Triple A – Meine 3 liebsten Achtsamkeits-Übungen

Dez 3, 2016

Es gibt Worte, die mag man schon fast nicht mehr in den Mund nehmen, weil sie so inflationär verwendet werden.

Achtsamkeit ist so eines.

Achtsamkeit hier und Achtsamkeit dort, Achtsamkeit für Manager, die eine noch bessere Performance abliefern wollen, Achtsamkeit für Hundebesitzer, die ihre Vierbeiner effektiver zu Sitz und Platz überreden möchten, Achtsamkeit als Trend, Achtsamkeit als Hype.

Da muss man schon sehr achtsam sein, um nicht den Blick auf die ursprüngliche Schlichtheit, auf das in seiner Einfachheit so kraftvolle Wesen der Achtsamkeit zu verlieren.

ACHTSAMKEIT = WAHRNEHMEN UND MEHR NICHT.

In diesem “mehr nicht ” steckt ein Wunder.

In diesem “mehr nicht” steckt Heilung.

Warum? Weil dieses “mehr nicht” Raum schafft. Wir klammern uns nicht mehr an unsere Erfahrungen, unsere Gefühle, Gedanken, Empfindungen. Wir machen sie uns nicht mehr zu eigen, projizieren nicht unser Welt- und Menschenbild, unsere persönliche Geschichte, unsere Konzepte und unsere Ego-Spielchen darauf. Wir geben dem, was erscheint, Raum, um sich frei zu entfalten und dann wieder zu vergehen.

Was geschieht, geschieht nicht “uns”. Es geschieht einfach.

Nicht wir denken. Nicht wir fühlen. Da sind Gedanken. Da sind Gefühle. Sie gehören uns nicht, und wir sind nicht sie.

Das, was ist, ist selten ein Problem. Das, was ist, verursacht selten Leid.

Das, was wir daraus machen, tut weh. Unser Widerstand ist es, der Leiden verursacht.

Alle Formen des Widerstands kreieren eine Wand des Getrenntseins, die das Leben in ein Schlachtfeld verwandeln… Ohne Widerstand durch das Leben zu gehen heißt frei zu sein.
~ J. Krishnamurti

Im Wort Achtsamkeit steckt Achtung. Ich verstehe das als Achtung vor dem Leben, wie es gerade ist. Es bedeutet, den gegenwärtigen Moment zu achten in seiner Einzigartigkeit und Unwiederbringlichkeit. Es bedeutet, die Wirklichkeit anzuerkennen, so wie sie ist, jenseits (oder trotz) all Vorstellungen, Konzepte und Ideen, wie etwas sein oder nicht sein sollte.

Was da ist, ist da. Es ist weder gut noch schlecht. Es ist einfach.

Ein einfaches Beispiel.
Auch nach mehr als zehnjähriger Yogapraxis, Meditation, Therapie, Aufstellungsarbeit, Ernährungsumstellung und wasweißichnochalles habe ich immer noch Migräne. Nicht mehr so oft wie früher. Nicht mehr so schlimm. Nicht mehr so lang. Aber Migräne.

Da ist das Gewitter im Kopf.  Und es könnte einfach nur ein Gewitter sein – wäre da nicht die Idee von Unzulänglichkeit (wieder nicht geschafft, mein Leben so zu gestalten, dass ich keine Migräne mehr haben muss!), wäre da nicht das Gefühl von Hilflosigkeit (ich könnte ja eine Tablette nehmen, aber da ich mir die Migräne nunmal selbst eingebrockt habe, muss ich den Schmerz jetzt eben aushalten, statt ihn feig zu unterdrücken), wäre da nicht die Vorstellung von Ungerechtigkeit (warum gerade ich? Wo ich doch soooo viel für meine seelische und körperliche Gesundheit tue!). Undsoweiterundsofort.

Das Gewitter könnte einfach nur ein Gewitter sein – eine momentane Erscheinung, die ein, zwei später Tage nicht mehr da sein wird. Ich könnte mich einfach hinlegen, schlafen und es gut sein lassen.

Wenn ich einfach nur den körperlichen Schmerz wahrnehme, und die psychischen Schmerzen, die sich darum ranken, loslasse; wenn ich dieses Gewitter beobachte in all seiner Wildheit, Unberechenbarkeit und Gewalt; wenn ich es da sein lasse in dem Vertrauen, dass es a) nicht meine “Schuld” ist, keine Strafe und nichts “Persönliches” ist und b) vorübergehen wird – dann ist es plötzlich nicht mehr schlimm.

Diese Form der Achtsamkeit – wahrnehmen und mehr nicht – bedeutet für mich, mich vor dem Leben zu verneigen. Vor einer Intelligenz, die viel höher, größer und weiter ist, als meine eingeschränkte persönliche Sichtweise, als mein Wollen und Sollen es jemals erlauben könnten.

Diese Form der Achtsamkeit bedeutet, mein “kleines Selbst” loszulassen, um mich einem “größeren Selbst” hinzugeben.

Achtsamkeit bedeutet, dem, was gerade um uns und in uns geschieht, bewusst die volle Aufmerksamkeit zu schenken.

