Move your ass, your mind will follow!

Mai 13, 2016

Ich kauere in der Ecke einer kleinen Holzhütte. Mein Körper ist wie gelähmt. Ich hocke da wie das Kaninchen vor der Schlange. In meinem Kopf rotiert die Angst, sonst bewegt sich nichts. Erst nach Stunden schaffe ich es, aufzustehen und meine Ecke zu verlassen. Es kostet mich fast übermenschlichen Kraftaufwand.

Viele Jahre später. Ich sitze am Sofa und plane ein neues Projekt. Ein richtig großes, bei dem es um richtig viel Geld und um richtig viel Verantwortung geht. Und da spüre ich sie wieder hochsteigen. Sie, die Angst. Ich kenne sie gut, denn wer mutig und frei leben will, den besucht sie regelmäßig. “Here we are again!”, denke ich. Noch im selben Moment hieve ich mich hoch, schlüpfe in meine Barfußschuhe und laufe unseren Hausberg hinauf. Schon nach wenigen Schritten ist die Angst zum Ängstlein geschrumpft. Nach einer halben Stunde ist sie verschwunden. Ätsch.

Vielleicht kennst du das auch: Du brütest ewig über einem Problem. Die Gedanken kreisen und kreisen. Du fühlst dich blockiert, alles stagniert, nichts bewegt sich. Und je mehr du dich bemühst, Lösungen zu finden, desto enger wird dein Blick auf die Sache. Mission Impossible.

Und dann gehst du spazieren. Oder laufen. Oder tanzen. Und plötzlich ist da ein ganz neuer Gedanke, eine ganz neue Sichtweise taucht auf, neue Möglichkeit zeigen sich.

Et voilá!

Move your ass, your mind will follow! 

Komm in Bewegung – ganz körperlich – und dein Geist wird folgen. 

Mein Vor-Angst-gelähmt-sein in der Hütte ist übrigens wirklich schon viele Jahre her. Damals bin ich nach einer enorm turbulenten beruflichen Zeit in Bildungskarenz gegangen. Ich hatte keine Ahnung, wie es weitergehen sollte. Ich war alleinerziehend und hatte keine finanziellen Rücklagen. Und plötzlich stellte sich der Mann, mit dem ich mich vor Kurzem verlobt hatte, als psychisch labil und depressiv heraus. Wir zogen uns in eine kleine Retreat-Hütte mitten im Wald zurück, um zu meditieren und Klarheit zu finden.

Dort übermannte sie mich. Lähmte mich. Vor meinem inneren Auge tauchten Szenarien auf, die mich und mein Kind in Lumpen gehüllt unter einer Brücke zeigten. Ich war nicht in der Lage, der Angst Einhalt zu gebieten, geschweige denn, sie abzuschütteln.

Abschütteln – das ist das Schlüsselwort.
Darin ist die Lösung schon inbegriffen. Denn wenn du dich zum Beispiel schüttelst – den ganzen Körper, alle Gliedmaßen, alle Gelenke – dann bist du nicht mehr gelähmt. Und das ist der wichtigste erste Schritt.

Studien haben gezeigt, dass Bewegungsmangel chronische Angstzustände begünstigt. Aber Move your ass funktioniert nicht nur bei Ängsten, sondern auch bei allen anderen Blockaden und Stagnationen. Wenn du ständig über dieselbe Sache nachgrübelst zum Beispiel. Wenn das Gedankenkarussell in deinem Kopf sich schneller und schneller dreht. Wenn du Wut, Zorn oder Ärger spürst und nicht weißt, wie du diese Emotionen wieder loswerden sollst. Wenn du dich erschreckt hast und dir der Schock noch in den Knochen steckt.

Nimm zum Beispiel eine Gazelle, die von einem Löwen gejagt wird. Angenommen, sie entkommt dem fast sicheren Tod. Was macht sie? Sie schüttelt sich. Und dann grast sie gemütlich weiter.

