Der glückliche Zufall – so lockst du ihn an!

Apr 22, 2017

Ich war vom Regen in die Traufe gekommen. Meine neue Chefin machte mich wahnsinnig, die KollegInnen warfen mir argwöhnische Blicke zu, das Aufgabengebiet war ganz und gar nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte, und zu allem Überfluss verdiente ich weniger als in meinem alten Job.

Der war eigentlich ganz angenehm gewesen. Zwar ein wenig langweilig, ohne Perspektiven und großartige Entwicklungschancen, aber im Vergleich zur aktuellen Situation geradezu paradiesisch!

Welcher Teufel hatte mich geritten, den Arbeitsplatz zu wechseln?

Gar keiner. Ich hatte einfach gespürt, dass es Zeit für Veränderung war.

Trotzdem fragte ich mich Haare raufend, ob es nicht ein riesengroßer Fehler gewesen war, die Bequemlichkeit hinter mir zu lassen und neue Wege zu gehen.

So lange, bis ER mir zu Hilfe kam. Der glückliche Zufall nämlich.

Er kam in Form meiner Bürokollegin, mit der ich sofort auf einer Wellenlänge war. (Für alle, die sie kennen: es war die junge Frau und alte Seele Birgit Kaps, die mir das Leben an den Schreibtisch gegenüber gesetzt hatte 😊). Es war ihre Idee, dass ich im Unternehmen Yoga für MitarbeiterInnen unterrichten könnte.

Außerdem machte sie mich mit meiner späteren Co-Autorin Eva Gütlinger bekannt. Auch uns beide bedachte der glückliche Zufall mit einem Geschenk: Wir schickten das Exposé unseres Yoga-Buches nur an einen einzigen großen Verlag, und – schwupp! –  hatten wir einen Vertrag und eine ansehnliche Vorauszahlung in der Tasche. Wer sich in der Verlagsbranche auskennt, weiß, dass das ein praktisch an Unmöglichkeit grenzender Glücksfall war!

Die Verkettung dieser und noch einiger weiterer glücklicher Zufälle führte mich schlussendlich in die Selbstständigkeit als Autorin und Yogalehrerin, und in weiterer Folge dazu, mein eigenes Yogastudio zu gründen.

Jahre später. Besagte Bürokollegin war inzwischen nach Mexico ausgewandert und selbst Yogalehrerin geworden. Bei einem sommerlichen Heimaturlaub suchte sie nach Möglichkeiten, zu unterrichten. Und es war natürlich reiner Zufall, dass wir in der yogalounge dringend eine Vertretung brauchten. So kam es, dass ich ihr ermöglichte, Yogastunden zu halten, so wie sie es ein paar Jahre zuvor für mich getan hatte. Der Kreis hatte sich geschlossen.

Ich könnte noch unzählige solcher Beispiele aufzählen. Rückblickend gesehen zieht sich der glückliche Zufall wie ein roter Faden durch mein Leben, und es scheint, als hätte es gar nicht anders kommen können. In Wahrheit aber trat er immer genau dann auf den Plan, wenn ich etwas ratlos durchs Leben tappte, aber immerhin genug Mut und Zuversicht aufbrachte, um weiterzugehen, auch wenn ich keine Ahnung hatte, wohin.

Ich liebe das englische Wort serendipity. Es bedeutet „finding something good without looking for it“.

Ich übersetze es mir als „glücklicher Zufall“. Und der ist nichts anderes als der Zaubergehilfe der inneren Führung.

Den glücklichen Zufall kannst du natürlich nicht erzwingen. Er kommt nicht auf Zuruf, und schon gar nicht dann und auf die Weise, wie du es dir vielleicht vorstellst.

Aber locken kannst du ihn, diesen Zaubergehilfen! Und das geht so:

1) Komm in Bewegung!

Mach einen kleinen Schritt, auch wenn du noch nicht mal die Richtung kennst. Fange an zu recherchieren und Informationen einzuholen, halte die Augen offen, begib dich beherzt in neue, unbekannte Situationen, lern neue Menschen kennen, probier etwas Ungewohntes aus!

