Was zählt, ist dein WARUM!     

Jul 27, 2018

Ich trabe durch die Straßen von Berlin, es ist früher Morgen und ich bin unterwegs zu einer Yoga-Session in einem brandneuen Studio am Prenzlauer Berg. Was bin ich froh, von zuhause weg zu sein. Was bin ich froh, Abstand zu haben. Was bin ich froh, Berliner statt Linzer Luft zu schnuppern. Denn die war in letzter Zeit ziemlich dick.

Ich bin, wie man so schön sagt, unzufrieden mit der Gesamtsituation. Genau genommen sogar SEHR unzufrieden. Noch genauer genommen: Ich bin angepisst.

Der Sommer hat dieses Jahr schon im April begonnen, doch während meine Lieblingsmenschen im Gastgarten oder beim Outdoor-Yoga waren, im Sommerkino saßen oder bei Sonnenuntergang im See schwammen, telefonierte ich mit Umzugs-, Reinigungs- und Entrümpelungsfirmen, räumte unzählige Schränke aus, packte Kisten, sortierte und ordnete, entschied, was verkauft, was verschenkt und was entsorgt werden sollte, atmete alten Staub und den Mief der Vergangenheit ein, und tat auch sonst alles, was mit der Auflösung der elterlichen Wohnung so einher geht.

 

Entrümpelungsfantasien verfolgen mich …

Zwischendurch hatte ich die Nase derartig voll, dass ich ernsthaft überlegte, einfach aufzuhören, und den Rest der Entrümpelungsmannschaft zu überlassen. Mir doch egal, wenn niemand mehr von den alten Möbelstücken profitiert! Mir doch egal, wenn die hochwertige Vollholz-Kommode, die neuwertigen Mäntel und Taschen und das zarte Porzellan, das meine Mutter so geliebt hat, auf dem Müll landen! Hauptsache, ich habe endlich Ruhe …  was geht mich der ganze Kram an? Muss ich denn immer für alles Verantwortung übernehmen?

Gedanken wie diese jagten tagein, tagaus durch meinen Kopf, und es war wirklich schwierig, ihnen nicht zu glauben.

Also Berlin. Abstand. Sommer, Yoga, happy place. Und trotzdem: immer wieder Entrümpelungsfantasien.

„Hör auf, daran zu denken“, stupse ich mich selbst an. „Du bist in Berlin. Die Sonne scheint. Gleich turnst du auf deiner Yogamatte rum und danach gibt’s leckeres Frühstück mit deinem Liebsten. Gib. Doch. Bitte. Einfach. Mal. Ruhe!!!“

… dann kreuzt ein oranger Bär meinen Weg …

Plötzlich stoppt ein Bär von einem Mann meinen inneren Dialog. Er trägt eine knallorange Uniform am Leib, einen Schnauzbart im Gesicht und eine völlig intakte und scheinbar neuwertige Fichtenholzkommode auf der Schulter. „Verfluchtes Grünzeug“, schimpft er, als er meinen Weg kreuzt und dabei über einen Beton-Trog stolpert, in dem ein unschuldiges kleines Bäumchen wächst.

Trog und Bäumchen geben den Weg frei, und der orange Mann mit den schmutzigen Arbeitshandschuhen nähert sich einem nicht weniger orangen LKW, der auf der Straße wartet und auf dem in großen weißen Buchstaben LEER FORCE ONE steht. Er wuchtet die Kommode auf die Kippe des Sperrmüllwagens. Ein Knacken lässt erkennen, dass das Holz bereits jetzt gebrochen ist. Dann legt der Mann einen hydraulischen Hebel um, der Müllwagen verschluckt mit einem lauten Rülpsen die Kommode, und ein brutales Brechen und Zermalmen ist zu hören.

Autsch.

 

… und ein Autsch bringt mich zur Erkenntnis

Diese Geräusche tun mir körperlich weh. Noch mehr schmerzt mich aber, dass hier wertvolle Ressourcen verschwendet werden, dass Unachtsamkeit am Werk ist, und dass wir alle miteinander drauf und dran sind, uns selbst die Lebensgrundlage zu entziehen, wenn wir weiterhin so mit den Geschenken von Mutter Erde umgehen.

Aber dieses Autsch küsst auch eine Erkenntnis in mir wach. Mir wird bewusst: Ich tue das, was ich tue, nicht für meine Eltern, oder weil ich mich dazu verpflichtet fühle. Ich tue es, weil ich es nicht übers Herz bringe, Dinge einfach wegzuwerfen, an denen jemand anderer Freude haben kann, oder die zumindest jemandem Nutzen bringen. Ich tue es, weil ich Gegenstände, die meine Mutter geliebt und jahrelang zärtlich gepflegt hat, nicht den groben Händen der Entrümpelungsmänner überlassen will. Ich tue es, weil ein verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen für mich ein zentraler Wert ist, und weil ich finde, dass auch scheinbar leblose Gegenstände Achtsamkeit verdienen.

Und siehe da: Kaum habe ich mein WARUM gefunden, bin ich nicht mehr unzufrieden (und schon gar nicht mehr angepisst 😊 ). Im Gegenteil. Ich bin wieder voll motiviert, die Angelegenheit zu einem guten Ende zu bringen und danach den Sommer umso mehr zu genießen!

