Der wahre Grund, für Selbstzweifel.
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- Warum entschuldigen sich Frauen häufiger als Männer – sogar für Dinge, für die sie nichts können?
- Warum bewerben sich Frauen oft erst dann auf eine Stelle, wenn sie nahezu jede Anforderung erfüllen, während Männer sich häufig auch bewerben, wenn ihnen entscheidende Qualifikationen fehlen?
- Warum überlegen Frauen in Meetings dreimal, ob sie ihre Meinung äußern sollen, und werden gleichzeitig schneller als laut oder dominant wahrgenommen, wenn sie denselben Raum einnehmen wie ihre männlichen Kollegen?
Diese Fragen wirken zunächst wie einzelne Beobachtungen. Tatsächlich hängen sie eng zusammen. Sie verweisen auf etwas, das wir selten sehen und noch seltener hinterfragen: unsichtbare weibliche Skripts.
Un diese Skripts sind oft der wahre Grund für Selbstzweifel.
Es sind Geschichten darüber, wie Frauen sein sollten. Geschichten, die über Generationen weitergegeben wurden und so selbstverständlich geworden sind, dass wir sie nicht mehr als Geschichten erkennen.
Wir halten sie für unsere Persönlichkeit.
Ein Beispiel aus dem Buch Unsichtbare Frauen von Caroline Criado Perez hat mir genau das vor Augen geführt:
In der schwedischen Stadt Karlskoga wurden über viele Jahre zuerst die großen Straßen geräumt – die Straßen, auf denen die Menschen (also meist Männer) morgens mit dem Auto zur Arbeit fuhren. Erst danach folgten Geh- und Radwege. Das schien eine vernünftige Reihenfolge zu sein – bis jemand genauer hinsah.
Viele Frauen bewegten sich morgens ganz anders durch die Stadt. Sie brachten ihre Kinder in die Kita oder Schule, erledigten Einkäufe, besuchten pflegebedürftige Angehörige und legten mehrere kurze Wege zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurück. Genau diese Wege blieben jedoch länger verschneit. Die Folge waren deutlich mehr Stürze und Verletzungen – vor allem bei Frauen.
Erst als die Stadt ihre Prioritäten änderte und zuerst Geh- und Radwege räumen ließ, gingen die Unfälle zurück.
Dieses Beispiel zeigt etwas Grundsätzliches. Systeme, Regeln und Entscheidungen können vollkommen neutral wirken und trotzdem nicht neutral sein. Nicht, weil Frauen bewusst benachteiligt werden sollen, sondern weil ihre Lebensrealität bei der Entwicklung dieser Systeme und Strukturen häufig gar nicht mitgedacht wurde.
Exakt darin liegt die Unsichtbarkeit.
Und daraus entstehen jene unsichtbaren Gefängnisse, gegen die so viele Frauen ihr Leben lang ankämpfen. Wir suchen die Ursache bei uns selbst und fragen uns, warum wir nicht selbstbewusster, mutiger oder durchsetzungsfähiger sind.
Dabei übersehen wir, dass die „Baupläne“ dieser Welt zu einem großen Teil einfach nicht für uns gemacht wurden.
Dieses Skript beginnt nicht erst in unserer Kindheit.
Wir werden in eine Welt hineingeboren, die bereits Vorstellungen darüber hat, wie eine Frau zu sein hat. Diese Vorstellungen begegnen uns in Geschichten, in Sprache, in der Wissenschaft, in der Medizin und in unserem kulturellen Selbstverständnis. Je häufiger wir ihnen begegnen, desto vertrauter werden sie. Irgendwann hören sie auf, Geschichten zu sein. Sie werden zu unserer inneren Stimme.
Das zeigt sich sogar dort, wo wir es am wenigsten erwarten würden.
Wenn wir an Jäger und Sammler denken, sehen die meisten Menschen sofort einen Mann mit Speer vor sich und eine Frau, die Beeren sammelt. Lange Zeit wurden archäologische Funde genau durch diese Vorstellung interpretiert. Skelette, die gemeinsam mit Waffen bestattet worden waren, galten automatisch als männlich. Nicht, weil die Knochen eindeutig darauf hindeuteten, sondern weil die Waffen als Beweis ausreichten.
