Fünf Fragen zu 2018

Dez 29, 2018

Jahreswechsel. Tiiieeef ausatmen. Loslassen. Raum schaffen. Frei werden für das Neue.

„Lass einfach los“, sagen die buddhistischen Meister. Aber mit dem Loslassen ist das so eine Sache. Was genau sollen wir denn eigentlich loslassen? Wie geht das überhaupt? Und gibt es nicht auch etwas, das wir gar nicht loslassen, sondern bewahren und behalten sollten?

Wir müssen das Kind nicht mit dem Bade ausgießen. Wir dürfen die Essenz dessen behalten, was wir erlebt, erfahren, gelernt und geerntet haben. Wir brauchen uns nicht mit der Vergangenheit zu belasten, sondern können sie als Quelle der Kraft, der Weisheit, des Mutes und der Dankbarkeit nutzen.

Ein lieber Freund von mir macht sich gern über mein Zahlen-Faible lustig. Der Übergang vom 31. Dezember auf den 1. Jänner sei eine Nacht wie jede andere auch, meint er. Der Kalender und die Zahlen seien von Menschen gemacht, sagt er, und was wir da hineininterpretieren, sei völlig willkürlich.

Ich sehe das anders. Aber selbst wenn mein lieber Freund und herzensguter Skeptiker rechte hätte: Was wäre falsch daran, ein bestimmtes Datum – und sei es ein willkürlich gewähltes – zu nutzen, um innezuhalten, und, wie es so schön heißt, durch dieses Innehalten inneren Halt zu finden?

Der Blick in das Vergangene kann uns Halt geben – denn vielleicht können wir einen roten Faden erkennen und dadurch mehr Vertrauen ins Leben und seine scheinbar so verschlungenen Wege erkennen. Wir können, mit der nötigen Distanz, unsere Erfahrungen würdigen, einordnen, dankbar für sie sein und das, was sie uns geschenkt und gelehrt haben, als Schätze in unserem Herzen aufbewahren.

Der Blick in das Zukünftige kann uns Halt geben – denn er ermöglicht uns, uns bewusst ausrichten. Natürlich können wir nicht kontrollieren oder genau vorhersagen, was uns erwartet, und wohin der Fluss des Lebens uns tragen wird. Aber wir können uns entscheiden, ganz TEIL dieses Flusses zu sein. Das hat mit Passivität nichts zu tun. Auch nicht damit, das Steuerrad des eigenen Lebens aus der Hand zu geben. Woher und wohin der Wind bläst, darauf haben wir keinen Einfluss – aber darauf, wie wir die Segel setzen, sehr wohl. Mit dem Fluss des Lebens zu gehen bedeutet vor allem, keinen Widerstand zu leisten, sondern empfänglich zu sein für das, was das Leben uns gerade bringt und präsentiert, und auf intelligente, bewusste und konstruktive Weise damit umzugehen. Da zu sein, anwesend zu sein, als GANZES Wesen. Teil der Lösung zu sein. Uns als MitschöpferInnen begreifen, die in einem co-kreativen Prozess mitweben an einem wunderschönen Netz, einem vielfältigen, bunten, magischen, unbegrenzten, holistischen Bild.

Aber … sollen wir uns wirklich so viel mit Vergangenheit und Zukunft beschäftigen? Was ist mit „ganz im Hier und Jetzt sein“?

Ich denke, das ist kein Widerspruch. Wir können unsere Vergangenheit klären, unsere Zukunft gestalten UND gleichzeitig präsent und vertrauensvoll im Hier und Jetzt ruhen.

Denn der gegenwärtige Moment ist ein Produkt der Vergangenheit, er entsteht aus all den Erfahrungen, die wir selbst gemacht haben, und aus all den Erfahrungen, die die gesamte Menschheit vor uns gemacht hat. Gleichzeitig beeinflusst dieser gegenwärtige Moment die Zukunft – unsere eigene und die der ganzen Menschheit. Im gegenwärtigen Moment fließen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ineinander. Er ist es, auf den wir Einfluss haben. Aber indem wir von dieser Möglichkeit Gebrauch machen, können wir sowohl die Vergangenheit beeinflussen (indem wir sie für uns klären, Frieden damit schließen und dankbar für sie sind), als auch unsere Zukunft gestalten (indem wir unsere Schöpferkraft bejahen, uns absichtsvoll mit dem Fluss des Lebens verbinden, und Samen für jene Dinge säen, die in unserem Leben wachsen sollen).

Bevor du also 2019 mit offenen Armen und mutigem Herzen willkommen heißt, lade ich dich ein, dir fünf Fragen zu 2018 zu stellen. Ich lade dich ein, Abschied von diesem Jahr zu feiern, zu würdigen, was war, und in Dankbarkeit gehen zu lassen, was du NICHT mit ins neue Jahr nehmen möchtest. Denn das Leben ist eine Reise … und wie reist es sich am besten? Mit leichtem Gepäck natürlich!

Fünf Fragen zu 2018

 

Frage # 1: Worauf bist du stolz?