Es ist ein Mythos, dass wir schon wissen müssten, wohin wir wollen, bevor wir den ersten Schritt tun können. Es ist ein Mythos, dass wir zuerst herausfinden müssen, worin genau unsere Bestimmung liegt, ehe wir anfangen können, unsere Gaben in die Welt zu bringen und ein erfülltes Leben zu leben.

Zum Beispiel war ich todunglücklich mit meinem Physik- und Mathematikstudium, beschloss aber, wenigstens das Unterrichtspraktikum zu machen, um eine abgeschlossene Ausbildung zu haben. Doch danach war klar: In der Schule bleib ich nicht!

Unendlich gerne wollte ich Journalismus studieren, aber die horrenden Kosten für ein Postgraduate-Studium hätte ich damals unmöglich finanzieren können.

Zur Aufnahmeprüfung ging ich trotzdem, und ich bestand sie mit Bravour.

Wie es der Zu-fall wollte, stellte die Gewerkschaft für Öffentlichen Dienst in diesem Jahr ein einziges Stipendium zur Verfügung. Da ich durch mein Unterrichtspraktikum als öffentlich Bedienstete galt, fiel dieses Stipendium mir zu, und ich wurde Journalistin statt Lehrerin – obwohl das zunächst völlig außer Reichweite zu sein schien.

2) Bleib offen!

Das Universum ist super kreativ und obendrein oft ungemein humorvoll, wenn es darum geht, dir Glück zufallen zu lassen. Wenn du aber fixe Vorstellungen davon hast, wie etwas sein sollte, und auf welchem Weg du deine Ideen verwirklichen und deine Ziele erreichen willst, dann hat der glückliche Zufall keine Chance, dich zu erreichen.

Kürzlich bewarb sich eine junge Yogalehrerin bei mir. Es waren zwar gerade keine Stunden frei, aber ich lud sie trotzdem zu einem Termin ein. Ich war wirklich traurig, diesen entzückenden Menschen nicht in mein Team holen zu können. Beiläufig erzählte sie mir, dass sie auch Physiotherapeutin sei und sich gerade selbständig mache. Zwei Tage später erfuhr ich, dass meine Mutter dringend eine Physiotherapeutin brauchte, die auch Hausbesuche machte.

Warum dieser Mensch in mein Leben getreten war, zeigte sich also erst auf den zweiten Blick.

Übrigens ist es häufig so, dass sich das Glück im ersten Moment als Unglück zeigt, und umgekehrt. Vielleicht kennst du diese Geschichte:

Ein rechtschaffener Mann lebte nahe der Grenze. Eines Tages lief sein Pferd ohne Grund auf das Gebiet der Barbaren. Alle Leute bedauerten ihn, nur sein weiser Vater meinte: „Wer weiß, ob das nicht eines Tages Glück bringt?“ Mehrere Monate später kam das Pferd tatsächlich zurück – mitsamt einer ganzen Herde von Barbarenpferden. Alle Leute beglückwünschten den Mann. Nur der weise Alte sagte: „Wer weiß, ob das nicht Unglück bringt!“ Der Sohn des Mannes liebte die Pferde. Er ritt ein wildes Barbarenpferd und brach sich ein Bein. Alle Leute bedauerten ihn. Doch der Alte sagte: „Wer weiß, ob das nicht Glück bringt?“

Kurze Zeit später brach ein Krieg gegen die Barbaren aus. Alle jungen Männer mussten in den Kampf ziehen, und neun von zehn wurden getötet – bis auf den Sohn, denn der hatte wegen des gebrochenen Beins zuhause bleiben dürfen.

Selbst wenn dir also etwas Unangenehmes widerfährt, bleib offen! Wer weiß, welcher glückliche Zufall sich dahinter verbirgt.

3) Lass los!

Ach herrje, das ewige Thema. Loooooslassen. Aber es stimmt nun mal: ohne Loslassen kein Platz für das, was kommen mag!

Gerade beim Thema Beziehungen zeigt sich dieses Prinzip immer wieder deutlich.