FLOW ~ WRITE ~ GROW

Was zählt, ist dein WARUM!

In diesem WRITE geht es darum, herauszufinden, ob es Zeit ist, mit etwas aufzuhören, oder ob es doch einen guten Grund gibt, dieses Etwas weiterhin zu tun.

Ein guter Grund wäre zum Beispiel, dass dieses Etwas, auch wenn du nicht unbedingt Lust darauf hast, dich einem größeren Ziel näherbringt. Zum Beispiel machst du deine Buchhaltung und stellst dein Budget fürs nächste Jahr auf, um dir spezifische und realistische Business-Ziele stecken zu können. Buchhaltung und Budget sind nicht unbedingt deine Lieblingsthemen – aber du liebst dein Business und willst es weiterentwickeln.

Ein anderer guter Grund wäre, dass das, was du tust, im Einklang mit deiner inneren Haltung steht (Achtung, bittere Wahrheit: Das bedeutet NICHT automatisch, dass es immer angenehm ist oder leicht geht! Sorry for that …). Ok, du hast keine große Lust, dir im Altstoffsammelzentrum schmierige Hände zu holen, weil du ranziges Hanföl in einen schmutzigen Eimer leerst. Aber unsere Umwelt ist dir wichtig, also spendierst du die Zeit und nimmst die Schmierigkeit in Kauf, anstatt das Öl einfach in den Abfluss zu leeren.

Weniger gute Gründe:

Schuldgefühle.

Übersteigertes Pflichtbewusstsein.

Perfektionismus.

„Weil ich das immer schon so gemacht habe.“

„Weil sich das gehört.“

„Weil meine Eltern das so gemacht haben.“

„Weil meine Eltern das Gegenteil gemacht haben und ich aus Prinzip nichts so mache wie sie“.

Macht ja sonst keiner, was bleibt mir anderes übrig?

„Wenn ich das nicht mehr mache, ist meine Großtante/Hundesitterin/Nachbarin bestimmt sauer auf mich.“

„Wenn ich das nicht mehr tue, denken meine Kolleginnen, ich sei egoistisch.“

~~~

Wähle eine Situation, mit der du unzufrieden bist. Eine Sache XY, die du tust, gegen die du aber Widerstand empfindest.

Nimm Papier und Stift zur Hand und stell einen Wecker auf zehn Minuten.

Beginne den ersten Satz mit: Ich mache XY, weil …

Vervollständige den Satz und schreib so lange weiter, bis du merkst, dass ein Gedankengang zu Ende geht oder du ins Stocken gerätst. Dann beginnst du wieder mit „Ich tue das, weil …“

Mach so weiter, bis der Wecker läutet. Dann schreibst du deinen letzten Gedanken zu Ende, legst den Stift zur Seite und atmest einige Male tief durch.

Nimm dir nun Zeit, das Geschriebene durchzulesen. Wenn möglich, lies es sogar laut. Vielleicht begegnest du dabei einander widersprechenden Aussagen – das ist völlig in Ordnung. Oft dauert es ein wenig, bis wir zum Kern einer Sache vordringen, oft machen wir uns zunächst selbst etwas vor und führen Gründe an, die unserem Selbstbild als gute Menschen etc. entsprechen,  mit unserer wahren Motivation aber nichts zu tun haben.

Durch die definierte Schreibzeit bleibst du am Thema, und durch den Rhythmus, der durch die Wiederholung des Satzanfanges entsteht, dringst du immer näher zu deiner inneren Wahrheit vor.

Beim Lesen wirst du merken, in welchen Passagen etwas Echtes, Wahrhaftiges versteckt ist, und wo du dich an der Wahrheit vorbeigeschummelt hast. Achte auch darauf, wo du dich verhaspelst, wo deine Stimme oder deine Schrift sich verändern.

Sei aufrichtig zu dir selbst: Was stimmt wirklich?

Und nun, da du dein wahres Warum kennst: Was wirst du tun?

1. Aufhören?

2. Weitermachen wie bisher?

3. Oder weitermachen – aber anders?

Meine Begegnung mit der LEER FORCE ONE und dem schimpfenden Müllmann bewirkte, dass ich das, was nun mal zu tun war, weiterhin tat – aber ab sofort ohne Murren, Jammern und Hadern.

Mein wahres Warum zu kennen, half mir aber auch, besser zu spüren, wo meine Grenzen sind und was ich vielleicht doch nur tat, um ein guter Mensch, eine brave Tochter oder ein armes Opfer zu sein.

Dein WARUM zählt! Schreibend kommst du ihm auf die Spur.

Keep flowing, keep growing!

Big, wild love

Laya

PS: Welches Riiiiieeeesengeschenk ich bekam, als ich die Entrümpelungsgeschichte endgültig abschloss, erzähle ich dir in diesem Video.

DEIN Jahr des inneren Wachstums 2019

Mit der FLOW-WRITE-GROW®-Methode

Start: Jänner 2019

Anregend wie der erste Schluck Kaffee. Wohltuend wie die Morgensonne. Nährend wie eine Umarmung.

Jeden Sonntagmorgen ein Goldstück in deinem Email-Postfach!

Heyho, das hat geklappt! Wir hören uns nächsten Sonntag. Bis dahin viel Freude!