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Das Kali-Prinzip: Wie heilige weibliche Wut reinigt und klärt 

 Juni 18, 2023

Dieser Moment hatte etwas Gewaltvolles an sich, fast etwas Brutales. 


Die Männer arbeiteten schweigend, konzentriert, professionell.


Das Holz krachte, splitterte, zerbarst. 


Ja, er war martialisch, dieser Moment - und gleichzeitig irgendwie heilig. 


Mehr als 50 Jahre lang hatten meine Eltern in dieser Wohnung gewohnt. Die Einbaumöbel, die der Entrümpelungs-Trupp nun kurz und klein hackte, hatten sie sich vom Mund abgespart. Nachdem meine Mutter sich von diesem Planeten verabschiedet hatte und nachdem klar geworden war, dass mein Vater nicht allein in dieser Wohnung bleiben würde können, war es Zeit, sie zu zerstören. 


Ich hatte Monate damit verbracht, die Wohnung meiner Eltern aufzulösen, hatte mich durch Jahrzehnte von Erinnerungen, Emotionen und Ereignissen gewühlt.


Oft unter Tränen - und manchmal waren es Zornestränen.


Als alles leergeräumt war und nur noch die Einbauschränke aus den 1970er Jahren übrig blieben, hätte ich am liebsten selbst einen der riesigen, groben Hämmer in die Hand genommen und auf die alten Möbel eingedroschen. 


Nachdem die Arbeiter die letzten Holzteile mitgenommen hatten, nachdem ich mich ein letztes Mal umgesehen und die Wohnungstür hinter mir zugezogen hatte, saß ich im Auto, fuhr nachhause - und stieß einen wilden, ursprünglichen Schrei aus. 


Dann noch einen. 


Und noch einen.


Es waren Jubelschreie. 


Jubel über die Zerstörung.


Über das Ende.


Über die Reinigung dieses Raumes von alten Energien und Erinnerungen. 


Diese Schreie erschütterte mich selbst bis ins Mark meiner Knochen. 


Es war Kali, die aus mir schrie. 


"Kali ist die Verkörperung der weiblichen Urkraft. Sie erinnert uns daran, dass wir das Potenzial haben, uns von allem zu befreien, was uns begrenzt, und dass wir die Schöpferinnen unseres eigenen Schicksals sind."
- Deepak Chopra


Abschied ohne Sentimentalität


Kürzlich warf ich ein Foto, das jahrelang auf dem kleinen Altar in meinem Schlafzimmer gestanden hatte, zum Altpapier.


Kein Loslass-Ritual, kein großartiges "Danke für die schöne Zeit", sondern einfach "Tschüss!". 


Das Foto zeigte mich und eine Freundin - jene Freundin, die mich am längsten von allen durchs Leben begleitet hatte. Aber jetzt war es genug. Die Freundschaft war hohl geworden, wie ein heruntergeleiertes Gebet beim sonntäglichen Kirchenbesuch, damals als Kind. Kein Inhalt, keine Substanz, keine Seele. 


Dieses Foto einfach zu ENTSORGEN, ohne großes Brimborium und pseudo-heiliges Getue ... DAS fühlte sich WIRKLICH heilig an. 


Keine Sentimentalität. Das Alte ohne Reue hinter mir lassen, ohne Blick zurück weiterziehen. 


Oh Göttin, wie befreiend!


Danke, Kali. 


Danke, für deine Kompromisslosigkeit, deine schonungslose Ehrlichkeit, deinen Mut zur Zerstörung, dein bedingungsloses Vertrauen in die Kraft des Neubeginns. 



Kali: Wildheit und Macht


Das Kali-Prinzip - das ist weibliche Energie in ihrer wildesten und mächtigsten Form. In der hinduistischen Mythologie verkörpert Kali Transformation in ihrer radikalsten Ausprägung: das Prinzip von Zerstörung und Erneuerung. 


Kali ist nicht NETT. 


Kali ist nicht GEDULDIG. 


Kali ist stark, unabhängig, wild und frei. 


Kali nutzt ihre heilige Wut, ihren göttlichen Zorn für notwendige Veränderungen. Sie hat keine Angst vor diesen zerstörerischen Kräften - denn sie weiß sie zu lenken und zu transformieren.


