Wie du dich zur Erleuchtung putzt und dabei jede Menge Spaß hast

Sep 28, 2014

Eigentlich sollte ich an diesem Freitagnachmittag einen Workshop zum Thema “Achtsamkeit und Meditation” halten. Doch wie der Zufall, das Schicksal oder mein Karma es wollten lagen meine Hände nicht im Jnana Mudra auf meinen Knien, sondern steckten in gelben Putzhandschuhen. 

Statt meinen Teilnehmer/innen etwas über die Zauberkraft des bewussten Atems zu erzählen, mit ihnen Gehmeditation oder achtsames Essen zu üben, schrubbte ich klebrigen Schmutz von Küchenschränken. Ich sprach Mantren für Spinnen und verendete Motten, schüttete literweise Hochprozentriges in den Abfluss und entsorgte abgelaufene Lebensmittel in der Biotonne. Kurz: Ich tat all die Dinge, die eine Wohnungsauflösung so mit sich bringt. Und ich tat sie WIDERWILLIG.

Was sich in meinem Kopf abspielte, waren Endlosschleifen trotziger, wütender, frustrierter Gedanken. 

Wie zum Teufel kam ich dazu, mich um den Dreck anderer Leute zu kümmern? Warum war es hier überhaupt so schmutzig? Warum das alles? Und vor allem … WARUM ICH???

Nachdem ich diesem Gejammer eine Zeit lang zugehört hatte, beschloss ich, zumindest den Widerstand gegen meinen Widerstand aufzugeben. Ja, ich ärgerte mich. Ja, ich war nicht fähig, mit der Geschmeidigkeit einer Yogini, mit der Gelassenheit eines Buddhas auf die unvorhergesehen Änderung meiner Pläne zu reagieren. Ja, ich war trotzig wie ein kleines Kind.

Als nächstes kramte ich in meiner “Toolbox zur Zähmung des denkenden Verstandes” und wendete einige bewährte Zaubermittel gegen immer wiederkehrendes, nutzloses Gedankengetöse an:

Ich schenkte meine ganze Aufmerksamkeit meinen Körperwahrnehmungen. Spürte durch die Gummihandschuhe hindurch die warme Seifenlauge auf meiner Haut. Spürte meine Schienbeine, mit denen ich auf dem schmutzigen Küchenboden kniete. Spürte meine Muskeln arbeiten, während ich kraftvoll schrubbte.

Das genügte, um mir ausreichend Abstand vom Geschwätz meines denkenden Verstandes zu verschaffen, und ich konnte mich einklinken und mit ihm verhandeln.

Hey, hör mal. Erinnerst du dich an  “WOLLEN, WAS IST”?

Ja, aber …

Oder daran, dass die tägliche Arbeit der Meditationsraum ist, und die zu erledigende Arbeit die Übung – wenn du sie nur mit der gleichen Achtsamkeit ausübst wie deine formale Meditation oder deine Yoga-Haltung? 

Ja schon, aber …

Und außerdem: Hast du nicht auch eine gute Fee, die alle zwei Wochen kommt, um DEINEN Dreck wegzuputzen? Darüber hast du dich noch nie beschwert!

Das stimmt. Aber immerhin bezahle ich sie fair dafür, während ich hier ….

Weißt du nicht mehr, was du bei deinen Lehrern und aus deinen Büchern gelernt hast? Mit jedem Besenschwung, den du achtsam ausführst, indem du dich voll und ganz auf ihn konzentrierst, reinigst du nicht nur den Boden, sondern auch deinen Geist.  

Ah! Jetzt machte es Klick. Anstatt anderen etwas über Achtsamkeit zu erzählen, bekam ich selbst an diesem Freitagnachmittag ein wunderbares Teaching.

Schließlich erinnerte ich mich noch an die griechische Göttin Euronyme, die, statt ordentlich aufzuräumen, das Chaos durch lustvollen Tanz beherrschte. Ich nahm mir ein Beispiel an ihr, legte laute Musik auf und machte im Nu dem Küchenchaos ein Ende. Wenig später zog ich die Gummihandschuhe aus – schmutzig, verschwitzt, zufrieden und IN FRIEDEN.

So wird dein Alltag zur täglichen Meditation:

1) Körper und Atem
Deine Gedanken kommen und gehen unaufhörlich, du sinnierst über die Vergangenheit nach oder machst Pläne für die Zukunft. Der einfachste Weg, ins Hier und Jetzt zu kommen, ist über Körper und Atem. Denn der Körper ist IMMER im Hier und Jetzt. Und du kannst immer nur den einen gegenwärtigen Atemzug machen. Je bewusster du das tust, desto näher kommst du dem Wunder der Gegenwärtigkeit.

Du kannst spüren, wo dein Körper den Boden berührt oder den Stuhl, auf dem du sitzt. Du kannst deine Finger auf der Tastatur spüren oder deine Hände auf dem Lenkrad deines Autos. Du kannst die Luft auf deiner Haut spüren. Ist sie warm oder kalt? Trocken oder feucht? Wenn du deine Aufmerksamkeit auf deinen Körper lenkst – und wenn auch nur für einen kurzen Moment – unterbrichst du deine Gedankenspiralen.

2) Nimm deinen Widerstand wahr
Wenn du merkst, dass sich in dir Widerstand regt, zu einer bestimmen Situation, einer Person, einer Aufgabe, die du zu erledigen hast, dann lass ihn zu. Versuche nicht, gegen ihn anzukämpfen – das würde ihn nur stärken. Sage dir “Aha. Ich bin in Widerstand”. Nichts weiter. Alleine durch die nicht wertende Wahrnehmung wird er sich auflösen – vielleicht nicht sofort, aber nach einiger Zeit. Es ist eine Frage der Übung!

3) Jeder Handgriff ist ein Gebet
Nicht WAS wir tun ist wichtig, sondern WIE wir es tun. Jeder Handgriff, jedes Wort, jeder Atemzug wird zur Meditation – oder, wenn du so willst, zum Gebet – , wenn du dabei völlig präsent bist. Du musst nicht auf deinem Meditationskissen sitzen, um “spirituell” zu sein!

Foto: ©Marsy – Fotolia.com

Anregend wie der erste Schluck Kaffee.
Wohltuend wie die Morgensonne.
Nährend wie eine Umarmung.
 

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