Unmissverständliche Grenzen setzen in 3 Schritten

Die Tür meines Büros macht ein seltsames Geräusch, wenn ich sie schließe. Ich liebe dieses Geräusch. Die Schnalle quietscht ein wenig, und ich muss die Tür fest zudrücken, damit sie wirklich hält.

Ich schließe diese Tür jedes Mal bewusst hinter mir, und betrete diesen Raum – MEINEN Raum – mit einem dankbaren Aufatmen.  Denn dieser Raum trägt genau MEINE Energie. Diesen Raum betritt niemand, den ich nicht explizit dazu eingeladen habe. In diesem Raum ist es ruhig und hell, es duftet himmlisch, es gibt viele Pflanzen, ein großes Bücherregal und einen elektrisch höhenverstellbaren Schreibtisch.

Jaaaahre hat es gedauert, bis ich mir diesen Raum zugestanden habe. Bis ich mich überhaupt darüber nachzudenken getraut habe, einen solchen Raum für mich zu beanspruchen, obwohl ich zuhause ein Zimmer nur für mich habe, und obwohl es in der yogalounge ein Büro gibt, das fast immer zur Verfügung steht. Bis ich mir diese Investition (exakt 324 Euro im Monat 😊) in mich und in die Art und Weise, wie ich als Hochsensible arbeiten möchte – ruhig, ungestört, in einer erhebenden und ästhetischen Umgebung – wert war.

Heute kann ich sagen: Es war eine der besten Entscheidungen meines Lebens, und eine der besten Investitionen, seit ich mein Business gegründet habe.

Denn dieses Büro zu mieten hat nicht nur meine Produktivität enorm gesteigert, sondern auch meinen Selbstwert.

Denn plötzlich habe ich verstanden: Hey, ich darf! Ja, ich darf mir wirklich-wirklich meinen Raum nehmen! Ich darf die Tür schließen, wann immer ich will, ich darf diesen Raum nur für mich haben, ich darf mich vor Störungen und Unterbrechungen schützen!

Wenn ich Lust auf Gesellschaft habe, dann lade ich jemanden ein, oder gehe raus zu einem Lunch-Date oder Kaffee mit einer Freundin.

Aber die Herrin über MEINEN Raum bin ich.

Every woman that finally figured out her worth,
has picked up her suitcases of pride and boarded a flight to freedom,
which landed in the valley of change. 
~ Shannon L. Alder

 

Nenn es, wie du willst – aber ohne Grenzen geht es nicht

Die Frauen in meiner Jahresgruppe Der goldene Weg haben sich beim letzten Treffen gewünscht, dass wir uns eingehend mit dem Themen „Grenzen setzen“ und „In meiner Mitte bleiben“ auseinandersetzen.

Während des Workshops, und als ich den Fragen und Erzählungen der Frauen so zuhörte, ist mir wieder einmal klar geworden, dass es vor allem um die innere ERLAUBNIS geht – darum, dass wir uns selbst dazu ermächtigen müssen, unmissverständliche Grenzen zu setzen. Manchmal warten wir darauf, dass jemand anderer uns diese Erlaubnis gibt – aber damit drücken wir uns vor unserer Verantwortung uns selbst gegenüber.

Beim Begriff „Grenzen setzen“ fängt es übrigens schon an. Vielleicht gehörst auch du zu denjenigen, denen dieser Begriff zu starr und zu rigid ist – und ich verstehe das.

Auch mir ging es so, als meine Mutter schwerkrank war und ich sie bis zu ihrem Abschied begleitete. Ich wollte damals keine „Grenzen setzen“. Ich bin damals definitiv über meine Grenzen gegangen – das war eine bewusste Entscheidung, und es war gut so.

Aber auch in dieser Phase habe ich mir Räume geschaffen, zu denen Krankheit, Trauer und Tod keinen Zutritt hatten. Zum Beispiel, indem ich mich mit einem Freund getroffen und ihn gebeten habe, mir zehn Minuten lang zuzuhören, in denen ich über das sprach, was mich belastete – aber nach diesen zehn Minuten haben wir uns bewusst über leichtfüßige und amüsante Themen unterhalten. (Ja, Lachen ist erlaubt, auch wenn jemand, der einem sehr nahesteht, sehr krank ist).

Nenn es also, wie du willst – Grenzen setzen, Raum für dich schaffen, dein Feld sauber halten, deine Energie schützen … am Ende kommt alles auf dasselbe raus.

Wir sind Menschen, und Menschsein geht nun mal mit Grenzen einher. Wir haben begrenzte Zeit, begrenzte Energie, begrenzte Ressourcen. Wenn wir das nicht anerkennen, wird uns unser Körper früher oder später deutlich zeigen, dass es Zeit ist, Grenzen zu setzen – und diese noch deutlicher einfordern, wenn wir nicht auf ihn hören!

Unmissverständliche Grenzen zu setzen und zu wahren hat etwas mit Selbst-Autorität zu tun.

