Wie du weckst, was in dir steckt – 3 Blockaden lösen

Mrz 10, 2018

Die Weisheit lauert manchmal dort, wo man sie am wenigsten erwartet. Mich überraschte sie kürzlich in Form eines roten Plüschmonsters, das über den Straßenbahn-Infoscreen flimmerte.

„Ich bin immer so müde, weil so viele Potenziale in mir schlummern“, seufzte das Monster. Dann fielen ihm die plüschigen Lider zu, und es begann zu schnarchen.

Mit dieser tiefsinnigen Erkenntnis ist das Plüschmonster vielen Menschen einen Riesenschritt voraus. Die fragen sich nämlich noch immer, warum sie ständig müde, schlapp und energieleer sind. Sie schlucken Eisenpräparate, schütten abwechselnd Kaffee, energetisiertes Trinkwasser und Matcha Tee in sich hinein, murmeln Affirmationen, kaufen sich eine Tageslichtlampe oder unterziehen sich einer Darmreinigung.

Das alles hat natürlich seine Berechtigung. Aber oft möchte ich diesen Menschen laut zurufen:

Hey, wie wär’s mal mit Begeisterung? Mit diesem feinen Vibrieren, dieser kribbelnden Aufgeregtheit, dieser Vorfreude, mit der wir als Kinder dem Tag entgegengefiebert haben? Mit diesem Motor, der uns am Morgen ganz von selbst aus den Federn springen lässt, ohne dass wir uns überreden und motivieren müssten?

Wann ist das große Schlummern über uns gekommen, wann haben wir aufgehört daran zu glauben, dass wir das Potenzial zu einem erfüllten, begeisterten Leben in uns tragen, und dass wir selbst die Zauberfee sind, die diese Potenziale zum Leben erwecken kann?

So viele Menschen strampeln im Hamsterrad, sind fremdbestimmt, tun ständig Dinge, die ihnen keine Freude machen, und in der restlichen Zeit sind sie viel zu ausgelaugt, um herauszufinden, wofür sie sich begeistern könnten.

Es sind jene Menschen, die auf die Frage, wie es ihnen geht, mit „Ganz okay“ antworten.

Hey, möchte ich dann rufen, das ist zu wenig!

Wir sind nicht auf diesem Planeten gelandet, um uns mit „ganz okay“ zufriedenzugeben.

Wir wurden nicht mit einzigartigen Gaben beschenkt, um uns das Mittelmaß schönzureden und unsere Resignation als Zufriedenheit zu maskieren, anstatt unsere Potenziale voll zu entfalten.

Kribbeln soll es, vibrieren soll es, vor Lebendigkeit sprühen soll es, das Leben! Als ob Prosecco durch unsere Adern fließen würde – so soll es sich anfühlen! Na schön, vielleicht nicht immer. Aber zumindest so oft wie möglich!

Schluss mit Ennui

Bis vor kurzem kannte ich das Wort Ennui noch gar nicht. Mittlerweile weiß ich, dass es für Freudlosigkeit, Langeweile, Lustlosigkeit, Interesselosigkeit steht.

Ennui ist das genaue Gegenteil von Begeisterung. Ennui steht für ein Leben im Halbschlaf, für einen „Danke, geht so“-Dauerzustand, den wir für normal halten, weil wir uns an ihn gewöhnt haben – und weil auch die meisten Menschen in unserem Umfeld tagein, tagaus vor sich hin dämmern.

Ennui ist ansteckend. Begeisterung zum Glück auch.

Wenn du von etwas begeistert bist, musst du dich nicht motivieren – du tust, was du tust, einfach weil du unbändige LUST darauf hast.

Wenn du von etwas begeistert bist, brauchst du keine Anerkennung und keine Gegenleistung – du tust, was du tust, einfach weil es sich SO GUT anfühlt.

Klar, zwischen intensiven Schaffensperioden haben auch die begeisterungsfähigsten Menschen ihre Ennui-Phasen. Das Leben verläuft nun mal zyklisch – aber wenn wir uns dem hingeben, statt uns dagegen zu wehren, sind diese Phasen schwuppdiwupp wieder vorbei, und schon sprühen wir wieder vor Begeisterung.

„I am happiest, healthiest, most productive, and most creative when I make sure that my live reflects my values, my interests, and my temperament.“

~ Gretchen Rubin

Ja, so könnte es sich anfühlen – aber warum leben so wenige Menschen ein begeistertes und kreatives Leben, das ihre einzigartigen Gaben und Vorlieben und ihr Temperament widerspiegelt?

Weil es jede Menge Blockaden gibt, die verhindern, dass wir ein solches Leben führen.

Aber wir können diese Blockaden lösen. Und  wer erst einmal auf den Geschmack gekommen ist und eine Ahnung von der Köstlichkeit eines begeisterten Lebens bekommen hat, ist nicht mehr zu stoppen!

