Lebst du schon oder kontrollierst du noch?

Vor einigen Jahren schenkte mir eine Freundin ein großes, rundes, schwarzes Samenkorn. „Es ist eine Wunderblume“, sagte sie. „Welche Farbe ihre Blüten haben werden, kann niemand vorhersehen. Aber setz das Samenkorn einfach in die Erde, und sorge dafür, dass es Licht und Wasser bekommt. Und dann lass dich überraschen!“

Wenige Wochen später leuchteten auf meinem Balkon pinkfarbene Wunderblüten. Als sie verwelkt waren, fielen aus ihnen neue große, runde, schwarze Samenkörner. Ein paar davon schenkte ich meinen Freundinnen – und alles begann von vorne. Die nächste Generation von Wunderblumen erblühte, diesmal in gelb, rot, flieder- und hummerfarben.

Wir säen Samen.

Wir sorgen für Licht und Nahrung.

Aber wir wissen nicht, welche Samen aufgehen werden und welche nicht. Wir wissen nicht, wann sie zu keimen beginnen, in welcher Form und Farbe sie erblühen, welche Früchte sie tragen, und welche neuen Samen aus ihnen hervorgehen werden.

Trotzdem kämen wir nicht auf die Idee, an den Keimlingen zu zerren. Wir kämen nicht auf die Idee, den jungen Pflänzchen vorzuschreiben, wann genau sie wie groß gewachsen sein sollen. Wir kämen nicht auf die Idee, der Wunderblume übel zu nehmen, wenn sie in Rot erblüht statt in Gelb.

Denn wir wissen: Nicht WIR sind es, die die Wunderblume zum Wachsen bringen, sondern es ist das Leben selbst. Die Lebensenergie, die alles durchströmt und beseelt – und der Geist der Erneuerung, des ewigen Werdens und Vergehens.

Wir wissen aber auch: Die Wunderblume braucht uns, um erblühen zu können. Sie braucht uns, damit ihr Same irgendwo in die Erde gesetzt wird, damit sie gute Bedingungen für ihr Wachstum findet und alles bekommt, was sie für ihre Entfaltung braucht.

In einem co-kreativen Akt bringen das Leben und wir (die wir auch „das Leben“ sind) etwas zum Keimen, Wachsen und Erblühen.

So weit, so einfach.

Kompliziert wird es erst dann, wenn es um etwas anderes geht als um Wunderblumen. Genau dann nämlich, wenn es uns „um etwas geht“, wenn wir uns etwas Bestimmtes in unsere hübschen Köpfchen gesetzt haben. Wenn wir zum Beispiel unbedingt schwanger werden möchten. Oder das Single-Leben satt haben und endlich den richtigen Partner an der Seite haben wollen. Oder den langersehnten und wohlverdienten Karrieresprung herbeiwünschen. Oder uns nach einer schweren Krankheit endlich wieder fit und vital fühlen möchten. Oder glauben, dringend neue KlientInnen für unser Business zu brauchen.

Kurz: Immer dann, wenn wir etwas um jeden Preis haben wollen, wenn wir am Ausgang einer bestimmten Sache anhaften, wenn wir unser Herz an etwas hängen, das uns in der Zukunft glücklich machen soll,  verkrampft sich etwas in uns. Dann sind wir nicht mehr im gelassenen, vertrauensvollen Wunderblumen-, sondern im verbissenen „Ich-will-unbedingt-und-zwar-genau-so-wie-ich-es-mir-vorgestellt-habe“-Modus.

Dieses Festhalten ist soooo sinnlos – wir wissen es.

Und trotzdem ist das Loslassen und Kontrolle-Abgeben soooo schwer.

 

Es ist so furchtbar anstrengend, kontrollieren zu wollen, was nicht kontrollierbar ist.

