Warum du freundlich zu dir sein musst, um deine Ziele zu erreichen

Jeden Tag starrt es mich vorwurfsvoll an, das kleine Büchlein auf meinem Schreibtisch. Es ist hübsch in türkises Kunstleder gebunden, besticht durch goldene Seitenränder – und hat eine ziemlich unangenehme Nörgelstimme.

„Wolltest du nicht jeden Tag in mich hinein schreiben?“, fragt es mich. „Wozu kaufst du dir ein ‚One line a day‘ Buch, wenn du dann nicht mal diese eine Zeile pro Tag schaffst?“

Ich versuche, seinen vorwurfsvollen Blicken auszuweichen. Ich versuche, mich zu rechtfertigen. Und natürlich weiß ich, dass das Büchlein völlig unschuldig ist – es sind meine eigenen kritischen inneren Stimmen sind, die ich da höre. Ich weiß auch, dass Vorwürfe genau das Gegenteil von dem bewirken, was sie bewirken sollen: Sie führen nicht dazu, dass ich meine Vorhaben umsetze und meine Ziele erreiche, sondern dazu, dass ich aufgebe.

Der Nörgelstimme ist das egal. Jeden Morgen, wenn ich mich an meinen Schreibtisch setze, beginnt sie, vor sich hin zu blubbern – bis ich ihr vehement Einhalt gebiete.

Über ein Jahr lang habe ich sorgfältig jeden Tag einen kleinen Eintrag in das türkise Büchlein geschrieben, das ich mir bei einem Familientrip nach Berlin gekauft hatte. Doch dann hat mich das Leben einigermaßen überrollt mit unvorhergesehenen Turbulenzen, Studium, Ausbildung und sonst noch allerlei. „One line a day“ stand in dieser Zeit nicht unbedingt ganz oben auf meiner Prioritätenliste.

Dann wurde es wieder ruhiger. Habe ich mein tägliches Schreibritual wieder aufgenommen?

Natürlich nicht!

Und warum nicht?

Weil ich in die „Ganz oder gar nicht“ Falle getappt bin.

 

Nur perfekt ist gut genug? 

Wo kämen wir denn hin, würde ich einfach ein paar Monate auslassen!  Nur „täglich“ zählt, alles andere fällt unter versagt, gescheitert, schlapp gemacht!

Alte Gespenster also, die manchmal noch irgendwo in meinem Oberstübchen herumspuken und offensichtlich resistent sind gegen die hochdosierte Selbstliebe-Medizin, die ich mir täglich verabreiche.

In Wirklichkeit sind die Gespenster natürlich alles andere als resistent. Im Vergleich zu früher sind sie sehr blass geworden. Genau deshalb habe ich mein Schreibritual kürzlich wieder aufgenommen – und pfeife auf die paar Monate, in denen die Seiten leer geblieben sind.

„Ganz oder gar nicht“ ist eines von vielen Mustern, mit denen wir uns selbst dabei sabotieren, unsere Ziele zu erreichen.

{An dieser Stelle könnte frau natürlich fragen, ob und wozu wir überhaupt Ziele brauchen – mehr darüber hier.}

 

Eine harsche Stimme aus dem Off

Stell dir ein kleines Kind vor, das Laufen lernt. Wackelig macht es ein paar Schritte, dann fällt es auf die Knie – und irgendwo aus dem Off ertönt eine harsche Stimme: „Fehler! Gescheitert! Du lernst es nie!“

Tut weh, diese Vorstellung, nicht wahr? Aber wir alle haben in den verschiedensten Situationen ähnliche Erfahrungen gemacht – sei es durch Eltern oder Geschwister, Lehrer*innen oder einfache die verdammt fehlerunfreundliche Gesellschaft, in der wir leben. Nach und nach haben wir diese Stimmen interiorisiert, und sie sind ein Teil unseres inneren Dialogs geworden, meist ohne dass es uns bewusst ist.

Das ist sehr traurig.

