Sperr die Angst nicht in den Keller!

Es ist Nacht und ich liege wach.

Bilder tauchen auf.

Ich wandere durch einen einsamen Wald. Plötzlich höre ich ein Rascheln, es kommt näher, und schon steht ein riesiges Wildschwein vor mir, mitten auf dem Weg, und glotzt mich an.

„Das war’s also“, denke ich. „Ich werde meine Liebsten nie wieder sehen. Das habe ich nun davon!“

Schnell schüttle ich diesen Gedanken ab. Und das Bild. Und das Wildschwein. Schnell erinnere ich mich daran, dass ich mir so etwas von meinem Kopfkino nicht gefallen lassen muss.

Aber es ist Nacht und ich liege noch immer wach.

Neue Bilder tauchen auf.

Ich wandere durch einen einsamen Wald. Plötzlich krümmt sich mein Körper unter starken Schmerzen zusammen. Ich habe einen Nierenkolik oder etwas ähnlich Schnuckeliges, gehe zu Boden, rufe um Hilfe –  aber niemand ist da. Mein Handy hat keinen Empfang und ich gehe elend zugrunde.

Wieder schütteln. Wieder tief durchatmen. Die Durga Mudra halten und einzuschlafen versuchen.

Aber schon taucht ein neues Bild auf. Oh Göttin, was ist bloß los mit mir?!?

Seit ungefähr einem Jahr – ab dem Zeitpunkt, zu dem ich angefangen habe, meine Pilgerreise zu planen – freue ich mich wie ein aufgeregtes kleines Kind darauf, mich endlich auf den Weg zu machen.

„Waaaas, du gehst ganz alleine?“, wurde ich gefragt.

„Na klar, was denn sonst?“, habe ich zurückgefragt.

„Hast du denn keine Angst?“, wurde ich gefragt.

„Ich? Angst? Wovor denn?“, habe ich zurückgefragt.

Und das war sogar ehrlich – damals.

Aber je näher meine Abreise rückt, desto mehr Ängste tauchen auf. Untertags habe ich sie im Griff. Aber nachts, wenn ich wach liege, tauchen Bilder auf, von dunklen Wäldern, von wilden Schweinen und von allen möglichen und unmöglichen Krankheiten, die mich plötzlich befallen könnten – ausgerechnet dann, wenn ich alleine den Franziskusweg von Florenz nach Assisi entlang marschiere, wo ich doch ansonsten ein durch und durch gesunder und vitaler Mensch bin.

 

Ängste halten dein Leben auf Sparflamme – solange du sie nicht bewusst transformierst

Zum Glück weiß ich längst, dass meine Ängste mir etwas Wichtiges sagen wollen.

Zum Glück weiß ich auch, was sie mir garantiert NICHT sagen wollen.

Sie wollen mir NICHT sagen, dass ich diesen Weg nicht gehen soll. Sie wollen mir NICHT sagen, dass er zu gefährlich ist, dass ich das ganze Vorhaben abblasen und mich bloß nicht auf Abenteuer einlassen soll – wo doch das Leben zuhause und im üblichen Alltags-Takt so herrlich ungefährlich ist. Scheinbar.

If you think adventure is dangerous, try routine;

it is lethal.

~ Paulo Coelho

Einmal hatte ich eine Teilnehmerin in einem Workshop sitzen, die behauptete, sie habe niemals Angst. Möglicherweise hat sie sich das sogar selbst geglaubt – aber ihre Körperhaltung sprach eine ganz andere Sprache.

Viel schlimmer als die Angst ist die Angst vor der Angst. Wenn wir uns vor unseren Ängsten verstecken, statt uns mit ihnen zu konfrontieren, lähmen sie uns. Sie verhindern, dass wir über sie – und über uns – hinauswachsen. Sie halten uns und unser Leben schön klein. Und sie zeigen sich auf körperlicher Ebene, zum Beispiel in Form von Rückenproblemen, Knieschmerzen, Darm- oder Blasenbeschwerden.

Wenn wir uns unseren Ängsten nicht stellen, treiben sie im Unbewussten ihr Unwesen – und bewirken, dass wir mit angezogener Handbremse durchs Leben gehen, ohne es zu merken. 

Ich weiß nicht, wie es dir geht – aber ich will das nicht. Ich will kein Leben, das auf kleiner Flamme dahinköchelt. Ich will meine Lebensenergie freisetzen und meine Lebendigkeit spüren und meine Zeit nicht mit unnötigen Sorgen, mit schlaflosen Nächten und mit imaginärem Borstenvieh verschwenden.

Tatsächlich habe ich viel weniger Angst,

seit ich mich den Ängsten stelle.

~ Anaïs Nin

Also.

Wenn die Botschaft der Angst NICHT ist, dass du das, wovor du Angst hast, nicht tun sollst –  was dann?