Da ist dieser Fluss. Da ist diese Strömung. Und da bist du und hältst dich angstvoll-verkrampft am Ufer fest. Wunderst dich, dass du dich blockiert fühlst und dein Leben zu stagnieren scheint.  Und es ist so furchtbar anstrengend. Es kostet so unendlich viel Energie, etwas kontrollieren zu wollen, das nicht kontrollierbar ist.

Aber es erfordert so viel Mut, dich einfach dem Fluss hinzugeben. Wohin wird er dich bringen? Kannst du ihm vertrauen? Und wirst du die Kraft und die Geschicklichkeit haben, durch seine Stromschnellen hindurch zu schwimmen und dich ins Unbekannte tragen zu lassen, anstatt dich an Bekanntem und vermeintlich Sicherem festzukrallen?

Im Fluss gibt es kein Zentrum, um das sich alles dreht – und ich glaube, genau das ist es, wovor wir solche Angst haben: Davor, das kleine, starre, komprimierte Ich, das glaubt, alle Fäden des Universums fest in seiner Hand halten zu müssen, loszulassen, um zu einem Teil des Flusses zu werden – zu etwas Fließendem, sich ständig Veränderndem ohne Anfang und Ende.

How would I ever know what life was capable of doing if I was always in control?

~ Michael A. Singer ~

Versteh mich nicht falsch: Wir brauchen ein gesundes Ego. Wir brauchen liebevolle Grenzen, wir brauchen sinnvolle Strukturen, und es geht ganz und gar nicht darum, völlig unkontrolliert jedem Impuls zu folgen, keine Ziele und Zeitpläne mehr zu haben,  nichts mehr zu wollen oder sich von jedem Windhauch in eine andere Richtung wehen zu lassen.

Worum es geht, ist Hingabe.

Nur ein Mensch voller Hingabe hat spirituelle Kraft.
Durch Hingabe wirst du innerlich von der Situation frei.
Dann kann es passieren, dass die Situation sich völlig ohne dein Zutun verändert.

~ Eckhart Tolle ~

„Jedes Wollen unterbricht das Sein“, heißt es.

Vielleicht ist es an der Zeit, „Wollen“ durch „Einladen“ zu ersetzen.

Einladen ist das neue Wollen

Natürlich steht hinter jeder Einladung ein Wunsch. Aber während das Wollen schnell die Qualität von Verbissenheit bekommt, schwingt im Einladen die Qualität von Vertrauen.

Stell dir vor, es gibt jemanden, den du unbedingt einladen möchtest – jemanden, den du bewunderst, mit dem du liebend gerne Zeit verbringen möchtest, jemanden, der genau das verkörpert, was du dir für dein Leben wünschst.

Du kannst jetzt zu diesem Jemand hingehen, ihm Handschellen anlegen, barsch „So! Du kommst jetzt mit!“ rufen und ihn hinter dir her zerren. Vielleicht würde dieser Jemand sogar – notgedrungen – mit dir gehen. Dass ihr sehr viel Freude miteinander haben würdet, du und dein Gast, wage ich jedoch zu bezweifeln.

Was hingegen würde geschehen, wenn du diesen Jemand einladen würdest, statt seinen Besuch zu erzwingen? Du würdest eine ganz besondere Einladungskarte auswählen und eine herzliche Botschaft darauf schreiben. Du würdest ihm erklären, was du an ihm schätzt, und warum du dich so sehr über seinen Besuch freuen würdest. Du würdest dir Zeit freihalten, du würdest Raum in deinem Haus schaffen, du würdest Pläne schmieden und überlegen, wie ihr die gemeinsame Zeit am schönsten miteinander verbringen könntet.

Das alles hat die Qualität von (Vor-)Freude, Verbundenheit und Freiwilligkeit.

