Lass deinen Körper sprechen!

Okt 6, 2017

Es gab Zeiten, da war ich jedes Mal sauer auf meinen Körper, wenn er nicht so funktionierte, wie ich mir das vorstellte. Ich nahm es ihm übel, wenn er krank wurde, ich wollte ihm einfach nicht verzeihen, dass er mich regelmäßig mit Migräne quälte, und dass er nicht so sportlich, leistungsfähig und robust war, wie ich es mir wünschte.

Der Körper als Partner und weiser Freund

Heute ist das anders. Mein Körper und ich sind Partner und gute Freunde, und ich vertraue seiner Intelligenz und Weisheit uneingeschränkt. Ich habe gelernt, ihm zuzuhören. Krankheiten und Schmerzen empfinde ich nicht mehr als Bedrohung oder als unwillkommene Einschränkung – denn ich weiß, sie sind nichts anderes als die Sprache meines Körpers, wenn er möchte, dass ich innehalte und höre, was er mir zu sagen hat. (Ob mir das auch gelingen würde, wenn ich von chronischen oder wirklich schlimmen Schmerzen oder einer lebensbedrohlichen Krankheit betroffen wäre, kann ich nicht sagen- davon bin ich bisher zum Glück verschont geblieben).

Meine Migräne ist viel seltener und leichter geworden, seit ich mir bei den ersten Anzeichen eines nahenden Anfalls Zeit nehme, um wahrzunehmen, was mein Körper gerade braucht. Meistens sind das Ruhe, Stille und Schlaf.

Wichtig dabei ist, dass ich EINVERSTANDEN bin, mich nicht gegen den Schmerz wehre, keinen Widerstand leiste und auch nicht glaube, ich hätte etwas falsch gemacht und würde nun bestraft.

Echtes Hinhören braucht Unvoreingenommenheit und Urteilsfreiheit. Eine solche Haltung kann man üben.

Die Botschaften des Körpers sind aber nicht immer leicht zugänglich. Mir persönlich hilft das Schreiben, um sie besser zu verstehen. Wenn es ein bestimmtes Symptom gibt, oder einen Körperbereich oder ein Organ, die gerade Aufmerksamkeit brauchen, dann schreibe ich einen Dialog dazu. Besser gesagt: Nicht ich schreibe, sondern ich stelle mich schreibend zur Verfügung für das, was gerade auftauchen mag.

Echtes Zuhören braucht Unvoreingenommenheit

Wenn wir dem Körper wirklich zuhören wollen, müssen wir lernen, seine Sprache zu verstehen. Dafür braucht es Unvoreingenommenheit und Urteilsfreiheit.

Das klingt zum Beispiel so:

Hallo, Pochen!

Hallo.

Gefällt es dir, in meinem rechten Ohr zu wohnen?

Ja, ganz gut. 

Warum bist du hier eingezogen? Was hat dich zu mir geführt?

Ich will, dass du zuhörst. 

Wem, dir?

Ja, auch mir.

Wem noch?

Deiner Seele.

Sie spricht durch ein Pochen im Ohr zu mir?

Sie spricht durch ALLES zu dir – auch durch mich. 

Ok, und was will sie mir durch dich sagen?

Dass es an der Zeit ist. 

An der Zeit wofür?

Loszulassen und nur noch ihr zu folgen.

Was soll ich denn loslassen?

Alles, was dich anstrengt. Alles, was du glaubst, für andere tun zu müssen.

Aber … ich will für andere da sein! Für meinen Sohn, meinen Mann, und vor allem für meine Eltern …

WOLLEN ist etwas anderes als MÜSSEN. Unterscheide genau.

Das klingt gut. Darf ich dich noch etwas fragen?

Nur zu.

Warum ausgerechnet das rechte Ohr? Warum nicht links?

Weißt du das wirklich nicht?

Doch, vielleicht schon. Weil meine rechte Seite so hart ist, manchmal verkrampft, zusammengezogen.

Und weißt du auch, warum? 

Vielleicht weil ich so streng mit mir bin?

Auch.

Warum noch?

Weil du glaubst, alles kontrollieren zu müssen. Die Geschenke kommen nicht zu dir, wenn du kontrollierst, sondern wenn du empfänglich wirst.

Ich wüsste gerne, wie das geht.

Das weißt du längst. 

Stimmt. Pochen, wirst du noch länger bleiben?

Ja, eine Weile noch. Und ich habe Freunde eingeladen.

Das Rauschen, den Tinnitus?

Genau.

Ihr feiert Party in meinem Ohr …

So lange, bis du gelernt hast, zuzuhören.

Alles klar. Da kann ich ja nur Danke sagen.

Und ich danke dir, dass du mich zu Wort kommen hast lassen.

Gerne. Wir hören uns.

So ist es. Poch-poch!

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Wie gesagt: Einen solchen Dialog kannst du auch mit deiner Leber führen, mit deinem kleinen Zeh oder mit deinen Magenschmerzen. Eine Freundin von mir sprach einmal auf diese Weise mit ihrem chronisch verspannten Hüftmuskel. Er fragte sie, warum ausgerechnet er sich entspannen sollte, während ihr Kopf ständig unter Stress und Anspannung stand – ein deutlicher Hinweis darauf, dass sie auf mentaler Ebene für Entspannung sorgen und das “Zuviel” in ihrem Leben gründlich aussortieren sollte.

Nimm dir Zeit, um deinem weisen Körper zuzuhören.

Lerne, seine Sprache zu verstehen.

Dann wirst du ihn als einen treuen Freund erkennen, der dich begleitet und auf dem Weg zur Heilung leitet.

Buchtipp:

Reginald Ray: Die Intelligenz des Körpers – Buddhistisch inspirierte Körperarbeit als Schlüssel zur Heilung und Selbstverwirklichung

Big wild love, Laya

Foto Ohr:  Jacob Townsend on Unsplash

Anregend wie der erste Schluck Kaffee.
Wohltuend wie die Morgensonne.
Nährend wie eine Umarmung.
 

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