#1 Alte Glaubenssätze und Scham-Wunden

Vielleicht blockieren dich alte Glaubenssätze wie „Zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen“. Vielleicht spukt die Vorstellung in deinem Kopf herum, dass Arbeit weh tun oder zumindest mühsam und langweilig sein muss.

Vielleicht blockiert dich auch die Vorstellung, dass du das EINE Ding finden musst, das genau deins ist. Wenn deine Vorlieben sich immer wieder ändern oder du viele verschiedene Leidenschaften in dir spürst, dann glaubst du, dich entscheiden zu müssen. (Musst du aber nicht. Vielleicht liegt deine Gabe genau darin, all diese Dinge auf deine einzigartige Weise zu verbinden).

Vielleicht trägst du aber auch eine Scham-Wunde in dir. Jeder zweite Mensch, so die Autorin und Sozialforscherin Brené Brown, hat in seiner Kindheit oder Jugend eine tiefe Verletzung im Zusammenhang mit seiner einzigartigen Kreativität erlebt. Oft führt eine solche Verletzung dazu, dass wir aufhören, uns kreativ und authentisch auszudrücken und unsere Talente zu entfalten. Dann beginnen wir, andere zu imitieren, und leben ein Leben, das nicht unserer eigenen Natur entspricht.

Der erste Schritt zur Begeisterung ist, die eigenen Denkmuster und Überzeugungen zu hinterfragen, Scham-Wunden aufzuspüren und zu heilen.

# 2 Du hast vergessen, was dich begeistert

Manche Menschen sind völlig abgeschnitten von ihrer natürlichen Begeisterungsfähigkeit. Sie erlauben sich nicht einmal mehr, sich vorzustellen, ein Leben ohne enges Korsett zu führen, und das Gefühl von Begeisterung ist bestenfalls noch als blasse Erinnerung vorhanden. Vielleicht sind diese Menschen sogar stolz darauf, dass sie so vernünftig sind und die kindliche Idee, es könne im Leben um Vergnügen, Spiel und Übermut gehen, aus ihrem Denken verbannt haben.

Es gibt aber auch noch einen anderen Grund, warum es so schwierig sein kann, die eigene Begeisterung wiederzuentdecken.

Manchmal erkennen wir unsere einzigartigen Gaben nicht, weil sie so selbstverständlich für uns sind.

Vielleicht kannst du dich besonders gut in andere einfühlen und denkst, das wäre ganz normal und jeder Mensch könne das. Vielleicht hast du eine ganz besondere Problemlösungsstrategie – aber für dich ist es so selbstverständlich, auf diese Weise an Probleme heranzugehen, dass du gar nicht auf die Idee kommst, dass jemand anderer diese Kompetenz nicht haben könnte. Vielleicht verfügst du über ein ausgeprägtes Organisationstalent und verlierst auch in der chaotischsten Situation nicht den Überblick – aber da dir diese Fähigkeit immer schon zur Verfügung stand, erkennst du sie nicht als außergewöhnliches Talent.

Wenn du dich in deiner zone of brilliance befindest, fühlst du dich wie ein Fisch im Wasser. Du bist ganz in deinem Element. Und weil es sich so natürlich und selbstverständlich anfühlt, erkennst du nicht, dass genau hier der Schlüssel liegt, um deine Potenziale zu erkennen und zu entfalten.

Wie kannst du also herausfinden, was dich begeistert?

Eine Spur führt dich zurück in deine Kindheit. Bei welchen Tätigkeiten hast du als Kind alles rund um dich vergessen? Wovon hast du geträumt, was hast du gern gespielt, wer waren deine Vorbilder, was wolltest du werden?

Eine andere Möglichkeit ist, andere zu fragen, welche Potenziale sie bei dir erkennen. Frag FreundInnen, Bekannte, KollegInnen oder MentorInnen, bei welchen Gelegenheiten sie ein Strahlen oder Leuchten bei dir wahrnehmen. Fast immer schenkt uns auch unserer Körpersprache wichtige Hinweise – und diese sind für andere oft deutlicher erkennbar als für uns selbst!

Vor allem aber: Folge deiner Freude! Je kindlicher sie sich anfühlt, desto heißer die Spur 😊

 

#3 Du willst den Preis nicht zahlen

Keine Frage, es hat seinen Preis, ein maßgeschneidertes Leben zu führen, statt eines von der Stange.

Zunächst ist da der Preis der Verantwortung. Wenn du dein Leben selbst in die Hand nimmst, kannst du niemand anderem mehr die Schuld daran geben, dass du nicht so lebst, wie es dir entspricht. Nicht dem Wirtschaftssystem, nicht der Regierung, nicht deiner Herkunftsfamilie, nicht dem Klima, und auch nicht deiner Chefin oder deinem Partner.

Viele Menschen schielen neidisch auf diejenigen, die den Absprung aus dem 08/15-Leben geschafft haben, und denken, diese hätten einfach bessere Voraussetzungen gehabt. Aber das stimmt nicht. Sie haben es einfach getan. Und genau aus diesem Sprung erwachsen jene Möglichkeiten, die zuvor noch gar nicht da waren – oder zumindest nicht sichtbar.

