Du bist nicht dein Trauma – diese 4 Shifts schreiben deine Geschichte neu

Journaling Expertin Laya Commenda und Journaling Projekte, die du sofort starten kannst

Trauma neu schreiben: 4 Ebenen, auf denen du dein Narrativ verändern kannst

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„Ich bin traumatisiert.“

Oder:

„Ich habe eine Traumaerfahrung gemacht.“

Spürst du den Unterschied?

Oder teste diese beiden Formulierungen:

„Ich habe eine posttraumatische Belastungsstörung“ und „Ich wurde verletzt und spüre im Moment noch die Folgen dieser Verletzung.“

Bei diesem Vergleich geht es nicht um eine präzise diagnostische Einordnung von Trauma. Es geht um die Macht der Sprache – und um die Frage, wie Sprache unsere Identität beeinflusst.

Ich erinnere mich gut daran, als ich zum ersten Mal einen Neurowissenschaftler hörte, der dazu ermutigte, statt von „Posttraumatic Stress Disorder“ von „Posttraumatic Injury“ zu sprechen. Also von einer Verletzung statt von einer Störung.

Allein diese neue Wortwahl verändert etwas.

Denn Trauma hinterlässt nicht nur Spuren im Nervensystem, sondern auch eine Geschichte in deinem inneren Skript. Ein Narrativ darüber, wer du bist, welche Rolle du im Leben spielst, warum Dinge passiert sind und was du von deiner Zukunft erwarten kannst.

Auf all diesen Ebenen können wir ansetzen.

Das Geschehene können wir im Sinne der Fakten nicht umschreiben. Wir können jedoch beginnen, das Narrativ zu erkennen, das daraus entstanden ist. Wir können unsere Position in dieser Geschichte neu bestimmen, Bedeutungen hinterfragen und neu definieren, und darüber entscheiden, wer das nächste Kapitel schreibt.

Darum geht es bei meiner Methode „Schreib dich aus dem Trauma“. Sie basiert auf der Forschung zum posttraumatischen Wachstum und verbindet Positive Psychologie, wissenschaftlich fundierte Schreibmethoden und narrative Theorie mit meiner langjährigen Arbeit mit Yoga und Embodiment, also auch mit dem Körper und dem Nervensystem.

Mein Blick auf Trauma ist kein therapeutischer und diese Methode ersetzt keine Traumatherapie. Sie kann therapeutische Arbeit sinnvoll ergänzen oder dort ansetzen, wo eine neue Frage in den Vordergrund rückt, die über Integration und Heilung hinausgeht:

Wie schreibe ich mein Selbstbild, mein Narrativ und meine Zukunft neu?

Wer kann ich werden – nicht obwohl mir das passiert ist, sondern gerade wegen meiner Trauma-Erfahrung?

Es gibt vier Ebenen, auf denen wir mit dem Narrativ arbeiten können:

1. Sprache und Identifikation: Bin ich mein Trauma?

Die erste Ebene betrifft die Sprache und damit die Frage, wie sehr du dich mit Trauma und Traumatisierung identifizierst.

Wenn du sagst „Ich bin traumatisiert“, verschmelzen Trauma und Identität beinahe miteinander. Sagst du hingegen „Ich habe Traumaerfahrungen gemacht“, gibt es wieder ein Ich, dem etwas passiert ist und das heute möglicherweise noch Auswirkungen davon erlebt.

Das Trauma bleibt real. Seine Folgen können sehr real sein. Gleichzeitig bist du größer als das, was dir passiert ist und welche Auswirkungen es bis heute hat.

Diesen Unterschied kannst du auch in anderen Formulierungen beobachten.

Aus „Ich bin ängstlich“ kann beispielsweise werden: „Mein System reagiert im Moment manchmal noch mit Angst.“

Statt „Ich bin beziehungsunfähig“ könntest du formulieren: „Ich habe Beziehungsmuster gelernt, die mir im Moment noch Schwierigkeiten bereiten.“

Vielleicht kennst du auch den Gedanken: „Ich bin kaputt“ oder „Ich bin zerbrochen.“

Eine andere Sprache wäre: „Etwas in mir wurde verletzt und das wirkt heute noch nach.“

Damit wird die Erfahrung nicht relativiert oder romantisiert. Du beginnst lediglich, zwischen dir und dem Phänomen zu unterscheiden.

Traumasymptome können sich sehr vereinnahmend anfühlen. Es gehört zu ihrem Wesen, dass sie uns manchmal zu überfluten oder zu überwältigen scheinen und unser Nervensystem in Aufruhr versetzen. Umso bedeutsamer ist die Perspektive, aus der du sie wahrnimmst. Identifizierst du dich vollständig damit oder kannst du sie als ein Phänomen beobachten, das im Moment Teil deiner Erfahrung ist?

