Introvision: Wie Achtsamkeit gegen Migräne und Kopfschmerzen hilft

Jun 29, 2017

Viele Jahrzehnte lang litt ich unter Migräne. Manche Attacken dauerten ein paar Tage lang und legten mein Körper-Geist-System völlig lahm. Die halbseitigen Kopfschmerzen – immer rechts – waren dabei noch nicht mal das Schlimmste. Übelkeit und Erbrechen, Kreislaufkollaps, Wahrnehmungs- und Bewusstseinsstörungen machten mich nicht nur arbeitsunfähig, sondern zermürbten mich auch auf psychischer Ebene.

Erst nach einigen Jahren Yoga und Meditation, Selbsterforschung und Achtsamkeitspraxis wurden die Attacken seltener und leichter. Heute erkenne ich frühzeitig, wenn eine Migräne im Anmarsch ist, und oft gelingt es mir, sie abzuwenden. Wenn nicht, sind die Anfälle mit ein paar Stunden Schlaf, einem Aspirin und einem Glas Coca-Cola halbwegs in den Griff zu bekommen.

Mentaler Stress verstärkt das Problem

Relativ bald habe ich bemerkt, dass der mentale Stress, den eine beginnende Migräne-Attacke in mir auslöste, diese begünstigte und sogar verstärkte. Zum Beispiel der Gedanke: „Hilfe, jetzt kommt sie und ich kann nichts dagegen tun!“ Oder: „Oh nein, nicht gerade jetzt! Wo ich doch ein Seminar halten muss / so viel zu tun habe / auf eine Hochzeit gehen soll.“ Oder: „Das kann doch nicht sein! Wo ich doch so gesund lebe, Yoga mache und meditiere und mich so sehr um Balance bemühe!“

All diese Gedanken verursachen Widerstand, Verkrampfung und Anspannung. Wenn ich hingegen möglichst neutral wahrnehme, was in meinem Körper geschieht, wenn ich annehme und akzeptiere, dass ich möglicherweise wieder Migräne bekomme, und wenn ich dann liebevoll und mitfühlend mit mir sein kann, entspannt sich etwas in mir, und ich kann völlig anders mit der Situation umgehen.

Achtsam sein, annehmen und entspannen

Genau diesen Schlüssel macht sich auch die Methode der Introvision zunutze, die die Neurologin Monika Empl und die Psychologinnen Petra Spille und Sonja Löser als innovativen Ansatz zur nichtmedikamentösen Behandlung von Migräne und Spannungskopfschmerzen beschreiben.

Introvision ist eine Methode zur Selbsthilfe, die auf achtsamer Wahrnehmung basiert und das Potenzial hat, innere Konflikte aufzulösen. Sie ist ein Instrument, um sich mental selbst zu regulieren und Blockaden zu lösen, um mit Anspannungssituationen besser umzugehen und langfristig und dauerhaft Stressreduktion zu erreichen.

„Introvision setzt da an, wo eine nicht-wertende Haltung zu einer Herausforderung wird – wenn man beispielsweise vor Wut kocht und der Gedanke ,Das darf doch nicht sein!‘ laut und schrill im Kopf brüllt“, so die Autorinnen. „Mit Introvision lässt sich erreichen, dass man Problemen künftig gelassen ins Auge blicken kann. Schafft man es, sich zu sagen: ,Es ist so‘ statt ‚Das darf nicht sein!‘, dann lässt die innere Anspannung nach, man bekommt etwas Abstand zu der Situation und kann anders handeln, als man es sonst gewohnheitsmäßig tut.“

Der Introvisions-Methode liegen die Forschungen der Psychologin Angelika Wagner zugrunde, die sich mehr als 30 Jahre lang mit der Entstehung mentaler Blockaden und innerer Konflikte auseinandergesetzt hat. Das Ergebnis ihrer Untersuchungen: Innere Konflikte entstehen aus dem Gedanken, dass in einer Situation etwas Schlimmes passieren wird, und aus dem inneren Imperativ, also einer Sollvorstellung, dass dies nicht passieren darf. Beide Gedanken sind mit starken Emotionen behaftet. Wenn man diese Zusammenhänge versteht, kann man lernen, diesen inneren Prozess zu regulieren und den Konflikt aufzulösen.

„Gelassen auf Konflikte zu schauen, auch wenn die Wogen hoch gehen – sie sogar langfristig aufzulösen – das ist möglich mit Introvision“, so Angelika Wagner. 

Mithilfe von Introvision kann man lernen

  • wahrzunehmen ohne zu werten
  • den eigenen Stresslevel und den „Psychotonus“ festzustellen
  • die Wahrnehmung „weitzustellen“, um dann im Fall einer Migräneattacke den Schmerz besser loslassen zu können
  • die eigenen Konfliktumgehungsstrategien und „subjektiven Imperative“ zu erforschen und aufzulösen
  • Stress-Gedanken in Pakete zu packen, um sich später damit zu beschäftigen (zum Beispiel wenn man nicht schlafen kann, weil sich die Gedankenspirale unablässig im Kopf dreht)
  • die Gewohnheiten des inneren Dialoges so zu verändern, dass neue Blickwinkel möglich werden, zum Beispiel indem man den Imperativ „Das darf auf keinen Fall sein!!!“ durch ein entspanntes „Es kann sein, dass …“ ersetzt.

Die Wirkung von Introvision auf Migräne wurde bisher noch nicht in klinischen Studien nachgewiesen, im Zusammenhang mit anderen Erkrankungen wie Tinnitus und chronischen Nackenschmerzen liegen jedoch bereits Studien vor, die die Wirksamkeit bestätigen.

Neben genauen Übungsanleitungen und praktischem Handwerkszeug erfährt man in dem Ratgeber auch viel Wissenswertes über die Entstehung von Migräne und Spannungskopfschmerzen, den Stand der medizinischen Forschung und über medikamentöse und nichtmedikamentöse Behandlungsmöglichkeiten.

Cover Introvision

Empl/Spille/Löser: Introvision bei Kopfschmerzen und Migräne: Die innovative Methode zur Selbsthilfe

 

 

 

 

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Titelfoto: Shutterstock

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