 

# 1 Was ist dir so wichtig, dass du bereit bist, dafür deine Ängste hinter dir zu lassen?

Nicht dass Herr Sohn der Risikobereiteste und in dieser Hinsicht ein Vorbild für mich wäre – im Gegenteil, SEINE Abenteuer spielen sich hauptsächlich in diversen Computerspielen ab.

Aber um einen klugen Spruch ist er selten verlegen.

“If your dreams do not scare you, they are not big enough“, sagt er. Woher er diesen Spruch hat, weiß ich nicht – aber meine Recherchen haben ergeben, dass er von Ellen Johnson Sirleaf, der ersten weiblichen afrikanischen Präsidentin stammt.

Na, da ist was dran. Und da ist sogar noch mehr!

Die Angst lädt uns ein, zu prüfen, ob etwas wirklich so sehr unseren Herzenswünschen entspricht, dass wir bereit sind, dafür ein gewisses Risiko einzugehen.

Ich bin sehr dafür, immer mal wieder einen Mut-Ausbruch zu haben. Aber ich denke, es macht keinen Sinn, IMMER mutig sein zu wollen, nur um des Mutes willen. “Courage over comfort”, sagt Brené Brown, und da stimme ich ihr voll und ganz zu. Aber manchmal will ich auch wieder rein in die Komfortzone – zum Kraft- und Mut-Tanken. Denn ich habe viele, aber nicht unendlich viele Mut-Reserven.

Es lohnt sich also, zu erforschen:

Ist mir diese eine Sache wichtig genug, entspricht sie meinen tiefsten Wünschen und Sehnsüchten, ist sie so sehr im Einklang mit meinem Seelenplan, dass sie das Risiko wert ist? Dass sich der Kraftakt, der für den Sprung über meinen Angst-Schatten notwendig ist, lohnt?

Oder lenke ich mich damit womöglich von etwas viel Wesentlicherem ab und vergeude wertvolle Mut-Reserven?

Frag dein Herz, was es sich wirklich, wirklich wünscht. Lass dir von ihm Mut, Vertrauen und Klarheit schenken. Setze klare Prioritäten. Und dann spring.

Oder, um es mit Rilkes Worten zu sagen: “Geh bis an deiner Sehnsucht Rand!”

 

# 2 Beginn mit kleinen Sprüngen

Gerade wenn es um Angst und Mut geht, ist es oft nicht ganz einfach, sich selbst richtig einzuschätzen.

Wo bin ich zu ängstlich? Und wo überfordere ich mich, wo bin ich vielleicht sogar ZU mutig – was dann dazu führt, dass ich mich verschreckt wieder dorthin verkrieche, wo die Stimme der Angst ganz laut wird und Dinge sagt wie: „Siehst du, ich hab’s ja gleich gewusst! Alles viel zu gefährlich. Alles viel zu riskant. Hier im Schneckenhäuschen ist es vielleicht ein wenig eng – aber doch viel behaglicher und sicherer als da draußen.“

Es hilft, uns selbst immer besser kennenzulernen – und unsere Prägungen und Glaubenssätze zu ergründen.

Waren deine Eltern zum Beispiel eher ängstlich – aus welchen Gründen auch immer? Haben sie dich als Kind ermahnt, nicht zu hoch hinauf zu klettern und nicht zu schnell zu laufen, weil du dich sonst verletzen hättest können? Dann traust du dir wahrscheinlich eher zu wenig als zu viel zu.

Vielleicht ist es aber auch genau umgekehrt: Du überforderst dich, weil du dir (und unbewusst auch deinen Eltern) beweisen willst, dass du mehr kannst, als sie dir zugetraut haben.

Ich zum Beispiel bin, was das Reisen betrifft, auf der ängstlichen Seite großgeworden. Meine Mutter wäre nicht mal für ein Wochenende alleine irgendwohin gefahren, geschweige denn länger verreist. Meinen diesbezüglichen Mut habe ich mir deshalb Schritt für Schritt antrainiert.

Mit 25 bin ich das erste Mal allein nach London geflogen. Ein Jahr später war es dann schon Mexico. Nach und nach wurde das Reisen zu einem fixen Bestandteil meines Lebens, und ich war jedes Jahr allein unterwegs, habe mich immer weiter hinausgewagt, und bin vergangenes Jahr sogar nach Thailand geflogen. Für dich mag das ein Klacks sein – für mich war es eine große Mutprobe. Und ich habe sie bestanden 😊

Was Unternehmertum und finanzielles Risiko betrifft, bin ich hingegen eher übermütig. Oft ist mir das schon zugute gekommen, manchmal habe ich es aber auch übertrieben – und bereut. Langsam lerne ich nun, in welchem Verhältnis Vernunft und Risiko stehen müssen, damit ich am meisten davon profitiere.