Vielleicht hinkt der Vergleich ein wenig, aber stell dir einen verstauchten Knöchel vor. Er kann höllisch schmerzen, dich in deinem Alltag und deiner Bewegungsfähigkeit stark einschränken und viel Aufmerksamkeit brauchen. Trotzdem würdest du dich morgens nicht im Spiegel betrachten und denken: „Ich bin ein verstauchter Knöchel.“

Die Verletzung gehört zu deiner gegenwärtigen Erfahrung. Aber sie ist nicht alles, was du bist.

Dieser Shift lässt sich mit Sprache unterstützen: Ja, dieses Phänomen ist da. Ja, es beeinflusst mich. Und gleichzeitig bin ich sehr viel größer als dieses Phänomen.

2. Deine Rolle im Narrativ: Wer bist du in dieser Geschichte?

Auf der zweiten Ebene geht es um deine Rolle.

Welche Position gibst du dir selbst in deiner Geschichte?

Rollen spielen in der Psychologie eine wichtige Rolle. Denk beispielsweise an das bekannte Dramadreieck mit Opfer, Retter und Verfolger beziehungsweise Täter. Solche Rollen sind mehr als neutrale Bezeichnungen. Sie beeinflussen, wie wir uns selbst sehen, was wir von anderen erwarten und welche Handlungsmöglichkeiten wir überhaupt wahrnehmen.

Im Wesen traumatischer Erfahrungen liegt häufig, dass wir uns in einer Situation ausgeliefert, überfordert, hilflos oder ohnmächtig gefühlt haben – oder es tatsächlich waren.

Daraus kann sich ein Opfer-Narrativ fortschreiben, das eng mit Ohnmacht verbunden ist.

Hier müssen wir sehr sorgfältig differenzieren. Während des traumatischen Erlebnisses warst du vielleicht tatsächlich ein Opfer – und es kann wichtig sein, dir das auch zuzugestehen.

Aus dem damaligen „Ich war hilflos und ausgeliefert“ kann sich jedoch ein Skript entwickeln, das dir auch heute noch suggeriert: „Ich bin hilflos. Ich kann nichts tun. Ich kann meine Situation nicht beeinflussen.“

Zwischen diesen Aussagen liegen Welten.

Die ursprüngliche Situation kann Jahrzehnte zurückliegen. Vielleicht bist du inzwischen eine erwachsene Frau mit Wissen, Kompetenz, Einfluss, Geld, Erfahrungen und Möglichkeiten, die du damals nicht hattest. Aber dein inneres Skript erzählt möglicherweise noch immer von Hilflosigkeit und Ohnmacht.

An eine Coaching-Session mit einer Klientin erinnere ich mich in diesem Zusammenhang besonders gut. Wir hatten an ihrem Narrativ gearbeitet, weil der Sog der alten Geschichte sie immer wieder in Freeze-Zustände und gefühlte Hilflosigkeit brachte. Einige Tage später schrieb sie mir:

„Ich spüre, die Machtverhältnisse haben sich verschoben.“

Dieser Satz bringt den Shift auf den Punkt.

Es geht also darum, anzuerkennen, dass du in einer bestimmten Situation ein Opfer gewesen sein kannst, und zugleich die Frage zu stellen, welche Rolle du heute in deiner Geschichte einnimmst. Siehst du dich als Opfer? Als Überlebende, Heldin, Autorin – oder etwas ganz anderes?

Bei „Schreib dich aus dem Trauma“ entwickeln die Teilnehmerinnen ein neues Narrativ. Sie beginnen, dieses neuronal zu verankern und aus dieser Identität heraus zu leben. Dabei passt der Archetyp der Heldin nicht automatisch für jeden Menschen. Deshalb ist entscheidend, dass du dein Rewrite selbst schreibst, statt einen neuen Rollenbegriff übergestülpt zu bekommen.

Was für dich stimmig ist, zeigt sich im Schreibprozess. Daraus kann genau das Wort, das Bild oder die Rolle entstehen, die deinen Identitäts-Shift bewirkt. Mit „Poetic Empowerment“ lässt sich dieses neue Rollenbild anschließend in deinem Unbewussten verankern. Gerade in Momenten, in denen intensive Emotionen dich zu überrollen drohen oder alte Hilflosigkeit wieder spürbar wird, können diese eigenen Worte dich an deine neue Identität erinnern.