Dann ist da der Preis der Unsicherheit. Um zu wecken, was in uns schlummert, müssen wir unsere alte Existenz als SchlafwandlerInnen aufgeben. Vieles, was uns vertraut ist, wird aus unserem Leben verschwinden müssen, wenn wir dem Raum geben, was uns begeistert. Wir wissen nicht, wohin dieser Weg uns führt. Niemand ist ihn vor uns gegangen, denn kein Mensch hatte jemals unsere speziellen Gaben und Talente.

Kein Wunder, dass Angst aufkommt, wenn wir uns in Gefilde vorwagen, die noch niemand vor uns betreten hat. Klar, dass es schwierig ist, den engen Kokon zu verlassen, obwohl wir bestenfalls erahnen, dass wir bunt schillernde Flügel haben und über saftige Wiesen fliegen werden, anstatt langsam vor uns hin zu kriechen wie in unserem alten Leben als Raupe.

Es ist einfach eine Entscheidung zwischen einem Leben im Kokon und einem Leben in Freiheit – und Unsicherheit. Shallow living oder hell yeah – beides hat seinen Preis!

„Wie wird man ein Schmetterling?“ fragte die Raupe.
“Du musst so sehr fliegen wollen, dass du bereit bist
deine Existenz als Raupe aufzugeben!” sagte der Schmetterling.

~ Trina Paulus

Dann gibt es noch den Preis der ständigen Veränderung. Wenn wir von einem maßgeschneiderten Leben sprechen, dann muss auch klar sein, dass dieses Maß sich immer wieder verändert. Was sich heute weit anfühlt, kann morgen schon wieder zu eng sein. Was vor einem Monat noch gepasst, passt heute schon nicht mehr. Wenn du beginnst, zu wecken, was in dir steckt, dann wirst du immer wieder völlig neue Seiten an dir entdecken, und es werden Fähigkeiten zum Vorschein kommen, von denen du überhaupt nicht wusstest, dass sie in dir schlummern.

Ständige Veränderung ist dir also garantiert, wenn du dich auf diesen Weg machst. Die Balance zu wahren im Tanz zwischen Selbstgestaltung und Hingabe an deinen ureigenen braucht zwar ein wenig Übung – aber mit der Zeit wird dieser Tanz immer anmutiger und natürlicher.

Und schließlich ist da noch der Preis der (vorübergehenden) Einsamkeit. Nicht alle Menschen werden es gutheißen, dass du deiner Begeisterung folgst.

Manche wissen gar nicht, dass sie selbst nur einen Bruchteil ihres Potenzials leben, und dein Aufbruch in die Freiheit macht ihnen diese Tatsache schmerzhaft bewusst. Andere sehnen sich schon lange nach einem neuen Leben, trauen sich aber nicht, aus ihrem alten auszusteigen, und sind neidisch auf dich. Andere wiederum projizieren ihre eigenen Ängste und Unsicherheiten auf dich, und versuchen, dich zurückzuhalten oder dich „zur Vernunft zu bringen“.

Einige dieser Menschen wirst du hinter dir lassen müssen – und es wird Wegstrecken geben, die du alleine zurücklegen musst.

Manchmal wirst du einsam sein.

Aber du darfst vertrauen. Dort, wohin du gehst, warten neue Menschen auf dich. Menschen, die dich verstehen und die zu dir passen. Plötzlich tauchen sie auf und werden Teil deines neuen Lebens. Du findest dein Rudel – garantiert. Oder dein Rudel findet dich.

Divider Gold

Um ein begeistertes Leben zu führen, musst du nichts Neues erfinden, sondern nur das erwecken, was in dir steckt. Und du musst dir erlauben, ein außergewöhnliches Leben zu leben – was immer das für dich persönlich bedeutet.

Begeisterung ist der Motor, Vertrauen der Treibstoff, Beharrlichkeit das Schmieröl, und Freude dein Kompass.

Nun geh. Alles, was du dafür brauchst, ist in dir.

In dir,
hinter deinem dir bekannten Leben,
liegt ein anderes Leben.
Es hat sich still verhalten
und ist mit dir zusammen älter geworden.
Es hat sich nicht aufgedrängt
und nicht die Aufmerksamkeit auf sich gezogen.
Es hat auf den richtigen Augenblick gewartet.
Dabei ist seine Sehnsucht gewachsen.
Sie ist immer dichter geworden,
immer erfüllter und brennender.

 

Du könntest diesem Leben jetzt nachgehen.
Jeder Tag ist eine Tür,
jeder Monat ein großes Zimmer,
jedes Jahr ein bunter Garten mit einer reichen Ernte.
Sogar das Versäumte hat noch eine Chance,
wenn du auf diese Stimme hörst,
die dich in das Haus deines Lebens führen will,
in dem du dich endlich
dir zukehrst wie ein Mensch,
der sich liebt.

~ Ulrich Schaffer

Photo by Mohammed Hijas on Unsplash

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