Herzensworte für Zeiten der Unsicherheit

Vor mir: dichtes Gestrüpp.

Laut Pilgerführer ist hier ein Weg. Besser gesagt: ein Trampelpfad. Laut Navigations-App auch.

Ich aber sehe nichts als stachelige, hochgewachsene Büsche.

„Es wird ein bisschen ungemütlich“, lese ich im Pilgerführer. „Folgen Sie dem schmalen Trampelpfad und quälen Sie sich durch einige Rosensträucher.“

Na schön, dann quäle ich mich eben. Immer wieder bleibe ich mit meiner Kappe an den Dornen hängen, auch mit meinem T-Shirt und mit meinem Rucksack. Ich muss mich bücken und manchmal sogar auf allen vieren dahinkriechen. Ich habe keine Ahnung, ob ich auf besagtem Trampelpfad, geschweige denn auf dem richtigen Weg bin. Meter für Meter kämpfe ich mich durchs Gestrüpp.

„Das ist ja wie im richtigen Leben!“, denke ich. “Keine Sicht, kein Weg und keine Ahnung, ob ich hier richtig bin!”

das, was im Pilgerführer mit

Ach tatsächlich? Ist es das, was im Pilgerführer mit “Trampelpfad” gemeint ist?

 

Manchmal stehen wir mitten im Gestrüpp und wissen nicht, wie es weitergeht

Zum Glück ist es im richtigen Leben nicht immer so. Manchmal steigen wir auf einem gut markierten Weg auf einen Berg und haben die ganze Zeit über den Gipfel im Blick. Es mag anstrengend sein – aber wir kennen unser Ziel und den Weg dorthin genau.

Manchmal schlendern wir gemütlich eine breite Schotterstraße entlang und genießen einfach die herrliche Landschaft. Und manchmal rasen wir schnurstracks auf einer Autobahn dahin, und das einzige, worauf wir achten müssen, ist, die richtige Abfahrt nicht zu verpassen.

Aber manchmal stehen wir mitten im Gestrüpp und wissen nicht, wie es weiter geht.

Gerade war da noch ein sicherer Job – und plötzlich ist da kein sicherer Job mehr.

Gerade war da noch eine feste Beziehung – und plötzlich ist da keine feste Beziehung mehr.

Gerade war da noch robuste Gesundheit – und plötzlich ist da eine bedrohliche Diagnose.

Gerade war da noch ein Halt gebendes Umfeld, ein Team, eine Gemeinschaft, eine Überzeugung, eine spirituelle Praxis, ein klares Ziel – und plötzlich gerät all das ins Wanken.

Ja, wir hätten es so gerne. Wir hätten so gerne, dass das Leben planbar, kontrollierbar, vorhersehbar und vor allem eines ist: sicher.

Ja, wir würden sie so gerne vermeiden, die Phasen der Unsicherheit.

Denn es ist so angenehm, auf etwas zuzugehen. Es ist so angenehm, den Weg zu kennen. Es ist so angenehm, sich sicher zu fühlen.

Und es ist so verdammt unbequem, durch eine Phase der Unsicherheit zu schlingern, in der nicht viel klar ist außer das eine: So, wie es war, wird es nicht bleiben – und auch nie wieder sein.

Wenn das Alte zerbröselt, wenn der Boden unter unseren Füßen zu verschwinden droht, wenn Strukturen, die uns Halt gegeben haben, sich auflösen, wenn das Haus unseres Lebens ins Wanken zu geraten scheint, wenn wir vor uns nichts als dichtes Dickicht sehen  … dann … ja dann … ist Vertrauen gefragt.

Phasen der Unsicherheit gehören zum Leben. Zum Glück gibt es ein paar Strategien, die uns helfen, mit mehr Vertrauen und Zuversicht durch diese Phasen zu navigieren – und die Riiiieeeeesenchance zu nutzen, die diese Phasen in sich bergen!

 

#1 Die Unsicherheit willkommen heißen

Ich stehe an einer T-Kreuzung. Undurchdringliches Dickicht und Wege, die sich in Schlammlöcher und kleine Bäche verwandelt haben, liegen hinter mir. Doch jetzt lässt die solide Schotterstraße, die sich links und rechts von mir erstreckt, mein Pilgerherz aufatmen.

Mit einem Seufzer der Erleichterung wende ich mich nach rechts und laufe die leicht abschüssige Schotterstraße entlang. Einen Kilometer. Und noch einen. Und dann noch einen. Bis mir irgendetwas seltsam vorkommt.

