Die Welt braucht Annika!

Jan 10, 2016

“Sei Pippi, nicht Annika” postete unlängst meine Freundin M. auf Facebook. Mein Mousefinger war wieder mal schneller als mein Großhirn: Gefällt mir! Aber dann … begann ich nachzudenken. Wie sähe eine Welt aus, in der es lauter Pippis gäbe?

Damals, als Kind vor dem Fernseher, gab es keine Zweifel: Polizisten ärgern, mit einem gescheckten Gaul und einem Affen in einer kunterbunten Villa wohnen, das schmutzige Geschirr samt Tischtuch in die Truhe werfen – so sah die Zukunft aus! Ich mach mir die Welt widde widde wie sie mir gefällt …

Dass es da auch noch Annika gab, verursachte eher ein unangenehmes Gefühl in der Bauchgegend. Ein wenig farblos. Ein wenig zauderhaft. Ein wenig langweilig. ZIEMLICH langweilig sogar.

Verehrte Annika, ich bitte dich um Verzeihung. Ich habe dir Unrecht getan. Die Welt braucht Menschen wie dich!

  • Eine Welt voller Pippis wäre viel zu laut, viel zu anstrengend, viel zu chaotisch. Und auf Dauer: langweilig.
  • Jede Pippi braucht Annikas und Tommys, um ihre Ideen umzusetzen.
  • Jede Pippi braucht Annikas und Tommys, die sie manchmal auf die Erde zurückholen und vor allzu riskanten Abenteuern warnen.

Herr Nilson hin, kleiner Onkel her: Ohne Annika wäre Pippi verdammt einsam.

“Die Welt braucht Menschen wie dich”, sagte kürzlich auch eine Seminarteilnehmerin zu mir. “Menschen, die immer wieder etwas Neues wagen. Etwas anpacken, in die Welt bringen. Mutig dem Ungewissen entgegen gehen.”

Natürlich habe ich mich über dieses Kompliment gefreut. Aber: Die Welt braucht ALLE Menschen. Die, die Neues kreieren, und die, die das Alte bewahren. Die, die Unsinn treiben und die, die vor dem Unsinn warnen. Die, die sich dem Fluss des Lebens hingeben, und die, die den Fluss regulieren. Menschen, die Räume schaffen, und Menschen, die Räume nutzen. Schrille Menschen. Stille Menschen. Große Menschen. Kleine Menschen. Bunte Menschen. Blasse Menschen. SchauspielerInnen und ZuschauerInnen. Mutige und Vorsichtige. Vorschnelle und Geduldige.

Gegenüber dieser Welt des Grau-in-Grau, des Stumpfen und Muffigen erhebt sich der Archipel des Lebendigen. Wie ergreifend ist die Wirklichkeit jenes Lebens, das offen ist für Begeisterung, Lob und Preis und das aus dem Ort, an den der Wind es verschlug, einen Garten der vier Jahreszeiten macht! Die endlosen Heere der Tage und Nächte durchziehen es und die Jugend, das Alter, das Licht, das Halbdunkel, die Misserfolge, die Erfolge, die Trauern und die Feste! Eine unbestreitbare Wirklichkeit, ja, für die, die von tiefer Zärtlichkeit ergriffen sind für die barocke Gestalt, die Gott in ihren Körpern angenommen hat- und die sie zu dem macht, was sie sind, damit die Menagerie vollzählig ist! (*)

Pippi und Annika. Tommy und die Prusseliese. Du und ich. Erst durch uns ist die Menagerie vollzählig.

(*) So schreibt meine angebetete Christiane Singer. Ich kniee nieder vor der Schönheit ihrer Worte.

Anregend wie der erste Schluck Kaffee.
Wohltuend wie die Morgensonne.
Nährend wie eine Umarmung.
 

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