"Die Wut einer Frau ist ein Schrei nach Gerechtigkeit, ein Ruf nach Veränderung. Lass deine Wut nicht verstummen, sondern zu einer Stimme werden, die gehört wird." 
- Tarana Burke


Kali steckt in jeder von uns, und wenn wir sie wachküssen, gibt es keine Stagnation mehr, kein Klebenbleiben an alten Sicherheiten, an der Vertrautheit viel zu enger Räume, Strukturen und Beziehungen, kein Aufrechterhalten von Dingen, die hohl und schal geworden sind, denen wir in Wirklichkeit längst entwachsen sind. 


Kali verkörpert vor allem den Mut, Altes zu zerstören und sich der Leere hinzugeben, die entsteht, bevor sich das Neue entfalten kann.


Kali zeigt uns, wie wir traditionelle weibliche Rollenbilder, alte Loyalitäten und übernommene Vorstellungen von "richtig" und "falsch" abschütteln können. Sie lädt uns ein, die Lust am eigenen Weg zu zelebrieren - kompromisslos, mit wildem Lachen und feurigem Blick, selbst dann, wenn andere den Kopf schütteln, die Augen verdrehen oder sich sogar von uns abwenden. 


Nur dieser eigene Weg kann uns in die ultimative Freiheit führen. Den Schritten anderer zu folgen, wird uns das niemals ermöglichen. 


Dieser Weg erfordert Mut zu emotionaler Unabhängigkeit und eigenständigem Denken, und manchmal ist er verdammt einsam. Manchmal führt er uns direttissima in unsere Dunkelheit, dorthin, wo wir unseren Schatten und Dämonen begegnen, wo es keine Ablenkung und kein Entrinnen gibt. 


Doch wenn wir wieder auftauchen, wenn wir den Weg zurück ins Licht antreten, dann erkennen wir sie - jene anderen Frauen, die ihre Kali ebenfalls bereits erweckt haben. Jene Frauen, die durchs Feuer der Transformation gegangen sind, deren Herzen bereits durch die Kraft heiliger weiblicher Wut gereinigt sind, deren Blick unsentimental, klar und auf eine Art und Weise liebevoll geworden ist, die nichts mehr mit verfälschter Sanftheit und gekünsteltem Gleichmut zu tun hat. 


Mit jenen Frauen will ich mich umgeben; mit ihnen will ich im Kreis sitzen, mit ihnen will ich lauthals lachen, bitter weinen, und bei Vollmond mein Wölfinnengeheul in den Sternenhimmel steigen lassen. 


Mit diesen Frauen will ich Zukunft gestalten - eine Zukunft, die nicht das Alte perpetuiert, indem es ihm ein pseudo-spirituelles Licht-und-Liebe-Mäntelchen umhängt, sondern eine, deren Licht aus der Dunkelheit geboren wird, ohne die es keine wahre Erneuerung gibt.


"Kali ist die mächtige Göttin, die in uns allen lebt. Sie erinnert uns daran, dass wir keine Angst vor unserer eigenen Stärke haben, sondern sie mit Mut und Entschlossenheit umarmen sollten." 
- Elizabeth Gilbert

Hast du DEINE innere Kali bereits wachgeküsst? Wie drückst du sie aus, wie zeigt sie sich in deinem Leben? Poste in die Kommentare! 

  • ……das, wie Du es hier beschreibst, liebe Laya,bedeutet für mich, gesunde Grenzen setzen können…..ein bewusst, bestimmt und klar verkörpertes und ausgesprochenes…..“NEIN“,“ES REICHT“ , “SCHLUSS DAMIT“, “STOP“….auf meiner D***** Journaling ¬ Forschungsreise ein besonders kostbarster Lernprozess….meine KALIKraft “wachküssen“….mir zuzugestehen und zu leben…….

    Thanks for encouraging me
    To find this livegiving power in me
    True love is corresponding with that!!!!
    Divine sweetheart ¬ that to me is an unbreakable fact 🙂

    DANKE FÜR ALLES, liebe Laya!!!! Von Herzen!!!!
    Alles Liebe,
    Dagmar

    • Das Thema „gesunde“ Grenzen ist ein so ungemein spannendes, vielschichtiges und tiefgreifendes. Ich verstehe immer mehr, wie sehr es verwoben ist mit unserem Bedürfnis nach Zugehörigkeit, und dass wir „verlernen“ dürfen, dass Grenzen zu setzen mit der Gefahr des Verlustes dieser Zugehörigkeit einhergeht.