Denn wir alle haben so viel Potenzial, uns wunderbare Ziele zu setzen und sie auch zu erreichen – aber das können wir nur, wenn wir freundlich zu uns sind!

 

5 Wege, mit Selbstfreundlichkeit deine Ziele zu erreichen

 

# 1 Scheitern ist ein Teil des Plans

Wusstest du, dass wir im Durchschnitt acht Versuche benötigen, um unser Verhalten nachhaltig zu verändern? Acht Versuche! Und wir nörgeln schon an uns rum, wenn es nicht beim ersten Mal klappt!

Das führt wiederum dazu, dass wir viel zu schnell aufgeben. Wir zweifeln an uns, an unserer Eigenmacht und Wirksamkeit, und schwächen uns damit selbst – anstatt zur Kenntnis zu nehmen, dass der menschliche Körper-Geist-Seele-Organismus ein träges System ist, und dass es ungeheuer viel Energie braucht, alte Verhaltensmuster zu durchbrechen und neue zu installieren.

„Scheitern ist ein Teil des Plans“ war eines meiner Lieblingsmantras, als ich Unternehmerin wurde. Ich bin mit vielen Ideen gescheitert, und manchmal wollte ich aufgeben. Es hat lange gedauert, bis ich den Dreh raus hatte und verstand, wo der sweet spot liegt, an dem das, was ich gut kann, das, was ich gern tue, und das, womit ich der Welt am meisten diene, aufeinandertrifft.

Gesteh dir Ehrenrunden, Durchhänger und Misserfolge zu. Verurteile dich nicht dafür – sondern mach einfach weiter! Du wärst der erste Mensch auf Erden, der seine Ziele ohne Umwege und Rückschläge erreicht …

„Ich bin nicht gescheitert – ich habe 10.000 Wege entdeckt, die nicht funktioniert haben.“
~ Thomas Edison

 

# 2 Feiere deinen Input, nicht deinen Output!

Jeden Babystep in die richtige Richtung zu feiern ist eine der besten Strategien, um Ziele zu erreichen.

„Feiern“ bedeutet übrigens nicht unbedingt, dass du dir eine Packung Pralinen reinziehst, nachdem du fünf Kilometer gelaufen bist, oder dass du 300 Euro für neue Stiefel ausgibst, weil du ein Projekt erfolgreich abgeschlossen hast – das wäre eher Belohnung, und von Belohnung halte ich in diesem Zusammenhang nicht viel.

Feiern könnte zum Beispiel bedeuten, dir anerkennend auf die Schulter zu klopfen, die Arme hochzureißen, ein paar Minuten zu cooler Musik abzutanzen oder dir selbst ein fettes Lächeln zu schenken. Dein KÖRPER muss es spüren – dann speichert dein System die positive Erfahrung viel tiefer, und es wird immer einfacher und mit der Zeit selbstverständlicher, die richtigen Dinge zu tun.

Wichtig: Feiere dich selbst nicht (nur) für erreichte Ergebnisse, sondern vor allem für deinen Input!

Feiere dich dafür, dass du …

* überhaupt auf die Yogamatte gekommen bist (statt dafür, dass du zehn Minuten auf dem Kopf stehen kannst)

* überhaupt geschrieben hast (statt dafür, dass du einen genialen Text produziert hast)

* einen Anruf getätigt hast, der dich Mut gekostet hat (statt dafür, dass dieser Anruf gut gelaufen ist)

Deine Taten zählen viel mehr als das Ergebnis! So wirst du Schritt für Schritt zu einer Yoga-Praktizierenden, einer Schriftstellerin, einem mutigen Menschen, … Wenn du das erst mal verinnerlicht hast, sind dir die guten Resultate sicher!  

 

# 3 Steig aus der Scham-Spirale aus

Wie schon gesagt – wir alle wurden im Laufe des Lebens irgendwann beschämt, weil wir etwas nicht konnten, nicht den Erwartungen entsprochen, nicht die geforderte Leistung erbracht haben. „Fehler“ zu machen ist in einer perfektionistischen Gesellschaft wie der unseren mit Scham besetzt. Perfektionismus ist nichts weiter als eine Form der Angst – der Angst, nicht gut genug zu sein, unvollkommen wie wir nun mal sind.