Moment mal. Wann habe ich eigentlich zum letzten Mal eine rotweiße Markierung auf einem Baumstamm gesehen?

Und warum genau bin ich eigentlich nach rechts abgebogen und nicht nach links?

Wieder zücke ich meinen Pilgerführer – und siehe da: Ich hätte links abbiegen müssen. Noch ein Seufzer –  diesmal ein hingebungsvoller. Sechs Extra-Kilometer. Na schön. Bei 250 in Summe fallen die nicht wirklich ins Gewicht.

Als ich wieder an der T-Kreuzung ankomme, halte ich kurz inne und frage mich, was es aus dieser Ehrenrunde zu lernen gilt.

„Wenn du an einem Scheideweg stehst, liebes Layakind“, höre ich meine innere Weisheit sagen, „dann nimm dir Zeit, um innezuhalten. Nimm dir Zeit, das Nicht-Wissen wahrzunehmen. Lauf nicht einfach irgendwohin, nur weil das einfacher erscheint. Wenn du dir Umwege ersparen willst: Prüfe genau.“

Oft ist der Schwebezustand der Unsicherheit so schwer auszuhalten, dass wir nach dem erstbesten greifen, das uns wieder Halt geben kann. Wir nehmen IRGENDEINEN Job an, nur um zu wissen, wie es weitergeht. Wir werfen uns in die nächstbeste Beziehung, nur um die Einsamkeit nicht spüren zu müssen. Wir hängen unsere Hoffnung an Wunderpillen oder eine vielversprechende neue Meditationspraxis, buchen sieben Seminare, suchen Zerstreuung und Ablenkung, nur um das Gefühl der LEERE nicht aushalten zu müssen.

Aber genau diese Leere ist notwendig, damit etwas wirklich Neues in unser Leben kommen kann. Die Leere birgt neue Fülle in sich. Wenn wir sie sofort mit Altbekanntem vollzustopfen beginnen, bringen wir uns selbst um die Chance, zu erkennen, was wir wirklich wollen und in unser Leben einladen möchten.

Die Klarheit wird kommen. Aber sie kommt in ihrer eigenen Zeit. Und sie kommt nur dann, wenn wir ihr Raum geben, und uns in Geduld und Vertrauen üben, anstatt uns fieberhaft in Aktivitäten zu verlieren oder uns krampfhaft an irgendetwas festzuhalten.

 

# 2 Schritt für Schritt weitergehen

Es mag wie ein Widerspruch zum eben Gesagten klingen, ist es aber nicht: In Zeiten der Unsicherheit ist es wichtig, in Bewegung zu bleiben.

Mitten im Gestrüpp stehen zu bleiben und auf die Rettung zu warten, ist vermutlich nicht die allerbeste Strategie.

Wir können einen Mini-Schritt machen. Wir können bis zur nächsten Kurve oder Weggabelung gehen. Jede Bewegung ermöglicht uns neue Ausblicke und Perspektiven. Möglichkeiten, die zuvor nicht erkennbar waren, werden sichtbar, wenn wir uns einfach Schritt vor Schritt vorantasten – auch wenn wir nicht sicher sind, ob die Richtung stimmt.

Konkret bedeutet das: Wir können die Fühler ausstrecken. Wir können mit anderen darüber sprechen, wie es uns gerade geht, und sie bitten, ihre Wahrnehmung mit uns zu teilen. Wir können neue Dinge ausprobieren, ohne zu erwarten, dass sie die „Lösung“ für unser „Problem“ sind. Tag für Tag können wir uns für neue Möglichkeiten öffnen und neue Wege erkunden, ohne innerlich zu verkrampfen und unsere ganze Hoffnung an sie zu hängen.

In Phasen der Unsicherheit helfen eine große Prise Leichtigkeit und eine Extra-Portion Neugier ungemein, um aus der Stagnation herauszufinden und in Bewegung zu kommen!

 

# 3 Gut für dich sorgen

Aaaaah! Eine warme Dusche! Ein geheiztes Hotelzimmer! Nach sieben, acht Stunden mit schwerem Rucksack bergauf, bergab eine absolute Wohltat. Dann Knie, Sprunggelenke und Füße massieren, die Beine hochlegen und ein wenig podcast hören … und dann ein leckeres Abendessen … mmmhhhh.