      Neue, heilsame Erfahrungen sind jetzt möglich, dafür bin ich unendlich dankbar. Danke DIR und mir und uns allen dafür! 💖

      • ….🎁💖🎈🎉jaaaaaaaaaaa😍…….

        While Co-creation and Co-Supporting
        make us stronger
        Our burdens weight won’t block no longer
        Wild,wise, light and free😉
        Divine sweetheart – dance ahead with me
        And KALI💖

        Von Herzen eine beschwingten Sommer 💛🌴🏊⛵
        Dagmar🐳🐙🐚

    • Das Thema „gesunde“ Grenzen ist ein so ungemein spannendes, vielschichtiges und tiefgreifendes. Ich verstehe immer mehr, wie sehr es verwoben ist mit unserem Bedürfnis nach Zugehörigkeit, und dass wir „verlernen“ dürfen, dass Grenzen zu setzen mit der Gefahr des Verlustes dieser Zugehörigkeit einhergeht.

      Neue, heilsame Erfahrungen sind jetzt möglich, dafür bin ich unendlich dankbar. Danke DIR und mir und uns allen dafür! 💖

  • Liebe Laya, Du Hohepriesterin des alternativen Sonntags-Göttinnendienstes, ich liebe Deine Goldstücke!
    Ich hatte mal ein Kali-Bild auf meinem „Altar“; dank Deiner Erinnerung werde ich das spätestens bei der nächsten großen Ausmiste-Aktion wieder vorholen… 😉
    Wie viele Frauen meiner Generation bin ich mit einem Wut-Verbot aufgewachsen; wütend und laut war das allerletzte, was ich werden durfte, das war maximal zensiert. In den 80er Jahren habe ich dann mal einen ersten Selbstverteidigungs-Workshop für Frauen mitgemacht; eine erste Aufgabe war, mit größtmöglichem Gebrüll auf eine -gepolsterte- Wand zuzurennen – aber ich konnte gar nicht schreien oder brüllen; es war, als ob mir da die entsprechenden Stimmbänder fehlten – es ging nicht. Wie laut ich tatsächlich werden kann, habe ich erst viel später erfahren… oh ja, das Stimmband ist vorhanden; um es zum Klingen zu bringen, muss frau allerdings von ganz tief unten Luft holen bzw. zum Gebrüll ansetzen – diese Töne entwickeln sich nicht nur aus Hals und Kehlkopf.
    Ich habe in vielen Bereichen die Neigung, zu lange zu bleiben, länger als mir gut tut – aber wenn es dann der eine Tropfen zu viel ist, dann tritt Kali auf den Plan und lässt die Axt kreisen. Dann gibt es schlagartig keine (faulen) Kompromisse mehr und die Befreiung duldet nicht eine Minute Aufschub. Und nein, sie kennt keine Reue. Sie inzwischen mehrfach gespürt zu haben, gibt mir ein tiefes Vertrauen in ihre (und meine) Urkraft. Wenn ich damit verbunden bin, bleibt kaum Raum für Ängste. Und dennoch habe ich Ängste, bin oft unsicher und zögerlich. Vielleicht ist Kali einfach keine Alltags-Begleiterin? In einem 9-to-5-Job kann ich sie mir auch nicht wirklich vorstellen; auf Alltags-Scharmützel würde sie ihre Kraft vermutlich nicht verschwenden wollen.
    Ich fange in diesem Moment an, darüber nachzusinnen, wann und wie ich sie einladen könnte… wo und wann das hilfreich (und in ihrem Sinne) wäre… ich muss ja nicht immer auf den „big bang“ warten, an dem gar nichts mehr geht und es wirklich die Axt braucht…
    Ich denke, ich werde mal mein inneres „Göttinnen-Portfolio“ visualisieren und verankern, damit ich mich in Situationen, wo ich zaudere, daran erinneren und wählen kann, mit welcher ich mich jetzt mal zum Tee setze (oder in den Boxring steige)…
    Danke für diesen Impuls und die Erinnerung an Kali!
    PS:
    Apropos visualisieren – ich bin keine große Tarot-Legerin, habe mir aber vor Jahren das „Daughters of the Moon“-Tarot zugelegt, weil ich die Bilder so kraftvoll und den weiblichen Zugang zu den verschiedenen Energien so „empowering“ finde, nachdem ich nicht gerade in einem Umfeld von weiblicher Stärke großgeworden bin. In diesem Tarot gibt es natürlich auch eine Kali; im Text dazu heißt es: „Kali, die Erweckerin, weist nur auf das nötige Maß an Zerstörung hin, um Gutes neu entstehen zu lassen“ – und es wird natürlich davor gewarnt, sich den notwendigen Wandlungen zu verweigern, weil sie dann meist mit einem großen Knall eintreten… Yep, so isses.

