen Säen und Ernten liegen viele kleine Schritte. Gießen, jäten, düngen, gießen, jäten, düngen, gießen, jäten, düngen, tagein, tagaus.

In seinem Buch “The Slight Edge” bemerkt Jeff Olson sehr treffend, dass wir nicht die Helden eines Kindofilms sind – das Abenteuer unseres Lebens lässt sich nicht auf zwei actionreiche Stunden komprimieren. Es geht dabei auch nicht um große Heldentaten.

Vielmehr: Wir müssen lernen, Helden und Heldinnen des Alltags zu sein.

“Master the mundane”, nennt Olson das. Meistere das Alltägliche, das Triviale, das Banale – und du meisterst dein Leben.

Es sind die vielen, vielen kleinen Dinge, die wir täglich tun – oder nicht tun.

Es sind die vielen, vielen kleinen Entscheidungen, die wir täglich treffen – zu unseren Gunsten oder zu unseren Ungunsten.

Es sind die vielen, vielen unscheinbaren Taten, die den Unterschied machen – mit der ZEIT.

Die ZEIT ist das Geheinmis.

Wenn wir nicht sofort Ergebnisse sehen, werden wir ungeduldig. Unsicher. Unrund. Wir beginnen daran zu zweifeln, dass das, was wir tun, etwas bringt. Wir wollen heute säen und morgen ernten. (*) Anstatt die Zeit zu unserer Verbündeten zu machen, machen wir sie zu unserem Feind.

Der Grand Canyon ist 450 km lang und 1600 Meter tief. Sechs Millionen Jahre hat das Wasser gebraucht, um diese gigantische Kerbe in die Erdoberfläche zu schlagen. Anstrengen mussten sich die Wassertropfen dabei nicht.

“Du musst nicht Millionen von Jahren warten, um die Wirkung der Zeit zu sehen”, schreibt Olson.

Und er hat Recht: Tag für Tag ein wenig gießen, jäten, düngen, und darauf vertrauen, dass diese vielen kleinen Taten sich – mit der Zeit – summieren werden: Das ist alles.

Heute, gut ein Jahr nach der Eröffnung, gehen in der yogalounge viele Samen auf, die ich vor langer Zeit gesät habe. Es entsteht eine eigene Dynamik, ein Schneeball-Effekt setzt ein. Und mir wird klar: Keiner meiner vielen kleinen Schritte war umsonst. Hier ein Mail, dort ein Presseartikel, hier ein Posting, dort ein Gespräch, hier ein Folder, dort ein Meeting – in Summe haben all diese trivialen Taten zum Erfolg geführt.

Darum: Be like water! Tu mit Liebe und Geduld und ohne Anstrengung die vielen kleinen Dingen, triff die vielen kleinen Entscheidungen, die dich deinen Zielen näher bringen.

(*) Ich persönlich will sogar heute säen und gestern ernten 🙂

Anregend wie der erste Schluck Kaffee.
Wohltuend wie die Morgensonne.
Nährend wie eine Umarmung.
 

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