Andere Pilger, die auf dem Franziskusweg von Florenz nach Assisi unterwegs waren, hatten nicht wie ich ihre Unterkünfte ein paar Tage im Voraus gebucht, sondern erst am Etappenziel nach einem Albergo, Hotel oder Refugio gesucht. Manche waren sogar mit Zelt und Schlafsack unterwegs.

Für mich aber war klar: Diesen Weg alleine zu bewältigen, mich orientieren zu müssen, durch Flüsse zu waten und wilden Tieren zu begegnen – das ist Abenteuer genug für mich. Ich will wissen, wo ich die nächste Nacht verbringen werde. Ich will wissen, dass ein sauberes Bett auf mich wartet. Ich will wissen, dass ich nach einer 30-Kilometer-Etappe nicht auch noch herumirren und nach einer Unterkunft suchen muss.

In herausfordernden Zeiten – und das sind Zeiten der Unsicherheit allemal – ist es noch wichtiger als sonst, gut für uns selbst zu sorgen. Uns unsere eigene Fürsorge zu schenken, und,  wenn schon das Bedürfnis nach Sicherheit und Kontrolle im Moment nicht erfüllt ist, umso mehr unsere anderen Bedürfnisse erfüllen.

Das kann in Form von Morgen- und Abendritualen sein, die uns Halt geben. In Form von liebevollen Gesten uns selbst gegenüber oder in Form von achtsamem Selbstmitgefühl, Mudras oder Yoga-Haltungen.

Was immer für dich funktioniert und dir in unsicheren Zeiten ein Gefühl der Geborgenheit vermittelt – mach es dir zum Geschenk!

 

# 4 Auf Hinweise achten

Angst macht unseren Blick eng. Angst verhindert, dass wir unsere Wahrnehmung weiten und unsere Sinne für die Hinweise öffnen, die uns Wasauchimmer [hier bitte je nach Weltbild Gott, Göttin, das Universum, das Leben, oder etwas ganz anderes einsetzen 😊] schickt, um uns zu zeigen, welchen nächsten Schritt wir setzen können, oder welche Vision sich zeigen möchte.

Unsicherheit kann sehr beängstigend sein. Und wenn wir uns ängstigen, wenn Zukunftssorgen uns quälen, dann bekommen wir einen Tunnelblick, statt unseren Blick frei durch die Gegend und zum Himmel schweifen zu lassen.

Vielleicht ist es der Sticker auf der Heckscheibe des Autos vor dir. Vielleicht ist es ein Gespräch, das du zu-fällig vom Nebentisch im Restaurant mitbekommst. Vielleicht ist es ein Buch, das schon seit einer halben Ewigkeit in deinem Regal steht, und das dir plötzlich in die Hände fällt. Vielleicht ist es dein Körper, der dir mit einem bestimmten Symptom auf die Sprünge hilft. Hinweise finden sich überall, wenn wir empfänglich dafür sind!

Übrigens ist es nicht weiter tragisch, einmal einen Hinweis zu übersehen. Wasauchimmer ist nämlich nicht nur erfinderisch, humor- und liebevoll, wenn es darum geht, uns zu leiten und in die richtige Richtung zu führen, sondern auch unendlich geduldig …

 

# 5 Das große Bild sehen

Manchmal, wenn ich auf meinem Pilgerweg einen Motivationsschub brauche, zoome ich im Kartenmodus der Navigations-App heraus und schaue nach, wie weit ich insgesamt bereits gekommen bin.

Dann sehe ich, dass die vielen kleinen Schritte sich aufsummiert haben und ich ein ganz schön beeindruckendes Stück Weg zurückgelegt habe.

Zoom out! Dann zeigt sich das große Bild und die Motivation kommt zurück

Zoom out! Dann zeigt sich das große Bild und die Motivation kommt zurück.

Was aber noch viel besser ist: Ich erkenne, dass es ein „großes“ Ziel gibt, an dem ich mich orientieren kann, auch wenn ich zwischendurch öfter mal im Dunkeln tappe oder im Dickicht feststecke. Mein großes Ziel ist ein liebe-volles, sinn-erfülltes, intensives Leben in Freiheit und Verbundenheit.

In Phasen der Unsicherheit öfter mal herauszuzoomen und das größere Bild zu sehen, hilft uns zu erkennen, wo wir uns auf unserem Lebensweg befinden, und uns daran zu erinnern, dass es in uns ein tiefes Wissen um unseren ureigensten Weg gibt, dem wir uns anvertrauen dürfen.

Big, wild love

Laya

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