3. Fakten und Geschichte: Welches Skript hast du aus dem Geschehenen geschrieben?

Eine meiner Lieblingsfragen im Deep Journaling lautet:

Was sind die Fakten – und was ist die Geschichte, die du dir erzählst?

Durch diese Unterscheidung kann enorme innere Freiheit entstehen.

Unser Gehirn ist eine Meaning Making Machine. Es bettet Fakten in Zusammenhänge ein und entwickelt daraus Geschichten. Viele dieser Geschichten sind jedoch alles andere als hilfreich. Sie formen ein Selbstbild und eine Identität, die uns leiden lassen oder limitieren.

Ein Beispiel aus meiner eigenen Geschichte zeigt sehr deutlich, was ich damit meine:

Als ich acht Monate alt war, musste meine Mutter an der Schilddrüse operiert werden und war eine Woche lang im Krankenhaus. Mein Vater nahm sich Urlaub und kümmerte sich um meinen Bruder. Mich gaben meine Eltern während dieser Zeit zu einer befreundeten Familie.

Das sind die Fakten.

Das Skript, das sich daraus in mir festgeschrieben hatte, lautete: „Ich werde weggegeben. Ich bin es nicht wert, dass meine Eltern sich um mich kümmern. Ich werde allein gelassen.“

Die Situation lässt sich jedoch auch anders einordnen: Meine Eltern trafen damals die Entscheidung, die sie für die beste hielten. Diese Entscheidung hatte nichts mit meinem Wert zu tun.

Es existiert sogar ein Foto aus dieser Zeit. Darauf bin ich als acht Monate altes Baby mit den Kindern dieser Familie zu sehen – und dieses Baby lacht aus vollem Herzen.

Lange hatte ich dieses Foto auf meinem Meditationsaltar stehen, um mich damit zu verbinden und zu verstehen: Hier kann auch eine andere Geschichte erzählt werden.

Als ich begonnen habe, mir diese andere Geschichte zu erzählen und sie zu codieren, haben sich meine Bindungsmuster in Liebesbeziehungen verwandelt. Meine Angst davor, verlassen zu werden, ist geschrumpft. Ich habe weniger geklammert und mein Selbstwert ist gestiegen, weil mein System eine neue Bedeutung integrieren konnte: Ich wurde nicht weggegeben, weil ich es nicht wert bin, versorgt und geliebt zu werden. Heute habe ich Einfluss auf diese Dinge.

Der Fakt blieb derselbe. Seine Bedeutung und die Zusammenhänge, in die ich ihn eingebettet hatte, habe ich neu geschrieben.

An diesem Punkt wird auch die Forschung zum expressiven Schreiben spannend. James W. Pennebaker und andere Forschende haben über viele Jahre untersucht, was sich in der Sprache von Menschen verändert, wenn sie über belastende oder traumatische Erfahrungen schreiben.

Dabei zeigte sich ein interessantes Muster: Die positiven Wirkungen des Schreibens auf mentale und körperliche Gesundheit waren stärker, wenn Menschen zunehmend Worte und Wendungen verwendeten, die Zusammenhänge herstellten und Erkenntnisse ausdrückten – zum Beispiel „weil“, „ich verstehe jetzt“ oder „ich erkenne“.

Nach traumatischen Erfahrungen ist das Narrativ häufig fragmentiert. Wir erkennen keinen Sinn, sehen keine Zusammenhänge und können einzelne Erfahrungen nicht in eine kohärente Geschichte integrieren.

Mit einem gezielten Rewrite setzen wir genau hier an.

Aus der quälenden Frage „Wieso habe ich damals nichts gesagt?“ kann beispielsweise werden: „Heute verstehe ich, dass mein Schweigen damals meine Strategie war, mich zu schützen.“

Oder du schreibst: „Ich erkenne heute, dass ich Beziehungsmuster wiederholt habe, die ich damals noch nicht sehen konnte.“

Schon durch diese neue Einordnung verwandelt sich das Selbstbild.

Deshalb arbeiten wir gehen wir bei Deep Journaling über expressives Schreiben hinaus und nutzen Reframing, Perspektivwechsel, Distanzierungsmethoden und abgeschlossene narrative Formen, die aus Schreib- und Poesietherapie stammen.

Ein sehr einfacher Perspektivwechsel besteht darin, dir die Liebe als Wesen oder Person vorzustellen. Sie betrachtet dich mit den Augen bedingungsloser Liebe, mit Wärme und Empathie. Aus dieser Perspektive beginnst du zu schreiben:

„Ich sehe eine Frau, die …“

Plötzlich entsteht ein anderer Blick auf dich und auf deine Rolle in dieser Geschichte.