Über unsere negativity bias habe ich ja schon oft geschrieben. Kürzlich habe ich endlich einen deutschen Ausdruck dafür gelesen: „negative Voreingenommenheit“. Klingt nicht besonders sexy, oder? Ist es auch nicht – selbst wenn es in der Entwicklungsgeschichte des Menschen durchaus gute Gründe dafür gibt, dass sein Gehirn so gebiased ist. Heute haben wir die Wahl und dürfen unser Denkorgan neu verdrahten (mit Pseudo- oder Hyper-Positivismus hat das nichts zu tun; aber dazu ein andermal mehr).

Also. Anstatt uns für die Kleinigkeiten zu kritisieren, die wir 2018 wieder nicht hingekriegt haben, richten wir den Blick auf das, worauf wir stolz sein können. Denn wenn wir uns wirklich neu verdrahten wollen, müssen wir üben, üben, üben.

Ich könnte mich dafür kritisieren, dass ich wieder nicht die fünf Kilo abgenommen habe, die ich eigentlich abnehmen wollte. Stattdessen bin ich stolz darauf, dass ich mich viel und regelmäßig bewege, jeden Tag Yoga mache, ins Fitness-Studio und wandern gehe, mit dem Rad in die Arbeit fahre, tanze, und mit 45 beweglicher bin als ich mit 25 war.

Ich könnte mich dafür kritisieren, dass ich wieder nicht meine Musik und meine Fotos geordnet habe, dass meine Website noch immer nicht so aussieht, wie sie aussehen soll, und dass ich nicht jeden Tag auf facebook gepostet habe, wie ich es mir vorgenommen hatte. Stattdessen bin ich stolz darauf, dass ich gemeinsam mit meinem Team mein Yogastudio souverän durch all die Veränderungen und Herausforderungen des Jahres 2018  geschippert habe, dass meine Workshops, Seminare und Retreats ausgebucht waren, und dass ich fast jede Woche gebloggt und mein Goldstück in die Welt geschickt habe, auch wenn ich oft keine Ahnung hatte, wie sich das alles ausgehen soll.

Ich könnte mich dafür kritisieren, dass ich manchmal immer noch Ja zu Dingen sage, die mein Herz nicht zum Jubeln bringen. Stattdessen bin ich stolz darauf, dass es mir einige Male gelungen ist, in Situationen Nein zu sagen, in denen ich früher Ja gesagt und mich hinterher darüber geärgert hätte.

Und so weiter – du verstehst, was ich meine! Setz die Liste ruhig so lange fort, bis du vor Stolz überschwappst. Genau darum geht es.

Denn du bist ein Mensch. Mit Stärken und Schwächen, mit Licht und Schatten. Du gibst dein Bestes. Und darauf kannst du richtig, richtig stolz sein.

 

Frage # 2: Für welche schönen Momente bist du dankbar?

Uns bewusst zu machen, wie viele schöne Momente uns das zu Ende gehende Jahr geschenkt hat, macht uns nicht nur dankbar, sondern schärft auch unseren Fokus für die Zukunft. Viele wundervolle Momente gehen unbemerkt an uns vorbei. Wenn wir jedoch üben, sie intensiv wahrzunehmen und zu erleben, dankbar für sie zu sein und sie in unser mentales Schatzkästchen zu legen, dann werden wir immer mehr solcher Augenblicke erleben.

Oft sind es die kleinen Glücksmomente, die uns das größte Glück bescheren, findest du nicht? Ich erinnere mich zum Beispiel an die Geräusche der Vögel im thailändischen Urwald. Ich erinnere mich an den Vollmond, der prall und stumm am sommerlichen Nachthimmel stand. Ich erinnere mich an den Morgennebel beim Weitwandern. Ich erinnere mich an einen Moment, in dem ich hinter meinem Liebsten und meinem Sohn herging, die gerade lebhaft über XYZ (Computerspiele? Microcontroller? Superheldenfilme? Was weiß ich.) diskutierten, und derartig von Liebe erfüllt war, dass ich gar nicht fassen konnte, wie gesegnet ich bin, mit zwei so wundervollen Menschen zusammenzuleben.

Natürlich gibt es auch Momente, in denen die beiden mich meeega nerven und ich mir nichts sehnlicher wünsche, als ganz allein am anderen Ende der Welt zu leben, statt mit einem 16Jährigen Messie und einem leidenschaftlichen Bastler/Sammler/Langschläfer auf 95 Quadratmetern.

Aber genau darum geht es: Welche Momente zählen? Welche wollen wir speichern und bewahren, und welche lassen wir in den Zeitfalten des zärtlichen Vergessens zurück?

 

Frage #3: Was waren die schwierigsten Momente – und welche Geschenke haben sie dir gebracht?

Womöglich steht diese Frage im Widerspruch zu dem, was ich gerade geschrieben habe. Sehr schön. „Very well, then I contradict myself“, um es mit Walt Whitmans Worten zu sagen!

Ich glaube, dass es wirklich wichtig ist, unsere schwierigen Erfahrungen zu würdigen. Nichts zu verdrängen. Nichts zu verleugnen. Und nicht in die Falle des spiritual bypassings zu tappen.

