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„Eine Nummer zu groß“ ist genau richtig! 

 November 26, 2021

Es gab Zeiten, da wuchsen die Füße meines Sohnes um zwei, drei Größen pro Jahr. 

Damals haben wir Schuhe, Jacken und Shirts oft eine Nummer zu groß gekauft. 

"Du wächst ja noch rein!", sagte ich zu ihm, wenn er, etwas verloren in seinem Oversize-Outfit, vor mir stand. 

Und genau dasselbe sage ich auch zu mir. 

Immer dann, wenn ich Dinge tue, die mir "eine Nummer zu groß" für mich erscheinen. 

Immer dann, wenn ich mich von der Komfort- in die Stretchzone begebe. 

Immer dann, wenn ich das Unbehagen spüre, das mit jeder Art von Wachstum verbunden ist. 

Und weil ich das tue, wachse ich immer wieder über meine alten Pullis - und über mich selbst - hinaus. 


Wie wir wachsen

Viele Menschen kommen zu mir ins Coaching, weil sie spüren, dass sie eigentlich anders leben wollen, als sie es im Moment tun. Dass mehr in ihnen steckt, als sie verwirklichen, und dass das Leben etwas Größeres, Weiteres und Freieres für sie bereithält, als sie es gewöhnt sind.

Aber da sie bestenfalls eine vage Ahnung haben, was dieses Etwas sein könnte, haben sie Angst. Das Unbekannte verunsichert. Das Bekannte - und Enge - gibt Halt und Sicherheit. 

Und so grübeln sie nach. Sie lesen ein Buch nach dem anderen. Sie kreieren Vision Boards, meditieren und affirmieren. 

Aber sie tragen keine Pullis, die eine Nummer zu groß für sie sind. 

Sprich: Sie tun nichts von dem, was ihnen Unbehagen bereitet. Sie tun nichts, was sich "zu groß" anfühlt. Sie haben zu wenig Vertrauen, dass sie "da hineinwachsen werden."

Aber wir wachsen nicht, indem wir über unseren weiteren Lebensweg nachdenken. Wir wachsen nur, indem wir neue Wege gehen. Indem wir Schuhe tragen, die uns zu groß sind - damit unsere Füße in sie hineinwachsen können, statt dass unsere Zehen sich verkrümmen und unser Potenzial verkümmert.

WIR WACHSEN NICHT, INDEM WIR ÜBER UNSEREN WEITEREN LEBENSWEG NACHDENKEN.


WIR WACHSEN NUR, INDEM WIR NEUE WEGE GEHEN.



Zu klein ist auch nicht fein

Als ich noch mein eigenes Studio hatte, habe ich viele Seminare und Workshops gehosted - sprich, für andere Lehrerinnen organisiert und beworben. An vielen davon habe ich dann auch teilgenommen. Und jedes Mal fühlte ich mich, als würde ich einen viel zu kleinen Pulli tragen.  Ich spürte: Eigentlich sollte ICH da vorne sitzen und unterrichten, statt in der Pause Tee zu kochen und Teilnehmerlisten zu checken. Aber gleichzeitig war da dieses Wort. Dieses Wort, das viele von uns für eine Tugend halten. Oder es als Entschuldigung missbrauchen, um keine Wachstumsschmerzen haben zu müssen. 

Das Wort ist Bescheidenheit

Sei doch ein wenig bescheidener. Tee für andere Menschen zu kochen ist eine ehrenvolle Aufgabe. Du tust doch Gutes. 

Klingt vernünftig, oder?

Die Sache ist nur die: In Schuhen, die mir passen, und in Pullis, in die ich nach und nach hineinwachse, kann ich sehr viel mehr Gutes für wesentlich mehr Menschen tun. 

Also: Diese Ausrede lassen wir nicht mehr gelten, du und ich, okay? 

“Becoming is better than being.”
 Carol Dweck


Persönliches Wachstum ohne Panik

Mein Pilgerweg von Florenz nach Assisi war definitiv ein Pulli, der mir eine Nummer zu groß war. Mein Master-Studium in London war mindestens zwei Nummern zu groß. 