Selbst-Autorität bedeutet:

  • Du weißt selbst, was für dich gut ist und was nicht.
  • Du weißt selbst, wer oder was zu deinem Leben gehören soll und wer oder was nicht.
  • Du weißt selbst, wofür du deine Zeit und deine Energie einsetzen willst und wofür nicht.

 

Eine Königin würdigt sich selbst – und ihre Grenzen

Aber um das zu spüren und zu entscheiden, musst du dein Reich gut kennen. Du musst dich selbst gut kennen. Und du musst in dir zuhause sein.

Vor vielen Jahren stieg während einer Cranio-Sacral-Session das Bild einer Burg vor meinem inneren Auge auf. Es war MEINE Burg – aber ich stellte mit Entsetzen fest, dass andere sich hier breit gemacht hatten und in meine Räume eingedrungen waren, ohne mich um Erlaubnis zu fragen. Ich fühlte mich ohnmächtig und hilflos und wusste nicht, was ich dagegen tun sollte. Bis ich plötzlich erkannte, dass ich selbst AUSSERHALB der Burg war, und nicht innerhalb!

Ich verstand: Es geht darum, wieder in meinen Raum zurückzukehren, meinen Thron zu besteigen, und SELBST meine Grenzen zu respektieren, ehe ich das von irgendjemand anderem erwarte.

Außerhalb von sich selbst herumzustreunen ist einer Königin nicht würdig.

Eine Königin würdigt sich selbst. Sie würdigt ihre Grenzen.

Ihre natürliche Autorität und Würde bewirken, dass auch andere ihre Grenzen respektieren.

 

3 Schritte, um unmissverständliche Grenzen zu setzen

 

# 1 Klarheit

Was Herrn Sohn betrifft, bin ich nach bald 17 Jahren als Muttertier noch immer von akuter Umfalleritis bedroht.

EIGENTLICH weiß ich ganz genau, dass ich ihm mein Ipad nicht borgen möchte. EIGENTLICH weiß ich ganz genau, dass ich keine abstrusen Spiele und schon gar keine Chips-Finger-Abdrücke auf meinem schicken champagner-rosé-farbenen Device haben möchte. EIGENTLICH weiß ich ganz genau, dass Herr Sohn mit Sicherheit auch ohne mein Ipad genug Zeit im Web abhängt und gebannt auf diverse Bildschirme starrt.

Also Nein.

Oder vielleicht doch. Ausnahmsweise. Nur heute, und nur ganz kurz.

Denn irgendwie ist es doch super-egoistisch, es ihm nicht zu borgen. Und warum eigentlich nicht, ist doch schön, zu teilen! Und es tut mir ja nicht weh, wenn er es benutzt, während ich es nicht brauche.

Aaaaargh! Don’t be a maybe! Sag Nein, Frau Mutter!

Mein 1,85 Meter-Riesen-Baby wird schon kein Trauma davontragen. Und mein Job ist derzeit sowieso, die Idiotin zu sein, an der es sich reiben kann, und nicht, mich bei ihm beliebt zu machen.

Wem gegenüber auch immer du Grenzen setzen möchtest – er oder sie wird sofort merken, ob du innerlich klar bist und dir diese Grenzen selbst zugestehst oder nicht. Jede Ambivalenz drückt sich in deiner Ausstrahlung, deinem Energiefeld, deiner Körperhaltung, deiner Stimme aus. Der oder die andere wird es spüren – und sich eingeladen fühlen, deine Grenzen zu überschreiten.

Bist du innerlich klar, ist es, als hättest du ein Schutzschild, das dich von allem abschirmt, was von allen Seiten auf dich einströmt, aber nicht zu dir gehört.

Finde zuerst innere Klarheit. Finde das innere Ja zu dir, das sich durch ein Nein jemand anderem gegenüber ausdrückt.

Dann sprich und handle – klar und deutlich.  

 

# 2 Instinkt und Intuition

Aber wie bekommen wir innere Klarheit, wenn unser Mind uns im einen Moment das eine und im anderen genau das Gegenteil erzählt – und das alles derart glaubwürdig und nachvollziehbar, dass wir einfach nicht mehr wissen, wo unsere Grenzen nun wirklich liegen?

Erstes Geheimnis: dein Körper. Die wilde Frau, die in dir wohnt, deine Instinktnatur. Hör genau auf deinen Körper, wenn es darum geht, eine Entscheidung darüber zu treffen, ob und wo du eine Grenze setzen möchtest.

Öffnet dein Körper sich, atmet etwas in dir auf oder dehnt sich aus bei dem Gedanken daran? Gibt es eine Micro-Bewegung nach vorne? Dann los.

Verschließt sich etwas, macht es dich eng, hast du wenig Raum zum Atmen und/oder gibt es eine Micro-Bewegung nach hinten? Dann schau dir das alles nochmal ganz genau an.