Charme und Perfektion vertragen sich schlecht miteinander.
Charme setzt kleine Fehler voraus.
~ Catherine Deneuve

Scham führt dazu, dass wir eng werden, uns nichts zutrauen, uns nicht zeigen wollen oder können. Wir können nicht mehr ungekünstelt und spontan agieren, gestehen uns nicht zu, etwas einfach auszuprobieren, unabhängig davon, welche Figur wir dabei machen.

Verliebe dich in deine Unvollkommenheit! Du kannst dich dafür ENTSCHEIDEN, sie liebenswert zu finden. Du kannst dich dafür ENTSCHEIDEN, dich selbst zu achten, wie unperfekt auch immer du bist. Liebevolle Selbstannahme ist (neben gesundem Stolz) DAS Antidot zur Scham. Je mehr wir aus der Scham-Spirale aussteigen, desto freier kann sich unser Potenzial entfalten! 

So verwandelt sich Scham in Charme … und Perfektionismus in Leichtigkeit.

 

# 4 Finde neue Worte

Wenn ich in meinen Seminaren und Coachings das Wort „Fehler“ verwende, hebe ich jedes Mal meine Arme und mache zwei rhythmische Bewegungen mit Zeige- und Mittelfingern. Kurz: Ich male  Anführungszeichen in die Luft.

Eigentlich ist das schade, denn Fehler zu machen ist unglaublich wichtig. Aber in unserem Sprach- und Kulturkreis haben sie einen schlechten Ruf, und allein das Wort lässt viele von uns zusammenzucken, so als würden wir noch immer auf der Schulbank sitzen und darauf warten, dass schlechte Noten auf uns niederprasseln.

Falls du also zu denen gehörst, für die „Fehler“ bedeutet, dass sie etwas grundsätzlich falsch gemacht haben, dann ersetze diesen Begriff durch „Erkenntnis“, „Erfahrungsschatz“ oder „Lernchance“ –  oder was immer für dich freundlich klingt!

 

# 5 Ein Blick aus der Zukunft

Anfang des Jahres war ich in einem Funkloch am Ende der Welt bei meiner Poesietherapie-Ausbildung. (Das Ende der Welt ist eine Autostunde von Düsseldorf entfernt, falls ihr es genau wissen wollt 😉) Wir sollten über das alte oder das neue Jahr schreiben, in einer frei gewählten Form. Ich habe mich dafür entschieden, mir einen Brief von meinem Future Self zu schreiben. Einen Brief von jener Frau, die ich am 31. Dezember 2020 sein werde.

Natürlich bist du umgefallen, immer wieder. Natürlich hat das alte Fahrwasser dich immer wieder eingeholt. Natürlich waren die alten Muster stark – aber du warst stärker“, schrieb dieses Future Self, das ich in meiner Imagination vor mir gesehen hatte – mit einem zufriedenen Lächeln auf dem Lippen und großer Dankbarkeit im Herzen.

Statt von unserem momentanen Standpunkt aus auf ein weit entferntes Ziel zu starren, können wir vom Standpunkt dieses Ziels aus auf uns selbst blicken. Wir sehen jeden kleinen Fortschritt, wir erkennen, wie der Abstand mit jedem Mini-Schritt geringer wird. Wir blicken liebevoll auf unsere Anstrengungen und Bemühungen, wir können uns selbst Anerkennung zollen und uns Mut zusprechen.

Only you can decide how far you get to travel in life.
Therefore, you definitely owe it to your future self
to be courageous and ambitious enough
to strive and thrive without limitations.
~ Edmond Mbiaka

TIPP: Wenn du wieder mal daran zweifelst, ob du TROTZDEM weitergehen sollst – trotz aller Rückschläge, “Fehler”, und scheinbaren Endlosschleifen in alten Mustern – dann frag doch mal dein Future Self, wofür es dir dankbar wäre!

Big, wild love

Laya

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