Dennoch war beides einigermaßen überschaubar. Ja, es gab sie, die Momente, in denen ich mich heillos überfordert fühlte oder leicht in Panik geriet. Aber im Großen und Ganzen fühlte ich mich beiden Herausforderungen gewachsen - vor allem, weil ich in beiden Fällen gut vorbereitet war. 

Manchmal schubst das Leben uns  aber  in die Panikzone. Zum Beispiel mit einer schlimmen Diagnose, mit Jobverlust, Trennung oder was auch immer. 

Auch in der Panikzone können wir mitunter wachsen. Sogar traumatische Erfahrungen können unsere Entwicklung langfristig begünstigen - die Faktoren, die posttraumatisches Wachstum ermöglichen, sind immer besser erforscht. Manchmal aber führen solche Erfahrungen zum Gegenteil: Aus Angst verkriechen wir uns in unserer Komfortzone, und trauen uns nicht mal mehr in die Stretchzone hinein.

Wenn du es dir also aussuchen kannst, dann probier's mit einem Pulli, der dir ein, zwei Nummer zu groß ist. Auch das wird sich seltsam und "zu groß" anfühlen. Aber eben nicht um SO viel zu groß, dass du in Panik gerätst. 

>> Mehr über die Stretch- und die Panikzone erfährst du hier 


Nein, du bist kein Einsiedlerkrebs!

Einsiedlerkrebse sind wundersame Tierchen. Sie suchen sich Schneckenhäuser und Muscheln als Behausung, weil ihr Hinterleib sehr weich und verwundbar ist und deshalb Schutz braucht.

Manchmal aber müssen sie umziehen, weil ihnen die alte Hülle zu klein geworden ist. 

Den bewährten Schutz hinter sich zu lassen, ist für  Einsiedlerkrebse lebensgefährlich. 40 Prozent von ihnen werden gefressen, bevor sie eine neue, größere Behausung gefunden haben. 

Wir Menschen haben zwar nicht das Gehirn eines Krebses, aber das Gehirn unserer Vorfahren. Was für sie lebensgefährlich war - zum Beispiel, ihren Clan zu verlassen - ist für uns im Grunde kein großes Risiko. Aber es fühlt sich immer noch lebensgefährlich an. 

Du bist weder ein Steinzeitmensch noch ein Einsiedlerkrebs. Nur weil sich etwas gefährlich - oder zumindest ziiiiiieeeemlich unbehaglich - anfühlt, heißt das noch lange nicht, dass es wirklich gefährlich IST. 

Vor allem aber: Du hast ganz andere Möglichkeiten als Krebse und Steinzeitmenschen!

Du kannst gut für dich selbst sorgen. Du kannst dafür sorgen, dass andere für dich da sind, wenn du jemanden brauchst. Du kannst dafür sorgen, dass du  dich in anderen Lebensbereichen stabil, sicher und gefestigt fühlst, wenn du ein Wagnis eingehst. 


Oder vielleicht doch? 

Nicht, dass ich eine Expertin für Einsiedlerkrebse wäre. Aber ich bin ziemlich sicher, dass diese faszinierenden Krabbentierchen nicht ewig darüber nachdenken, ob es denn Zeit für einen Umzug sei oder nicht. Sie spüren: Es ist zu eng, also los! 

Wir hingegen neigen dazu, alles zu zerdenken. Wir wollen die Menschen, die früher zu uns gepasst haben, nicht vor den Kopf stoßen. Wir wollen die Sicherheit des alten Jobs nicht verlieren. Wir drücken uns vor dem Unbehagen, das mit fast jeder Veränderung verbunden ist. 

Aber genau dieses Unbehagen ist der Preis, den wir für Wachstum und Freiheit zahlen müssen. 

Können wir nicht ein bisschen wie Einsiedlerkrebse sein? Uns einfach denken: "Es ist zu eng, also los?"


Ein, zwei Nummer größer denken

"Wenn dein Ziel dir keine Angst einjagt, ist es vermutlich zu klein." 