Erst moderne DNA-Analysen zeigten, dass einige dieser vermeintlichen Jäger in Wirklichkeit Frauen waren.
Dasselbe geschieht mit Sprache.
Ein Science-Fiction-Roman, in dem alle Figuren ausschließlich mit weiblichen Berufsbezeichnungen beschrieben werden – die Pilotin, die Kommandantin, die Astronautin –, verändert plötzlich unsere inneren Bilder. Was vorher selbstverständlich männlich erschien, wird weiblich. Sprache beschreibt unsere Wirklichkeit nicht nur – sie formt sie.
Kollektive Skripts prägen unser Selbstbild mehr, als uns bewusst ist.
Sie entscheiden mit darüber, wer sich zutraut, sichtbar zu werden. Wer glaubt, Großes erreichen zu können. Und wer sich selbst unbewusst Grenzen setzt.
Auch in der Medizin zeigt sich, wie tief diese Skripts reichen. Jahrzehntelang wurden Medikamente überwiegend an Männern getestet. Als häufigste Vorboten für Herzinfarkte galten Druck auf der Brust und Schmerzen im linken Arm – Symptome, die vor allem bei Männern auftreten. Frauen erleben häufig andere Anzeichen wie Übelkeit, Erschöpfung oder Atemnot. Weil der männliche Körper als Standard galt, wurden Herzinfarkte bei Frauen oft zu spät erkannt – mit schwerwiegenden Folgen.
Ähnlich verhält es sich bei Crashtests: Die Tests wurden mit „Dummies“ durchgeführt, die einem männlichen Körper nachempfunden waren. Aber Frauen sind im Durchschnitt kleiner, haben eine andere Muskelverteilung und sitzen näher am Lenkrad:
Die Folge: Frauen werden bei Autounfällen leichter schwer verletzt – weil sie bei den Tests nicht „mitgedacht“ wurden.
Auch das weibliche Gehirn wurde über lange Zeit einfach wie eine kleinere und leichtere Version des männlichen Gehirns behandelt. Erst seit Kurzem wissen wir – unter anderem Dank der Neurowissenschaftlerin Lisa Mosconi – dass das weibliche Gehirn anders „tickt“ als das männliche, und dass es sich durch Menstruationszyklus, Schwangerschaften, Geburten und die Menopause ständig verändert.
Über viele Jahre wurde der weibliche Körper als Abweichung vom männlichen Standard betrachtet – auch das ist Teil eines kollektiven Skripts.
Diese Beispiele zeigen, dass viele Frauen nicht gegen zu wenig Selbstbewusstsein oder Selbstwertgefühl ankämpfen.
Sie kämpfen gegen Geschichten, die sie so oft gehört haben, dass sie sie für ihre die Wahrheit halten – und sich selbst für den Fehler.
Aber irgendwann erkennen wir endlich, dass wir nie das Problem waren.
Und dass das ständig irgendwo im Hintergrund nagende Gefühl, dass mit uns etwas Grundlegendes nicht stimmt, tiefe strukturelle Ursachen hat, gegen die wir auf individueller Ebene noch so sehr ankämpfen können – aber nichts wird sich ändern.
Denn Erkenntnis schreibt kein neues Skript. Und ein Kampf im Außen beendet nicht den Kampf im Inneren.
Zu verstehen, warum wir denken, fühlen und handeln, wie wir es tun, ist der erste Schritt. Ein neues Leben entsteht jedoch erst dann, wenn wir beginnen, bewusst neue Geschichten zu schreiben und sie so lange wiederholen, bis sie Teil unserer Identität geworden sind.
Du bist nicht das Skript, das du geerbt hast.
Du bist die Frau, die entscheiden kann, welche Geschichte sie von heute an über sich selbst erzählen will.
Wenn du die tiefsten Schichten deiner inneren Skripts erkennen und gezielt neu schreiben möchtest, dann lade ich dich herzlich zu Rewrite Your Roots ein. Dort arbeiten wir genau an diesen verborgenen Geschichten – den persönlichen und den kollektiven –, damit aus Erkenntnis ein echtes Rewrite wird.
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Denn du schreibst nicht nur Worte.
Du codierst, wer du wirst.