Wir können aus der Distanz auf diese Momente blicken und erkennen, dass auch sie Geschenke in sich bergen. Dass sie uns wachsen und reifen haben lassen, dass sie uns unserer Illusionen beraubt und uns näher zu uns selbst – und tiefer ins wahre Leben – gebracht haben.

Einer meiner schwierigsten Momente war ein Abend in der Wohnung meiner Eltern, die ich nach dem Tod meiner Mutter und der Übersiedlung meines Vaters ausgeräumt und aufgelöst habe. Ich war soooo verzweifelt. Ich konnte und wollte einfach nicht mehr. All der alte Kram. All der alte Mief. All die Gespenster der Vergangenheit, die ich gar nicht sehen wollte, und die ich nun doch zu Gesicht bekam. Ich habe geheult vor Wut und vor Überforderung. Aber dann … habe ich gelernt, zu akzeptieren. Es gibt Dinge, die wir tun müssen. Aufgaben, die uns zugetragen werden. Wir müssen nicht zu allem Ja sagen – aber durch manches müssen wir hindurchgehen, um uns davon befreien zu können. Und was für eine enorme Erleichterung es war, endlich den Schlüssel zu übergeben und zum allerallerletzten Mal die Tür hinter mir zu schließen! Niemals würde ich auf diese Erfahrung verzichten wollen, niemals – so schwierig sie auch war.

In einem mindestens ebenso schwierigen Moment hat das Verhalten meines Liebsten eine uralte und so tiefe Wunde in mir berührt, dass ich nicht mehr aus und ein wusste vor seelischem Schmerz. Obwohl mir durchaus bewusst war, dass dieser Schmerz aus der Vergangenheit stammte und nichts mit der aktuellen Situation zu tun hatte, überwältigte er mich völlig, und ich war tagelang wie paralysiert. Aber dann … habe ich mehr Halt in mir selbst gefunden als jemals zuvor. Und es kam der Moment, in dem ich neben meinem Liebsten saß und spürte: JETZT. Genau JETZT ist der Augenblick, in dem ich der Angst folgen und mich für immer verschließen, oder mich fürs Vertrauen entscheiden und wieder öffnen kann. Ich habe die richtige Wahl getroffen. Was mich danach erwartete, waren die innigsten, liebevollsten und tiefsten Beziehungserfahrungen, die ich je gemacht habe.

 

Frage #4: Was lasse ich im alten Jahr?

Diese Frage ist besonders wichtig!

Was nimmst du NICHT mit in deine vielversprechende Zukunft? Welche alten Muster, Glaubenssätze und Gewohnheiten lässt du im alten Jahr? Was beschwert und belastet dich, engt dich ein und hindert dich daran, dich auszudehnen und voll zu entfalten? Was darf der Vergangenheit angehören, damit du im neuen Jahr ein Stück leichter, freier und freudvoller durchs Leben gehst?  

Ich zum Beispiel lasse meine Angewohnheit los, mich immer wieder selbst zu überholen, neue Projekte zu beginnen, bevor ich alte abgeschlossen habe, und mir mit meiner Ungeduld und meinen überambitionierten Zielen und Vorhaben selbst ein Bein zu stellen.

Außerdem lasse ich die Tendenz los, es mir schwerer und komplizierter zu machen als nötig. „Leicht und unkompliziert“ ist meine Devise für 2019! Oje, Miss Perfektionista, das wird nicht dein Jahr …

Und ich lasse meine Empfindlichkeit gegenüber Kritik los. Ich will dazulernen, ich will wachsen, und ich will meine Schwächen immer liebevoller annehmen. Schon in den vergangenen Monaten habe ich es mir angewöhnt, Menschen meines Vertrauens um ehrliches Feedback zu bitten. Manchmal war es nicht leicht, damit umzugehen, und ich reagiere immer noch empfindlich auf Kritik. Aber von Mal zu Mal geht es leichter, und oft waren diese Feedbacks echte eye-opener – oder haben mir einen wichtigen Schubs in die richtige Richtung gegeben. 

 

Frage #5: Ein Wort für 2018

Wenn du DEIN 2018 mit einem einzigen Wort beschreiben solltest, welches wäre es dann? Nimm das erste, das dir in den Sinn kommt. Nicht analyisieren, nichts fabrizieren, sondern einfach auftauchen lassen. Bist du überrascht? Was sagt dir dieses Wort?

Mein Wort für 2018 ist „GESCHAFFT!“ Dabei weiß ich gar nicht sooo genau, was ich eigentlich geschafft habe. Aber irgendein Bann scheint gebrochen zu sein, und ich habe das Gefühl, endlich MEIN Spiel nach MEINEN Regeln zu spielen – und das fühlt sich großartig an.

Divider Gold

So, ich bin bereit. 2019 kann kommen!   

Und ich wünsche dir und mir und dieser Welt einen Aufbruch in ein glückliches, friedvolles und heiteres Jahr. HELL YEAH!

Anregend wie der erste Schluck Kaffee.
Wohltuend wie die Morgensonne.
Nährend wie eine Umarmung.
 

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