Wenn du etwas oder jemanden in dein Leben einlädst – materielle Fülle, einen neuen Partner, einen neuen Job, … –  bist du mit deiner Energie in der Zukunft. Aber da es kein verbissenes Wollen ist, sondern ein Raum-Schaffen, ein Dich-Verbinden mit einer bestimmten Qualität, unterbricht dieses Einladen dein Sein nicht. Im Gegenteil:

Die Qualität, die du einlädst, durchdringt dein Sein in der Gegenwart. Das Gefühl, das du dir wünschst, ist schon da. Die Grenze zwischen Gegenwart und Zukunft löst sich auf.

Zwischen eifrigem Tun und gelassener Hingabe hält die Vernunft die Waage.

~ Sriram

 

Nutze die Kräfte des Lebensflusses für deine Transformation!

Hingabe ist keine Passivität, und schon gar keine Gleichgültigkeit. Hingabe ist ein intelligentes, verbundenes, achtsames und vertrauensvolles Mitfließen. Hingabe setzt eine aktive und bewusste Entscheidung voraus, dem Fluss des Lebens zu vertrauen, und seine Kräfte für die eigene Transformation zu nutzen, statt die eigene Energie zu vergeuden, indem wir Widerstand leisten und uns gegen die Strömung stemmen.

Hingabe ist die Bereitschaft, zu verstehen, dass es eine perfekte, universelle Intelligenz gibt, die weit jenseits unseres Verstandes liegt, und der wir mit unserem Kontrollbedürfnis besser nicht ins Handwerk pfuschen.

At some point there’s no more struggle, just the deep peace that comes from surrendering to a perfection that ist beyond your comprehension. Eventually, even the mind stops resisting, and the heart loses the tendency to close. The joy, excitement and freedom are simply too beautiful to give up. Once you are ready to let go of yourself, life becomes your friend, your teacher, your secret lover.
~ Michael A. Singer ~

Meine größten Lehrmeister in Sachen Hingabe und Vertrauen waren Herr Sohn und die yogalounge.

Die yogalounge ist die Wunderblume schlechthin.

Nicht ICH wollte SIE, sondern SIE wollte MICH.

Sie hielt sich an keinen Business Plan.

Sie erblühte zu etwas ganz anderem, als ich jemals gedacht hätte.

Menschen, an denen mein Herz hing, verschwanden aus ihr und aus meinem Leben.

Neue Menschen tauchten wie aus dem Nichts auf und wurden zu PartnerInnen, MitarbeiterInnen, FreundInnen, WeggefährtInnen.

Manche Knospen kamen niemals zur vollen Blüte. Andere verblühten nach einiger Zeit und brachten neue Samen hervor.

Und jedes Mal, wenn wir wieder mal vor einem scheinbar unlösbaren „Problem“ standen und keine Ahnung hatten, wie es weitergehen sollte, entstanden aus diesem Nicht-Wissen und unserem zunehmenden Vertrauen heraus die wunderbarsten neuen Wendungen, Verbindungen, Projekte und Verbesserungen. Wir lernten, die Kontrolle abzugeben, uns dem Wandlungsprozess und seiner ureigenen Intelligenz anzuvertrauen, und uns davon überraschen zu lassen, was die Lounge – und das Leben – diesmal von uns wollten.

Ich glaube, das Geheimnis liegt nicht darin, nichts mehr zu wollen.

Das Geheimnis liegt darin, dasselbe zu wollen wie der Fluss.

Das Geheimnis liegt darin, zu akzeptieren, dass der Fluss dich vielleicht nicht dorthin bringt, wo du ursprünglich hinwolltest – dafür dorthin, wo du gebraucht wirst.

Das Geheimnis liegt darin, die Kontrolle abzugeben, so dass Raum entsteht für die Magie des Lebens.

Ich möchte gerne leben, wie ein Fluss fließt,
getragen von der Überraschung
seiner eigenen Entfaltung.

~ John O’Donohue  ~

Buchtipp:

Michael Singer: Das Experiment Hingabe

(auf Englisch: The Surrender Experiment)

Big, wild love

Laya

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