Fazit: Finde jenen sweet spot, der dich fordert, aber nicht überfordert. Jenen spot, der dich über die Grenzen deiner Komfortzone hinaus bringt – aber nicht bis in die Panikzone treibt. Manchmal müssen wir uns zwar für ein Weilchen dort aufhalten, um echte Durchbrüche zu erleben – aber dafür sorgt meistens das Leben, auch ohne unser Zutun.

Das Schöne ist: Der Sprung über den Angst-Schatten kostet zwar Energie – aber er setzt auch unglaublich viel Energie frei. Energie, die dir dann für den nächsten Sprung zur Verfügung steht. Jeder kleine Sprung ist eine Vorbereitung auf den nächstgrößeren.

Auf diese Weise entwickelst du so viel Mut und Sprung-Kraft, wie du es früher nicht für möglich gehalten hättest. Garantiert!

 

# 3 Schließ Freundschaft mit Angst und Unsicherheit!

Am liebsten würde ich alle Unterkünfte für meinen Pilgerweg vorab buchen. Der Teil von mir, der alles kontrollieren möchte, um sich sicher zu fühlen, ächzt und stöhnt, wenn ich ihm erkläre, dass das wenig Sinn hat, da ich noch nicht weiß, wie es mir mit dem Gehen gehen wird, ob, wie oft und wann ich Pausen brauchen werde und so weiter. Schlussendlich ist er aber damit einverstanden, dass ich die ersten paar Unterkünfte buche, mir für alle weiteren Stationen Telefonnummern, Links und Email-Adressen heraussuche, und den Google-Translator auf mein IPad lade.

Ich habe mir the worlds loudest whistle zugelegt, um wilde Schweine und andere beißwütige Vierbeiner in die Flucht zu schlagen, und um auf mich aufmerksam machen zu können, falls mich irgendetwas zwischen Multiorganversagen und Schlaganfall ausknockt. Außerdem habe ich eine App auf meinem Smartphone, die mir den Weg weisen wird, eine Powerbank, die mein Smartphone unterwegs auflädt, falls ihm der Saft ausgeht, und sogar ein zweites Handy – für den Fall der Fälle. Das habe ich mir besorgt, nachdem mir eine Freundin erzählt hat, dass ihr beim Wandern ein Stein von oben aufs Handy fiel, als sie gerade ein Foto machen wollte. Ihr Handy stürzte daraufhin in eine Klamm und ward nie mehr gesehen.

Okay, die Sache mit dem Zweit-Handy war vielleicht ein wenig zwanghaft. Da ist Karla Kontrollista mit mir durchgegangen 🙂

Grundsätzlich versuche ich aber, auch hier den sweet spot zu finden: Wie viel an Vorbereitung und Ausrüstung brauche ich, um mit einem guten Gefühl in mein Abenteuer starten zu können? Und wo ist es zu viel, wo macht meine (Vor-)Sorge – wortwörtlich und im übertragenen Sinne – meinen Rucksack zu schwer und verhindert, dass ich mich un-be-schwert auf den Weg machen kann?

Immer mehr ersetze ich „Sicherheit“ durch „Vertrauen“.

Bin ich im Vertrauen gegründet, finde ich eine neue, viel profundere, dafür weniger starre, einengende und beschwerende Art von Sicherheit – und kann die Unsicherheit, die dem Leben immanent ist, immer mehr umarmen.

So viel zur Angst, unserer weisen Freundin. Sie hat es nicht verdient, in den Keller gesperrt zu werden, weil wir glauben, sie so von uns fernhalten zu können.

Alles, was wir in den Keller sperren, statt seine Botschaft zu hören, beginnt dort unten sein Unwesen zu treiben und viel größer und mächtiger zu werden, als es ursprünglich war.

Überwinden wir hingegen die Angst vor der Angst und laden die Angst in unser Wohnzimmer ein, so dass sie sich gesittet zu uns auf die Couch setzen und uns ihre Botschaft mitteilen kann, dann kann sie uns ein kostbares Geschenk überreichen.

Only when our fears become our growth plan

have we stepped onto the path of mastery.

~ Brendon Burchard

Die Angst hilft uns, unseren Mut kennenzulernen und zu trainieren. Sie hilft uns, das richtige Maß an Risiko zu finden. Und sie hilft uns, immer mehr Vertrauen zu fassen, Unsicherheit und Unvorhersagbarkeit als Teil des Lebens zu begreifen, und uns mit Haut und Haar auf diesen Tanz einzulassen, statt ihn kontrollieren zu wollen!

Big, wild love

Laya

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Anregend wie der erste Schluck Kaffee.
Wohltuend wie die Morgensonne.
Nährend wie eine Umarmung.
 

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