„Sei einfach du selbst.“
Kaum ein Ratschlag klingt so logisch – und so einfach.
Und kaum einer hält dich so zuverlässig in deiner alten Identität fest.
Denn was wir für unser „wahres Selbst“ halten, ist oft nichts anderes als das Produkt unserer Prägungen und Konditionierungen – und der Geschichten, die wir uns beharrlich über uns selbst erzählen.
„All true things must change, and only that which changes remains true“, schrieb C. G. Jung.
Dir selbst treu zu sein bedeutet also nicht, zu bleiben, wer du bist – sondern dir zu erlauben, zu werden, wer du sein könntest.
Und manchmal ist der beste Weg dorthin, für einen Moment jemand anderes zu sein.
Dafür gibt es einen faszinierenden mentalen Schlüssel: den Alter-Ego-Effekt.
Was ist der Alter-Ego-Effekt?
Der Alter-Ego-Effekt beschreibt eine psychologische Strategie, bei der du bewusst die Eigenschaften einer anderen Figur annimmst, um auf ihre Kräfte und Stärken zuzugreifen.
Beyoncé nutzte dafür ihre Bühnenfigur Sasha Fierce: eine selbstbewusste, furchtlose Version ihrer selbst, mit der sie mit voller Power und unerschütterlichem Selbstbewusstsein auf die Bühne trat.
Du musst aber keine Popikone sein, die auf große Bühnen steigt, um von diesem Effekt zu profitieren.
Er kann dir in den kleinen und großen entscheidenden Momenten des Lebens genau das geben, was du brauchst, um aus deinen alten Mustern auszusteigen.
Was die Wissenschaft über den Batman-Effekt sagt
In psychologischen Experimenten mit Kindern wurde ein interessantes Phänomen beobachtet: Kinder, die sich während einer Aufgabe mit Batman identifizierten, zeigten mehr Ausdauer als Kinder, die einfach sie selbst bleiben sollten.
Dieses Phänomen wurde als Batman-Effekt bekannt.
Eine mögliche Erklärung: Die mentale Distanz zum gewohnten Selbst erleichtert es, das eigene Verhalten bewusster zu steuern.
Der Alter-Ego-Effekt ist also keine Zauberei. Er ist eine Möglichkeit, sich Perspektivwechsel und psychologischer Distanz zunutze zu machen.
Was würde Zaha Hadid jetzt tun?
Eine meiner wichtigsten inneren Verbündeten ist die Architektin Zaha Hadid.
14 Jahre lang wurden ihre visionären Entwürfe nicht realisiert, obwohl sie Wettbewerbe und Ausschreibungen gewann.
Trotzdem hielt sie an ihrer Vision fest.
Wenn ich an meiner eigenen Vision zweifle, frage ich mich deshalb: Was würde Zaha jetzt tun?
Und dann leihe ich mir ihrer kompromisslose Entschlossenheit.
Beim Bergsteigen ist es dagegen Junko Tabei, die erste Frau auf dem Mount Everest, deren Ausdauer ich mir „leihe“.
Und wenn ich daran zweifle, ob meine persönliche Geschichte es wert ist, erzählt zu werden, denke ich an die nigerianische Schriftstellerin Chimamanda Ngozi Adichie.
Diese Frauen helfen mir nicht, jemand anderes zu sein. Sie helfen mir in den entscheidenden Momenten, die zu werden, dich sein kann – statt in Identitäten festzustecken, denen ich eigentlich längst entwachsen bin.
Mehr über den Alter-Ego-Effekt im BECOMING Podcast
In der neuen Episode erzähle ich dir, wie der Alter-Ego-Effekt funktioniert, was die Forschung dazu untersucht hat und welche außergewöhnlichen Frauen mich durch schwierige Momente begleiten.
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