Beziehungskonflikte lösen mit “Inner Coaching”

Jan 31, 2019

Es ist Sonntag. Ich will Wäsche waschen, aber mein Liebster belegt das Badezimmer. Ich will staubsaugen, aber im Wohnzimmer reparieren mein Liebster und Herr Sohn einen kaputten Wäscheständer, und ich habe keine Lust, um die beiden und das über den Boden verstreute Werkzeug herum zu saugen.

Ich will endlich losfahren, denn am Nachmittag treffe ich eine Freundin, und dann bin ich Gastgeberin bei einem Ayurveda-Workshop in der yogalounge. Ich muss noch Stühle und Flipchart aufstellen, Meditationskissen auflegen, dafür sorgen, dass der Beamer funktioniert, die Referentin betreuen, die Teilnehmerinnen einchecken, Rechnungen ausstellen, Plakate ausdrucken … und all das.

Aber als ich endlich bereit zum Aufbruch bin, meint der Liebste, ich solle doch bitte den kaputten Wäscheständer mitnehmen, ihm dann texten, wo ich das Auto geparkt habe, damit er es später holen und das sperrige Ding in sein Hobby-Atelier bringen kann. Am Abend, nach dem Workshop in der Lounge, so meint er, würde er mich wieder abholen. So um halb acht.

„Das geht sich nicht aus!“, fauche ich genervt. „Der Workshop dauert bis sieben, bis ich mit Verabschieden und Aufräumen fertig bin, brauche ich mindestens eine Stunde!“

„Hmmmmmmm“ macht mein Liebster, und ich kann ihn denken hören. Das kann dauern. Aber ich habe keine Lust, länger zu warten. Ich will los. Ich will, dass alles so läuft, wie ich es geplant hatte. Ich möchte … am liebsten ganz allein leben und tun und lassen können, was ich will und wann ich es will. Jawohl!

„Jetzt mach mein Leben nicht noch komplizierter, als es schon ist!“ rufe ich. „Ich hab genug um die Ohren, ich muss genug timen und koordinieren, ich muss mich um meinen Sohn kümmern und um meinen Vater und um mein Unternehmen, und du machst mir das Leben schwer wegen einer halben Stunde auf oder ab?“

Autsch. Es tut weh, so mit einem Menschen zu reden, den ich zutiefst liebe. Aber in diesem Moment kann ich nicht anders. Beleidigt rausche ich ab. Nehme die Straßenbahn statt das Auto. Bin wütend. Auf den Liebsten. Auf mich. Auf die Gesamtsituation.

Du und ich: Wir sind eins.
Ich kann dir nicht wehtun,

ohne mich zu verletzen.
~ Mahatma Gandhi

Aber schon auf dem Weg zur Straßenbahn fühle ich einen Hauch von Frieden in mir – denn ich weiß, dass ich am Abend über unseren Konflikt schreiben und danach besser verstehen werde, was da eigentlich abgelaufen ist. Ich weiß, dass wir nicht wirklich über einen Wäscheständer und eine halbe Stunde auf oder ab gestritten haben. Und ich weiß, dass ich nach dem Schreiben mit meinem Liebsten darüber sprechen werde, und dann werden wir wie so oft Schwieriges in Schönes verwandeln, werden wir durch unser tieferes Verständnis füreinander noch liebevoller, inniger und wahrhaftiger zueinander finden.

Es besteht nicht die geringste Chance, bedingungsloses Wohlwollen anderen gegenüber zu entwickeln, solange wir uns nicht um unsere eigenen Dämonen gekümmert haben.
~ Pema Chödrön

 

 

“Inner Coaching” mit Stift und Papier

Nach dem Workshop, bei Kerzenschein und einer Tasse Tee, beginne ich zu schreiben.

Zuerst gebe ich dem Ärger nochmal Raum. Ich erlaube mir, mich auf dem Papier auszukotzen. Ich weiß, dass ich diesen Schritt nicht überspringen darf. Die Emotionen sind da. Wenn sie aufs Papier fließen, fließen sie aus mir heraus. ALLES darf sein. ALLES darf sich aufs Papier ergießen, ohne Scham, ohne Schuld, ohne Angst. Alles, was ist, darf gesehen und gewürdigt werden. Und losgelassen.