Und, muss sie sich Jahre später einer Traumatherapie unterziehen? Nö.

Move your ass hat übrigens nichts mit Davonlaufen zu tun. Deine Probleme und Ängste holen dich sowieso immer wieder ein. Aber wenn du in Bewegung kommst, kannst du dich ihnen ganz anders stellen, als wenn sie dich völlig in ihren Bann gezogen haben.

Bewegung bedeutet Veränderung. Und Veränderung ist das, was du möchtest.

So zum Beispiel:

1) Pinkeln

Du sitzt in einem Meeting. Seit einer halben Stunde geht nichts, aber auch gar nichts mehr. Die Argumente wiederholen und wiederholen sich. Alle drehen sich im Kreis.

Und was machst du? Gehst kurz mal auf die Toilette.

Pinkeln bedeutet loslassen. Etwas Altes geht, Raum entsteht. Wetten, du hast eine neue Idee? Es muss nicht gleich die Lösung sein, aber es ist ein erster Schritt in die richtige Richtung, anstatt stundenlang auf der Stelle zu treten.

2) Keller aufräumen

Aus den Jahren meiner Selbstständigkeit weiß ich: Es kommt immer irgendwann etwas Neues daher. Eine Anfrage, ein Auftrag, ein Projekt. (Gilt übrigens auch für Männer :-)).  Schön und gut, dummerweise gibt es auch die Phasen dazwischen. Dürre Zeiten. Mühsame Wochen. Vertrauen? Ja. Zweifel? Auch.

Und was machst du? Du räumst deinen Keller auf. Oder zumindest einen Küchenschrank. Oder deinen Schreibtisch. 

Noch jedes Mal, wenn ich meinen Keller entrümpelt habe, ist mir ein neuer Auftrag ins Haus geflattert. Oft schon nach wenigen Stunden, spätestens nach ein paar Tagen. Du lässt alten Kram los, sortierst und ordnest. Damit signalisierst du deinem Unbewussten, dem Universum, dem lieben Gott oder wem auch immer: Ich bin bereit für das Neue!

3) Schütteln, Tanzen, Schrubben

Du sitzt vor einem leeren Word-Dokument, aber die Worte wollen nicht fließen. Du solltest schon seit Tagen deine Schwägerin anrufen, um ein klärendes Gespräch zu führen, aber deine Hand will sich nicht zum Telefon bewegen. Deine Buchhaltung wartet, bald ist der Termin beim Steuerberater, aber du kannst dich einfach nicht dazu überwinden, deine Belege zu sortieren.

Und was machst du? Tanzt eine Runde durch dein Wohnzimmer. Oder schüttelst dich ein paar Minuten zu fetziger Musik. Oder schrubbst deinen Teppich, deine Badewanne oder die Terrasse. 

Natürlich kann es sein, dass du dann trotzdem kein Wort in dein Word-Dokument schreibst – weil du erkannt hast, dass es gar nicht notwendig ist, den Text zu schreiben. Vielleicht läufst du spontan zum nächsten Blumenladen und kaufst einen Strauß roter Rosen für deine Schwägerin, anstatt ihr am Telefon Vorwürfe zu machen. Vielleicht beschließt du, endlich eine Buchhalterin zu engagieren, statt dich selbst mit deinen Belegen zu quälen.

Fazit: Hoch mit dem Allerwertesten!

Dein Kopf kann nicht ohne deinen Körper.

Lass ihn zur Abwechslung mal folgen statt führen.  

{Ein absolut empfehlenswertes und auch noch humorvolles Buch über den Umgang mit Angst hat meine überaus geschätzte Kollegin Judith geschrieben: Kraft meiner Angst – Ein Mutmachbuch bei Angst und Panikattacken

Kürzlich hat sie ein update dazu gepostet, du kannst es hier nachlesen.}

Anregend wie der erste Schluck Kaffee.
Wohltuend wie die Morgensonne.
Nährend wie eine Umarmung.
 

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