    • Hahaha, was für ein Titel! Ich habe ihn gestern bei unserer laaaaaangen Rückfahrt aus Kroatien meinem Liebsten vorgelesen, und er war bloody beeindruckt 🤩😊🧡

      Das ist so reich, was du schreibst. So viel „food for thought“ – und so vieles, worin ich mich wiederfinde. Ich kann mich an eine 1:1 Yoga Session mit meiner ersten Ausbildnerin erinnern, in der sie mich aufforderte, fest aufzustampfen. So simpel – aber schier unmöglich für mich! Mittlerweile kann ich es sehr gut, Göttin sei Dank!!!

      Ist Kali eine Alltagsbegleiterin? Gute Frage. Vielleicht heben wir uns ihre Kraft tatsächlich für die „Schlachten“ auf, bei denen es WIRKLICH um etwas geht, statt sie für Alltagsscharmützel zu vergeuden. Aber wer könnte uns statt ihr bei diesen Gelegenheiten zur Seite stehen? Vielleicht die „Shrug-it-off“-Schelmin?

      Das Daughters of the Moon Tarot wollte ich mir jetzt natürlich sofoooooort bestellen, war aber unter € 180 gebraucht nicht zu haben. Dafür hab ich ein Pink Gold Tarot auf Etsy entdeckt, bei dem ich mich nicht zurückhalten kann … ähem … WILL 😊💃😂

      • Oh, 180 € – das ist arg; da hatte ich vor Jahren ja noch richtig Glück. Falls Dich die Kombination mit Astrologie interessiert, gibt´s auch noch We´moon (Kalender und Tarot).
        Inzwischen glaube ich, Kali ist natürlich keine Alltagsbegleiterin – aber einmal mit ihr gegangen zu sein, verändert auch die eigene Haltung im Alltag; verleiht der shrug-it-off-Schelmin (so gut!) eine tiefere Kraft und gleichzeitig Leichtigkeit… so empfinde ich es gerade. Mal sehen; meist sendet das Leben uns ja prompt die Gelegenheiten, an denen wir unsere schlau formulierten Erkenntnisse prüfen dürfen… 😉 (oder wie eine bekannte Hohepriesterin gerne sagt: walk your talk ;-))

  • Ja ich habe meine innere Kali bereits
    wachgeküsst. Doch durch Deine Worte ist mir dies bewußt. Ich habe mich vor kurzem auch von altem Kram und alten Strukturen befreit.
    Ich gehe voller Liebe neue Wege.
    Für mich und für meine Lieben und für alle die noch geboren werden.
    Das ist für mich die wahre Freiheit- mein Herz zu leben ohne wenn und aber.
    Schräge Blicke zaubern mir ein Lächeln auf die Lippen und bestätigen mir dass ich richtig bin.
    Liebe Laya DANKE 😍
    Wir sehen uns sicher noch in deinem Raum🤩💫🫶💞❤️👏❤️❤️

    • „Schräge Blicke zaubern mir ein Lächeln auf die Lippen und bestätigen mir, dass ich richtig bin“ – LOVE IT!!! Was für ein Shapeshift von Fremdbestimmtheit hin zu Eigenmacht. Überschreiben uralter Konditionierungen, und das aus purer Liebe und Verbindung zum einen Herzen, mit Humor statt ermüdendem Kampf. Hell Yeah!

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