Schon nach wenigen Minuten fühle ich mich erleichtert und bin bereit, mich schreibend selbst zu coachen. Bin nicht mehr verstrickt in meine Emotionen, will nicht mehr Recht behalten, sondern kann mich für Klarheit und Wahrhaftigkeit öffnen.

„Ok“, schreibe ich in mein Journal, „wenn du mal den Faktor rausdividierst, dass du gestern ein intensives Seminar gehalten hast und Ruhe und Auszeit gebraucht hättest, statt einen Workshop zu hosten, was bleibt dann?“

„Dann bin ich immer noch sauer auf ihn.“

„Ok, und wenn du den Faktor rausdividierst, dass du eigentlich keine Lust mehr hast, Workshops zu hosten, weil dich das davon abhält, deine eigenen Workshops zu halten und deine WAHRE Arbeit zu tun – was bleibt dann?“

„Dann bin ich immer noch sauer. Aber schon ein bisschen weniger.“

„Ok. Und wenn du dann noch den Faktor rausdividierst, dass du es grundsätzlich hasst, dich nach anderen richten zu müssen, dass du nichts mehr liebst als deine Freiheit und deine Unabhängigkeit, und dass es eine deiner zentralen Entwicklungsaufgaben ist, DEIN Ding zu machen und dich nicht ständig um andere zu kümmern – was bleibt dann?“

„Dann bleibt, dass ich mich von ihm nicht gesehen fühle. Er sieht nicht, was ich alles leiste. Er erkennt den Wert meiner Arbeit nicht an. Er hat keine Ahnung, um was ich mich alles kümmern muss!“

„Ok. Und wenn du jetzt noch den Faktor rausdividierst, dass DU selbst zu wenig anerkennst, was du alles leistest, dass DU selbst den Wert deiner Arbeit zu wenig siehst – was bleibt dann?“

„Hm. Dann ist da kein Ärger mehr, sondern Erkenntnis. Und Traurigkeit. Aber … da bleibt ein Vorwurf.“

„Aha. Und welcher?“

„Du bist dazu da, mein Leben einfacher zu machen, nicht NOCH komplizierter!“

WOW. Da haben wir ihn, den Schlüsselsatz.

WOW. Ist das also meine Erwartung an meinen Liebsten? Dass er mein Leben einfacher macht, nicht komplizierter?

WOW. Ist DAS das Bild, das ich von meiner Beziehung habe?

„Blick noch tiefer“, schreibt mein innerer Coach. „Woher kennst du diesen Satz?“

Und in diesem Moment erhellt sich alles. Denn ich erkenne.

Erkenne, was sich da gerade wiederholt.

Ich erkenne, dass genau DAS meine zentrale Rolle war, von dem Moment an, in dem ich in meine Familie hineingeboren wurde: Unkompliziert zu sein. Niemandem das Leben schwer zu machen – schon gar nicht meinen Eltern, denn die hatten es schwer genug. Ein wonniges Sonnenscheinchen zu sein, denn das erste Kind war gestorben, das zweite viel zu früh auf die Welt gekommen, und ich war das dritte, innerhalb von zwei Jahren. Ich war das Kind, für das nicht mehr viel Kraft übrig war.

Und genau dieses Muster sehe ich jetzt, in diesem Moment, in dem sich alles erhellt, spiegelverkehrt in meiner Beziehung zu meinem Liebsten. ER soll keine Ansprüche stellen, ER soll unkompliziert sein, ER soll mir das Leben einfacher machen, mich unterstützen, und mir nicht im Weg stehen. Für IHN habe ich keine Kraft mehr, weil alles andere mich so sehr in Anspruch nimmt.

Heilsamer Schmerz der Erkenntnis. Autsch. Und Danke.

Wie so oft zeigt sich in diesem Moment, welch geniale Entwicklungskatalysatoren bewusste Beziehungen sind. Was sonst führt uns derart punktgenau zu unseren alten Verletzungen, beengenden Glaubenssätzen und selbstgebauten Gefängnissen – und gibt uns die Chance, all diese Dinge aufzulösen?