Nach meiner ersten Ehe erlebte ich beziehungsmäßig eine ziemlich wilde Berg- und Talfahrt. Als ich dann glaubte, endlich genau den richtigen Mann für mich (und genau den richtigen Bonus-Dad für meinen Sohn) gefunden zu haben, erlebte ich nochmal eine heftige Enttäuschung. Wie gut kann ich mich an diese Szene erinnern! Wir spazieren durch den Wald, ich bin hoffnungsfroh verliebt, er bleibt stehen, ich erwarte eine Liebeserklärung, blicke verträumt in seine Augen … und was sagt er? Dass er mich ganz sympathisch finde, aber eigentlich sei ich nicht sein Typ. Genau im gleichen Moment begann es in Strömen zu regnen. Ich stand da wie ein begossener Pudel und wusste nicht, ob ich nun lachen oder weinen sollte.

Ein paar Tage lang leckte ich meine Wunden. Dann beschloss ich, das Thema Beziehung fürs Erste auf Eis zu legen und es mir einfach auch ohne Mann richtig gut gehen zu lassen. Knapp ein Monat später schneite dann mein Geliebter in mein Leben – ich traf ihn beim Tanzen, und seither tanzen wir gemeinsam durch den Tag …

Ganz ähnlich war es bei meinem Yogastudio. Meine erste Geschäftspartnerin stieg aus, eine neue war in Sicht, bekam aber kalte Füße. Also fasste ich den Entschluss, es alleine zu versuchen, bis sich vielleicht eine neue Gelegenheit für eine Partnerschaft zeigen würde. Ein paar Monate später zeigte sich diese Gelegenheit tatsächlich, und heute führen meine Partnerin und ich die yogalounge mit vereinten Kräften und ergänzen uns ganz wunderbar (ich bin die mit dem Kopf in den Wolken, sie ist die mit den Füßen auf der Erde 😊).

Wieder hieß es also: Einfach weitergehen,  der Ungewissheit zum Trotz!

Wenn du die Dinge festhältst, hast du die Hände nicht frei für den glücklichen Zufall, der in dein Leben purzeln will.

4) Streu deine Samen aus!

Erzähl von dir und dem, was dich beschäftigt. Teile dich mit, zeige dich mit deinen Wünschen, Ideen und Sehnsüchten, mit deinen Begabungen und Leidenschaften! Geh hinaus und sprich mit Menschen, ohne etwas Bestimmtes erreichen zu wollen.

Du weißt schon, das serendipity-Prinzip: etwas Gutes finden, ohne danach zu suchen! Aber wie soll der glückliche Zufall dich finden, wenn du ihm nicht zeigst, wo du bist und was du brauchst?

Daher: Sei wahrhaftig! Nur dann können aus den Samen, die du aussäst, zur richtigen Zeit jene Dinge keimen, die du in dein Leben locken willst.

5) Hab Vertrauen!

Die schwierigsten Zeiten sind immer die dazwischen. Manchmal schließen wir eine Tür, und sofort öffnet sich eine neue. Manchmal dauert das aber auch ein wenig – Wochen, Monate, vielleicht sogar Jahre. In diesen Zwischenzeiten das Vertrauen nicht zu verlieren ist eine echte Herausforderung.

Aber ich verrate dir ein Geheimnis: Es ist kein Problem, manchmal das Vertrauen zu verlieren. Du musst es nur wieder finden!

Es ist nicht nur völlig in Ordnung, hin und wieder zu zweifeln, sondern sogar notwendig – denn ohne Zweifel bleibt unser Vertrauen infantil. Eine reife Kraft bekommt es erst dann, wenn wir Zeiten der Zweifel erlebt und uns trotzdem fürs Vertrauen entschieden haben.

In diesem Sinne: Bereite dem glücklichen Zufall eine Landebahn in deinem Leben, mit vielen bunten schönen Lichtern darauf, damit er dich auch sicher findet!

Stay true, stay wild!

Big wild love, Laya

Foto: © Shutterstock

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