{Achtung – wenn es sich eng anfühlt, wenn dein Magen sich verkrampft oder sich deine Kehle zuschnürt, kann das auch ein Symptom der Angst vor den Konsequenzen deiner Grenzziehung, vor Zurückweisung und Ausgestoßen-Werden sein.  Es lohnt sich, sehr genau zu erforschen!}

Zweites Geheimnis: deine Intuition. Die Magierin, die dir hilft, dich von deinen Täuschungen zu befreien und alte Programmierungen zu entlarven. Sie blickt hinter das Offensichtliche. Sie bringt neue Perspektiven. Sie steht in Verbindung mit deinem neutral mind.

Manchmal braucht es ein wenig Zeit, um die nötige Klarheit zu gewinnen, damit wirklich alle deine Anteile hinter deiner Entscheidung stehen. Nimm dir Zeit, um zu erforschen – und vertrau deinen Instinkten und deiner Intuition!

 

# 3 Keine Entschuldigungen, keine Rechtfertigungen, keine Rückzieher

Ich erlaube mir also, ein eigenes Büro zu mieten. Ich erlaube mir auch, die Tür hinter mir zu schließen.

Und doch ertappe ich mich dabei, wie ich mich frage, was meine BüronachbarInnen wohl von mir denken, weil ich – im Gegensatz zu den meisten von ihnen – meine Bürotür immer zumache.

Ich ertappe mich dabei, wie ich mich dafür rechtfertigen möchte. Oder zumindest erklären, warum es mir so wichtig ist, ungestört zu sein, und meinen NachbarInnen sagen, dass ich extrem geräuschempfindlich und zuhause und in meinem yogalounge-Büro selten ungestört bin, und dass es eine große symbolische Bedeutung für mich hat, die Tür hinter mir zuziehen zu können.

Doch ich beschließe, dass es mir schnurzegal ist, was die anderen über mich denken, und dass ich mich weder rechtfertigen noch entschuldigen noch irgendetwas erklären werde. Ich schließe meine Tür. Tatsache. Punkt.

{Ich bin ziemlich sicher, dass das wiederum meinen BüronachbarInnen schnurzegal ist 🙂 }. 

“No” is a complete sentence. 
~ Annie Lamott

Im Grunde spricht natürlich nichts dagegen, anderen zu erklären, warum deine Grenzen hier liegen und nicht woanders.

Aber bitte nur, um es ihnen leichter zu machen, deine Grenzen zu respektieren, oder um das gegenseitige Verständnis zu fördern  – und nicht, um dich vorauseilend dafür zu entschuldigen oder zu rechtfertigen, dass deine Grenzen dort sind, wo sie sind.

Vielleicht kennst du das: Da gelingt es dir einmal, klare Grenzen zu setzen – und dann spürst du das Bedürfnis, dich dafür zu rechtfertigen oder zu entschuldigen. Oder diese Grenzen gleich wieder aufzuweichen. Oder sie sogar zurückzunehmen. Weil es sich seltsam anfühlt. Oder weil Ängste oder Unsicherheiten auftauchen.

Aber Rechtfertigungen, Erklärungen und Entschuldigungen schwächen dich.

Je weniger du an deinen eigenen Grenzen rüttelst oder sie zu rechtfertigen versuchst, desto weniger kommen andere auf die Idee, sie in Frage zu stellen.

In den vergangenen sechs Monaten – seit ich mein Büro habe -, war es unglaublich spannend für mich, mich selbst und mein Bedürfnis nach klaren Grenzen zu beobachten.

Zu wissen, dass ich mich auf mich selbst verlassen kann, dass ich meinen eigenen Raum kreiere, wahre und schütze, hat etwas in mir entspannt. Ich habe nicht mehr das Gefühl, meinen Raum verteidigen zu müssen. Ich habe nicht mehr das Gefühl, mich mit Zähnen und Klauen zur Wehr setzen zu müssen.

Ich weiß jetzt: Ich kann und darf mir meinen Raum nehmen. Ich kann die Tür öffnen und schließen, so wie es für mich passt.

Manchmal lasse ich sie jetzt sogar offen … 🙂

Wenn es für dich selbstverständlich geworden ist, dir deinen Raum zuzugestehen und deine Grenzen zu würdigen, wirst du merken, dass du deine Grenzen mit viel weniger Emotionalität und Aggression setzen und wahren kannst als früher.

Dann braucht es meist gar keine Verteidigungsmechanismen, keinen Stacheldraht und keine schweren Geschütze mehr.

Deine klare und selbstverständliche Präsenz – dein SEIN in deiner Burg, in deinem Schloss, in deinem Reich – genügt!

Der einzige Ort, an dem echte Veränderung – eine Veränderung, die uns befreit – stattfinden kann, ist diese tiefere, breitere Präsenz dessen, wer du wirklich bist.

Wenn wir mit der Gegenwart verbunden sind, sind wir eher in der Lage, klare Grenzen zu setzen oder uns vorsichtig von einer verletzenden Situation zu lösen.
~Chameli Ardagh

Big, wild love

Laya

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