Klarheit ist der Schlüssel

Es grummelt in mir. Es grummelt gewaltig.

Es grummelt, weil ich nicht rechtzeitig auf das Gegrummel gehört habe. Das nehme ich mir selbst ein wenig übel – denn ich weiß es längst besser.

{Aber statt mir selbst übel zu nehmen, dass ich mir übel nehme, dass mein Wissen und mein Handeln nicht immer kongruent sind, schenke ich mir lieber eine XL-Portion achtsames Selbstmitgefühl 🙂 }

Ich habe den richtigen Zeitpunkt übersehen. Habe einer Kooperationspartnerin zu viele Zugeständnisse gemacht, habe zu viel Rücksicht auf sie und ihre momentane Lebenssituation genommen, habe für sie den Schonwaschgang gewählt und bin im Gegenzug selbst ins Schleudern geraten.

Halbbewusster Ärger hat sich in mir aufgestaut, bis ich bemerkt habe: Hey, indem ich IHR Zugeständnisse mache, höre ich auf, zu MIR zu stehen! Hey, ich kann mich nicht darauf verlassen, dass ich bedingungslos an MEINER Seite bin! Hey, meine Energie verpufft, weil ich aus einem alten Konfliktvermeidungsmuster heraus um die längst fällige tough conversation herumschleiche wie Herr Sohn um die heiße Brokkolicremesuppe!

Zum Glück gibt es auch andere Beispiele, an denen ich erkenne, dass ich von meiner disease to please weitgehend geheilt bin.

Mit den Stierbäurinnen zum Beispiel habe ich nach dem wundervollen Seelenzeit-Retreat ganz offen darüber reflektiert, was für jede von uns gepasst hat und was nicht, was wir an unserer Zusammenarbeit noch optimieren wollen, wer beim nächsten Mal wofür zuständig sein wird, und wer von uns was braucht, damit unsere Kooperation ausgewogen und eine echte win-win-Situation ist. Es war heilsam, zu beobachten, dass in einem Feld der Bewusstheit und der gegenseitigen Wertschätzung (und in der Wertschätzung der jeweils eigenen Bedürfnisse) solche Gespräche nicht nur zu  beglückender Klarheit führen, sondern auch zu echter Verbundenheit. Wir legen unsere Masken ab, wir wachsen an- und miteinander, in Liebe und mit Humor – was gibt es Erhebenderes?

 

Inner Klarheit, äußere Klarheit

Um anderen gegenüber klar zu sein, braucht es zuerst innere Klarheit.

Die erreichen wir einerseits, indem wir immer wieder still sind und lauschen – nach innen und nach außen. Wenn wir eine solche Praxis zum fixen Bestandteil unseres Alltags werden lassen, ist die Gefahr, dass leises Gegrummel ungehört bleibt und in der Folge zu lautem Ärger anschwillt, relativ gering – aber noch längst nicht gebannt.

Denn andererseits brauchen wir manchmal Dissens und Konflikt, um Klarheit zu erlangen.  Dissonanzen weisen uns darauf hin, dass etwas nicht stimmig ist, dass Unausgewogenheit herrscht oder etwas, das früher gepasst hat, heute einfach nicht mehr passt.

Oft brauchen wir die Energie von Zorn und Ärger, um die Kraft für längst fällige Veränderungen zu finden. Manchmal müssen wir uns empören, um uns den nötigen innerlichen Ruck zu geben, der einer mutigen Entscheidung vorausgeht.

 

5 plus 1 Erkenntnisse über Klarheit

 

#1 Dissonanz ermöglicht klare Sicht

Es ist wie in der Musik. Permanente Harmonie und Gleichklang mögen sich zunächst gut anfühlen, sind aber auf Dauer todlangweilig und lassen uns in einem Dämmerzustand feststecken, unter dessen Oberfläche es oft gewaltig brodelt.

Musik mit Dissonanzen ist anspruchsvoller, dafür lebendiger.

Immer, wenn eine in einem größeren Gefüge ihren Rhythmus, ihre Geschwindigkeit oder gar ihre Marschrichtung ändert, entstehen Dissonanzen, und aus diesen Dissonanzen entstehen Irritationen. Aus diesen wiederum kann eine neue Harmonie entstehen – das nennt sich Evolution.

Statt Konflikte zu vermeiden, können wir also lernen, pro-aktiv und konstruktiv mit ihnen umzugehen und die Entwicklungs-Chancen zu nutzen, die darin verpackt sind.

Wir können lernen, Dissens als zum Leben gehörend zu begreifen und ihn begrüßen. Wir können Konsens darüber finden, dass Konsens nicht immer möglich ist.

Und wir können ergründen, warum wir so viel Angst vor Konflikten haben. Woher kommt diese disease to please? Warum zahlen wir den Preis des inneren Gegrummels, um nach außen möglichst nett und kuschelweich zu sein?