Von wem dieser  Satz stammt, weiß ich leider nicht genau, aber ich finde, er trägt eine Menge Weisheit in sich. 

Unsere Vorstellungskraft ist mächtig. Wenn wir nicht von Bestehendem ausgehen - von unserem aktuellen Krabbenzuhause - sondern uns angewöhnen, ein, zwei Nummern größer zu denken (und uns entsprechend zu fühlen), trainieren wir unser Gehirn auf Wachstum, Fülle und neue Möglichkeiten. 

“Picture your brain forming new connections as you meet the challenge and learn. Keep on going.”
Carol Dweck

Wir müssen nicht all unsere Träume und Visionen verwirklichen. Aber wir dürfen mit Möglichkeiten spielen. Wir dürfen an unsere großen Träume glauben. Und daran, dass wir in sie hineinwachsen werden - Millimeter für Millimeter, Schritt für Schritt. 

Buchtipps und Ressourcen:

LAya Commenda Schreiben Coaching


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  • Liebe Laya, ich sehe jetzt gerade eine Einsiedlerkrebsin zu „shake it off“ tanzen und mit vehementem Schwung des Hinterteils die zu kleine Schale abschütteln 😉
    Bei dem Zitat “Becoming is better than being“ hat sich bei mir allerdings Widerspruch geregt: Für mich ist „sein“ eine ganz wichtige Qualität; Momente des „einfach SEIN könnens“ sind mir kostbar und vor lauter nach vorne denken und Entwicklung wollen kommen sie mir manchmal abhanden, dann habe ich eine große Sehnsuch nach „einfach mal nur sein“ – das zentriert mich dann wieder im hier+jetzt; von da aus kann ich dann auch wieder weiter gehen. So it´s all about the balance… Sein und Werden bedingt einander ja auch.
    (Ach ja, als passionierte Zitatesammlerin habe ich „Wenn deine Träume dir keine Angst machen, sind sie nicht groß genug“ als Zitat von Jorge Bucay in meiner Sammlung gefunden – er war vielleicht auch nicht der erste und einzige, der sowas gesagt hat, aber falls Du mal eine Quelle haben willst – maybe.)

    • Bin vöööööllllig bei dir, liebe Ute! Die Balance macht’s – das Sein und das Werden, beides ist wichtig …. sehr erhellend fand ich dazu „The Molecule of More“ von Daniel Lieberman .. unsere Dopamin-Steuerungsprogramme können uns ganz schön irrwitzig antreiben, wenn wir nicht bewusst gegensteuern und uns immer wieder mal ins herrliche, pure SEIN plumpsen lassen…

      Und die Wahrheit ist: Es wird nirgendwo besser sein, egal, welche Gipfel wir erklimmen. Wir werden immer Gefühle und Gedanken haben. Und einen Körper … also ….😊

      Oh danke für den Hinweis! Hab gerade auf https://en.yestherapyhelps.com/50-phrases-by-jorge-bucay-to-live-life-12016 recherchiert, das Zitat aber nicht gefunden. Weißt du zufällig, wie es genau im Original lautet?

      • Liebe Laya, sorry, aber nö – originaler hab ich´s leider nicht. Manchmal bin ich halt ein bissel schlampig und nehme (Sekundär-)Zitate so auf, wie ich sie finde, ohne Original-Quelle… auch wenn die Perfektionistin in mir dabei mault. Da muss sie durch, wenn die ich-finds-aber-gut-Sammlerin gerade die Oberhand hat 😉

  • Liebe Laya,
    ich folge dir schon eine Weile und muss sagen dass du mir schon oft gute Impulse gegeben hast! Danke dafür.
    Herzliche Glückwünsche zum Master 👩‍🎓
    Darf ich wissen wo du studiert hast?

    Viele Grüße
    Angelika

    • Vielen Dank für dein Feedback und für deine Glückwünsche, liebe Angelika – ich freue mich sehr darüber!

      Ich habe an der University of East London studiert, das Programm heißt „Applied Positive Psychology and Coaching Psychology“ 😊

      Herzlich, Laya

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