4. Das nächste Kapitel: Wer entscheidet, wie deine Geschichte weitergeht?

Die vierte Ebene richtet den Blick nach vorne.

Viele Trauma-Geschichten enden an derselben Stelle:

Das ist passiert. So hat es mich geprägt. So geht es mir heute. Und ich wünschte, diese Folgen wären nicht da. Ich würde gern besser schlafen, ein regulierteres Nervensystem haben oder in meiner Beziehung weniger schnell getriggert werden.

Ein großer Teil der Aufmerksamkeit richtet sich darauf, dass bestimmte Symptome verschwinden und es weniger weh tut.

Dabei kann eine entscheidende Tatsache aus dem Blick geraten:

Diese Geschichte geht weiter.

Nach diesem Kapitel kommt ein nächstes. Und ein nächstes.

Die Frage ist, ob du selbst zur Autorin dieser Kapitel wirst oder sie weiterhin den alten Wunden und Verletzungen überlässt.

Bei Deep Journaling arbeiten wir an diesem Punkt mit der „Future Self Memory“ Technik. Dabei nutzen wir Mental Time Travel und betrachten die aktuelle Situation aus der Perspektive unseres besten Zukunfts-Ichs – aus der Sicht der Frau, die bereits posttraumatisches Wachstum erlebt hat, stabiler geworden ist und eine Transformation erfahren hat.

Möglicherweise denkst du heute: „Ich habe solche Angst, ich kann mich keinem neuen Menschen öffnen.“

Aus der Perspektive deines Zukunfts-Ichs könnte daraus werden: „Damals dachte ich, ich würde für immer Angst vor Nähe haben. Ich wusste noch nicht, dass ich gerade lerne, wie sich Nähe überhaupt anfühlt.“

Vielleicht lautet dein heutiger Gedanke: „Ich bin so erschöpft. Das alles kostet mich so viel emotionale Energie.“

Dein Zukunfts-Ich könnte darauf zurückblicken und schreiben: „Damals hielt ich meine Erschöpfung für Schwäche. Heute sehe ich, dass diese Erschöpfung mir ermöglicht hat, nicht mehr gegen mich selbst anzuleben und stattdessen für mich da zu sein.“

Oder du glaubst heute, diese Erfahrung habe dir deine Zukunft genommen. Rückblickend könnte dein Zukunfts-Ich erkennen: „Diese Erfahrung war ein Wendepunkt, und seither hat mein Leben sich geöffnet und geweitet – weil ich das so entschieden habe.“

Auch Dialogtechniken mit dem Zukunfts-Ich sind unglaublich machtvoll. Du lässt diese zukünftige Version von dir erzählen, was ihr geholfen hat, welche Schritte notwendig waren und wie sie dort angekommen ist, wo sie heute steht.

Wichtig: Es geht dabei nie darum, sich eine traumatische Erfahrung schönzureden oder sie zu romantisieren.

Narrativarbeit löst die Identifikation auf, unterscheidet Fakten und Geschichte, ermöglicht neue Bedeutungen und stellt die Frage, welche Rolle du in deinem eigenen Narrativ spielen willst. Dadurch können sich die Machtverhältnisse neu ordnen.

Und daraus folgen sehr konkrete Entscheidungen im heutigen Leben.

Mit wem möchte ich in einer Liebesbeziehung sein? Welche Standards setze ich dort? Was toleriere ich und was nicht? Welchen Wert messe ich mir und meinen Fähigkeiten bei? Was erwarte ich als Gegenleistung dafür?

Solche Entscheidungen entstehen aus deinem Narrativ und deinem Selbstbild.

Vielleicht warst du damals hilflos.

Heute darfst du überprüfen, ob dieses Skript dir noch dient.

Vielleicht wurde etwas in dir verletzt.

Du bist trotzdem größer als diese Verletzung.

Vielleicht hat ein vergangenes Kapitel vieles geprägt.

Das bedeutet nicht, dass es über die nächsten Kapitel bestimmen muss.

Die Machtverhältnisse können sich verschieben – und du kannst entscheiden, wer die nächsten Kapitel schreibt.

Wenn du diesen Prozess vertiefen möchtest, lade ich dich am 20. September um 10 Uhr zu meiner kostenlosen Masterclass „Schreib dich aus dem Trauma“ ein. Dort erfährst du mehr darüber, wie du mit Deep Journaling dein Narrativ nach traumatischen Erfahrungen gezielt neu schreiben und den Blick auf posttraumatisches Wachstum richten kannst.

Denn es kommt der Punkt, an dem du über Integrieren und Heilen hinausgehen kannst – wenn du das möchtest.

Und dann geht es darum, wer du von hier aus werden kannst.

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