Ganz einfach. Unsere Vorfahren waren existenziell darauf angewiesen, von ihrem Clan nicht verstoßen zu werden. Niemand war alleine lebensfähig, und einen anderen Clan zu finden war nahezu unmöglich.

Wir leben zwar längst nicht mehr in der Wildnis, wir haben eine hochkomplexe Sprache entwickelt, und wir haben ein ganz anderes Level an Bewusstheit als unsere Vorfahren, dennoch reagieren unser Gehirn und unser Nervensystem höchst sensibel auf die Gefahr des Ausgestoßenwerdens aufgrund eines drohenden Konflikts, auch wenn sie, nüchtern betrachtet, verschwindend gering bis nicht vorhanden ist. Denn sobald wir unter Stress geraten und unser Reptiliengehirn das Kommando übernimmt, ist es mit nüchterner Bewusstheit nicht mehr weit her.

Ohne die tiefere Natur unserer Angst zu verstehen, können wir unsere Angst nicht überwinden.

Wenn wir aber die zugrundeliegenden Mechanismen durchschauen, können wir unsere Ängste transformieren, unser inneres Kind schützend an die Hand nehmen und auf erwachsene Weise für Klarheit sorgen, zum Beispiel indem wir ein wahrhaftiges Gespräch mit der Chefin, dem Kollegen, der Schwiegermutter oder den Kindern führen.

Ein wenig Diplomatie ist dabei natürlich hilfreich. Was das betrifft, habe ich in den letzten Jahren sehr viel gelernt – denn meine Liebe zur Wahrhaftigkeit ist so tief, dass ich mir früher oft selbst im Weg gestanden bin, indem ich es an diplomatischem Geschick mangeln habe lassen.

Allerdings gibt es einen Punkt, an dem wir Gefahr laufen, unser Rückgrat und unsere Integrität zu verlieren, wenn wir allzu sehr auf Diplomatie setzen. Damit schaden wir uns nicht nur selbst, sondern wir belügen auch unser Gegenüber.

Es ist ein Zeichen mangelnder Wertschätzung, dem oder der anderen deine Wahrheit nicht zuzumuten.

Wie möchtest du wahrgenommen werden? Als ein Brei aus Zugeständnissen, ein konfliktscheues Fähnchen im Wind ohne Prinzipien und eigene Meinung? Oder als jemand, der ein starkes Rückgrat besitzt, auf dessen Wort Verlass ist, und der keine Scheu vor harten, aber herzlichen Auseinandersetzungen hat?  

 

# 2 Zorn ist kraftvolle Klarheits-Energie

Im Tibetischen Buddhismus gibt es zahlreiche zornvolle Gottheiten, die furchterregend aussehen, mit Totenschädeln behangen sind und auf menschlichen Leichen herumtrampeln. Was auf den ersten Blick in krassem Gegensatz zu Liebe und Mitgefühl zu stehen scheint, nimmt in Wirklichkeit vorweg, was auch die westliche Psychologie des 20. Jahrhunderts erkannt hat: Wir müssen den Schattenaspekt des Zorns integrieren und transformieren. Seine metallene Kraft ist im Idealfall mit Weisheit und Mitgefühl gekoppelt, und richtet sich nicht gegen uns oder andere Menschen, sondern gegen unsere Illusionen, unser ängstliches Ego und unsere falschen Selbstbilder.

Unser Zorn ist ein intelligenter Hinweis darauf, dass etwas nicht passt, und dass es an der Zeit ist, dieses Etwas zu verändern.

Zorn kann uns das Geschenk der Klarheit machen – solange wir an der richtigen Stelle danach suchen.

Vielleicht kennst du diesen Zustand, in dem dich jede Kleinigkeit unglaublich schnell nervt und du permanent gereizt bist. Dann ist der drängelnde Typ im Sportwagen hinter dir Schuld an deinem Ärger, oder die Kollegin, die vergessen hat, dir ein wichtiges Mail zu schicken, oder dein süßer Fratz, der seine Legosteine dekorativ über den Flur verstreut hat. Die wahren Ursachen für den unterschwelligen Zorn, den du in dir trägst, und der in Sekundenschnelle hochkocht, sind jedoch ganz andere.

Was ist in deinem Leben unausgewogen? Wo ist etwas in Schieflage geraten? Wo fühlst du dich unfair behandelt, wo gibst du zu viel und nimmst zu wenig, wo opferst du dich auf? Wo übernimmst du zu viel Verantwortung, wo vergeudest du Energie, die du dringend brauchen würdest, um deine eigenen Ziele zu erreichen? Wo gestehst du dir selbst zu wenig Ruhe und Erholung zu?

Schau genau hin – und wandle Zorn in Klarheit und Klarheit in Veränderung. Ein Zuwachs an Energie ist dir sicher!