Wie so oft zeigt sich in diesem Moment auch, dass wir genau DIE PartnerInnen wählen, mit deren Mustern sich unsere eigenen fantastisch verzahnen. Auch mein Liebster hatte in seinem Familiensystem die Aufgabe, auszugleichen und möglichst unsichtbar zu sein, weil es schon genug Schwierigkeiten gab. SEINE Entwicklungsaufgabe ist es, sich in unserer Beziehung mehr Raum zu nehmen, nicht stets hilfreich zur Stelle zu sein, sondern seine eigenen Bedürfnisse kundzutun und Ansprüche zu stellen.

Ach herrje, wir zwei zarten, verletzten Seelen. Was für ein Segen, dass wir mit- und aneinander wachsen dürfen!

Eine liebevolle Person lebt in einer liebevollen Welt.
Eine feindliche Person lebt in einer feindlichen Welt. 
Jeder den du triffst ist dein Spiegel.
~ Ken Keyes

Es ist schon spät. Nach meiner „Inner Coaching“ Session setze ich mich still neben meinen Liebsten aufs Sofa. Wir schweigen, achtsam und behutsam. Nach ein paar Minuten beginne ich sanft: „Magst du erzählen, wie das heute Mittag für dich war?“

Er erzählt, und ich höre zu, präsent und zugewandt. Dann bin ich an der Reihe. Teile mit ihm, was ich beim Schreiben herausgefunden habe. Dann umarmen wir uns, und ein unendlich zärtliches Gefühl für uns beide erfasst mich. Da ist Nähe. Da ist Vertrauen. Da ist Intimacy – into me you see.

Nur wenn Menschen in der Lage sind, das Selbst in einander wahrzunehmen und zu erkennen, kann es wirklichen Frieden geben.
~ Mata Amritanandamayi

Und was nehme ich aus all dem für mich und mein Leben mit?

Ich nehme mit, dass ICH dafür zuständig bin, mein Leben unkomplizierter zu gestalten – nicht mein Liebster.  Dass ICH es mir leichter machen kann, darf und muss – nicht der Mann an meiner Seite. Dass ICH zuerst den Wert meiner Arbeit anerkennen muss – nicht irgendjemand anderer.

Bei meiner nächsten „Inner Coaching“ Session mit Papier und Stift finde ich heraus, wie ich mein Leben unkomplizierter gestalten und Verantwortung abgeben kann. Ich übernehme ab sofort nicht mehr die Rolle der Gastgeberin – das können auch andere aus meinem Team machen. Ich plane noch bewusster und trage an Tagen nach intensiven Seminaren keine Termine mehr ein. Ich befreie mich von meiner Kümmeritis und von meiner Selbstmacheritis – und zwar ohne Schuldgefühle. Weil meine Arbeit wertvoll ist und Raum braucht. Weil ICH Verantwortung für mich und mein Leben übernehme, statt sie meinem Liebsten aufzubürden.

Was für ein kraftvoller Entschluss!

Warum dieses “Inner Coaching” mit Papier und Stift so genial funktioniert?

Weil es uns erlaubt, aus unseren Dramen auszusteigen und unsere weise innere Stimme zu hören. Weil es uns ermöglicht, uns aus unseren emotionalen Verstrickungen zu lösen. Beim Schreiben sind wir gleichzeitig Coach und Coachee, sind wir das Experiment und der Beobachter. Aus der Quantenphysik wissen wir, dass das Beobachten den Ausgang des Experiments beeinflusst – und so ist es auch beim Schreiben.

Bewusstmachen befreit.

Anerkennen ermöglicht Veränderung.

Echte, nachhaltige, tiefgreifende Veränderung. Hell Yeah!

Big, wild love

Laya

PS: Einen Einblick in die Kraft des “Inner Coachings” mit Papier und Stift bekommst du im kostenlosen Mini-Kurs “7 Tage Selbstliebe – Mehr Selbstliebe, mehr Selbstvertrauen, mehr Selbstwert.” Melde dich an und leg gleich los!

Anregend wie der erste Schluck Kaffee.
Wohltuend wie die Morgensonne.
Nährend wie eine Umarmung.
 

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