 

# 3 Klarheit kann freundlich sein …

Wir können Konflikte auf eine sehr freundliche Art und Weise austragen. Niemand verlangt, dass du dich auf eine niedrige Schwingungsfrequenz begibst, mit Schimpfwörtern oder mit Omas gutem Porzellan um dich wirfst. Ist ausreichend innere Klarheit vorhanden, genügen meist eine ruhige Stimme und ein paar klug gewählte Worte. Wenn du Klarheit ausstrahlst, musst du nicht um dich schlagen, um das Dickicht der Unklarheit wie mit einer Machete zu durchtrennen.

Freundlich und bestimmt – das funktioniert. Fast immer. Aber …

 

# 4 Zähne zeigen statt Zähne knirschen!

… eben nur fast.  Von der Idee, dass sich immer alles mit freundlicher Gelassenheit regeln lässt, habe ich mich verabschiedet. Erstens bin ich nicht der Dalai Lama, und zweitens gibt es Menschen, die eine andere Sprache brauchen.

Die pubertierenden 17Jährigen, denen ich in meinem früheren Leben die Schönheit mathematischer Exponentialgleichungen näherzubringen versucht habe, brauchten etwas anderes von mir als Sanftmut. Auch bei Herrn Sohn beiße ich mit entspannter Gelassenheit oft auf Granit (bzw. hat es sich als ideale Kombi erwiesen, innerlich entspannt zu grinsen, während ich nach Außen das spaßbefreite, absolut ungechillte Muttertier zur Schau stelle 😉 ).

Also besser Zähne zeigen, fauchen, die Nackenhaare aufstellen und wenn‘s sein muss auch mal zubeißen, als nächtens mit den Zähnen zu knirschen, weil sich so viel Groll und Zorn aufgestaut haben, dass Berge an blockierter Energie uns den Schlaf rauben.

Be kind and full of love… and have boundaries like a m^therf*~*er

 

# 5 Einmal Klarheit, immer Klarheit? Von wegen!

Es ist wie mit einem Garten. Wir jäten Unkraut, reißen unwillkommene Gäste an der Wurzel aus, schneiden Äste zurück, und dämmen Gewucher ein, damit die Pflanzen, die uns wirklich am Herzen liegen, einen großzügigen Platz an der Sonne bekommen. Dann reiben wir uns zufrieden die Hände, betrachten unser Werk, und werfen uns mit einem Glas Prosecco in der Hand in den Liegestuhl.

Aber lange währt unser Glück nicht. Kaum haben wir für klare Ordnung gesorgt, die ganz nach unserem Geschmack ist, fängt das Gewucher wieder von vorne an. Eine Zeit lang schauen wir zu, bis es uns wieder zu bunt wird – dann ziehen wir erneut unsere robusten Gartenhandschuhe an und ackern um, bis neue Ordnung eingekehrt ist.

Klarheit ist kein Dauerzustand – so ist das Leben. Das Maß an Unordnung (in der Physik Entropie genannt) nimmt in einem sich selbst überlassenen System unweigerlich zu. Deshalb braucht der Garten unseres Lebens immer wieder unsere klare Intention, unseren Gestaltungswillen und unsere Tatkraft, damit wächst, was wachsen soll, statt von Unkraut überwuchert zu werden.

 

# Und außerdem … Klarheit kommt aus dem Kosmos!

Ich liege auf der Massageliege der Frau mit den Zauberhänden, und erzähle ihr von dem Klarheits-Thema, das mich gerade beschäftigt. Da meldet sich – ganz klar – meine Blase und ich unterbreche die Session für eine Pinkelpause. Und auf welchen Spruch fällt mein Blick auf dem Weg zur Toilette?

„Öffne dich für Eingebungen aus dem Kosmos. Sie schenken dir Klarheit für deinen Weg“, steht da.

Aha, denk ich, vielen Dank für den Hinweis! Die Eingebungen aus dem Kosmos sind es also, die mir Klarheit schenken.

Genau diese Eingebungen erhellen für mich, worin mein Ruf besteht, wohin meine Energie fließen und wozu ich aus ganzem Herzen JA sagen muss, um mein Dharma zu erfüllen. 

Aus diesem ganzherzigen und bedingungslosen JA ergeben sich automatisch eine Menge Neins.

Ohne Klarheit kein Nein. Ohne Nein keine Kraft für den ureigenen Weg.

Ohne die Bereitschaft zu einem klaren Nein, zu Konflikten und herzhaften Auseinandersetzungen verpufft deine Energie, und du kannst nicht wirksam sein in dieser Welt.

Wirksam zu sein und unsere Gaben und Talente zum Besten aller Wesen einzubringen, ist aber genau das, was uns erfüllt und unserem Leben Sinn verleiht. Es macht uns glücklich – auf eine nachhaltige, tiefe und stille Weise.

Klarheit ist der Schlüssel für Wirksamkeit – und für vieles andere. Klarheit ist das A und O für kluges Energiemanagement. Klarheit lässt dich auf die Bühne DEINES Lebens treten und DEIN Stück spielen.

Hell Yeah!

Big, wild love

Laya

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Photo by Dayne Topkin on Unsplash

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