Achtsamkeit bedeutet, präsent, wach und gegenwärtig zu sein.

Achtsamkeit ist Aufmerksamkeit ohne Urteil und Analyse.

Meine drei liebsten Achtsamkeits-Übungen

1) Alles ist gleich wichtig

Während ich die Äpfel für meinen Frühstücksbrei schäle, denke ich an all die Emails, die ich heute noch schreiben soll.

Während ich mit dem Fahrrad in die Arbeit fahre, denke ich daran, dass ich noch frische Äpfel einkaufen muss.

Während ich Äpfel einkaufe, überlege ich, mit welchen Asanas ich heute meine YogaschülerInnen beglücken soll.

Das ist das Gegenteil von Achtsamkeit.

Es gibt Dinge im Leben, die wir für wichtig halten, und andere, die wir nebenbei und zwischendurch erledigen, ohne ihnen Beachtung zu schenken.

Aber indem wir sie nicht be-achten, miss-achten wir sie.

Denn es ist eben NICHT egal, wie wir unser Obst in den Einkaufswagen legen, wie wir den Weg von A nach B zurücklegen oder wie wir unseren kostbaren Körper eincremen (Präsent? Behutsam? Liebevoll? Oder grob? Unbewusst? Eilig?)

Wenn wir Yoga üben oder meditieren, bemühen wir uns, aufmerksam und präsent zu sein. Aber was ist mit dem Rest des Tages?

Die Zen-Lehrerin Susan O’Connel sagt, sie gibt allem, was sie tut, gleich viel “Gewicht” (giving equal weight to every action) – egal, ob sie gerade meditiert, an einem wichtigen Projekt arbeitet, mit einem Menschen spricht, den Weg zum Auto zurücklegt oder den Suppentopf ausspült. (Gelesen habe ich von dieser Praxis in “The effortless life” von Leo Babauta”.)

Ich habe dieses Prinzip für mich in “Alles ist gleich wichtig” übersetzt. Gefühlte tausendmal am Tag versuche ich es zu beherzigen. Und jedes Mal geschieht ein kleines Wunder. Denn wenn ich das Zähneputzen, das Gemüsewaschen oder das Müll-Raustragen genauso wichtig nehme wie meditieren, Blogbeiträge schreiben oder Yoga unterrichten, dann bekommen plötzlich auch die alltäglichsten Verrichtungen etwas “Heiliges”. Dann bekommen sie eine anmutige, lebendige, “bewohnte” Qualität.

WICHTIG: Wenn du merkst, dass du gerade unachtsam und unbewusst warst – zum Beispiel deine regionalen Bio-Zucchini lieblos in den Einkaufswagen geworfen hast – dann verurteile dich keinesfalls dafür! Und wenn du merkst, dass du dich gerade verurteilst, dann verurteile dich keinesfalls dafür, dass du dich gerade verurteilst! 

Besser: Nimm die Zucchini aus dem Einkaufswagen und lege sie noch einmal hinein, diesmal in voller Präsenz und Achtsamkeit. Ganz liebevoll. Und dann nimm dich selbst (innerlich oder ganz in echt) ebenso liebevoll in den Arm. Du hast es bemerkt! Du warst achtsam genug, um zu merken, dass du gerade unachtsam warst! Hurra! Bravo! Weiter so!

2) Aufmerksam zuhören

Zuzuhören ist eine große Kunst, und darin Meisterschaft zu erlangen, ist wohl eine Lebensaufgabe.

Vielleicht ist es dir auch schon mal so ergangen: In einem Seminar oder Workshop gibt’s eine Vorstell- oder Feedbackrunde. Und während die einen noch reden, überlegst du schon, was du sagen wirst, oder gleichst das, was die anderen sagen, mit dem ab, was du selbst empfindest, oder deine Gedanken sind schon beim Mittagessen oder bei der Heimfahrt.

Oft schalten wir auch auf Durchzug, weil wir glauben, schon alles zu wissen, was der/die andere sagen wird. Das ist in etwa so wie mit der Autokorrektur am Smartphone. Du beginnst zu schreiben, und dein Smartphone glaubt zu wissen, wie es weitergeht. Welche absurden Fehler dabei oft enstehen, brauche ich dir nicht zu sagen …

Wenn wir jedoch wirklich, wirklich zuhören, passiert zweierlei:

Erstens: Wir schenken einem anderen Menschen unsere volle Präsenz, wir widmen ihm unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, wir hören, was er sagt, ohne zu analysieren, zu beurteilen oder zu kritisieren. Das ist eines der größten Geschenke, die wir einander machen können. Schon viele Male habe ich in persönlichen Begegnungen oder auch bei Redekreisen erlebt, wie heilsam dieses Geschenk ist.

Zweitens: Wir vergessen für einen Moment unsere eigenen Probleme, unsere eigenen Geschichten und Vorstellungen. Wir befreien uns für einen Moment von uns selbst. Wir verlassen unser eigenes Universum und staunen über den kleinen Einblick, den wir in ein anderes Universum erhaschen dürfen. Plötzlich wird alles weiter als zuvor, wir identifizieren uns ein kleines Stück weniger mit all unseren Sorgen und Nöten, Hoffnungen und Problemen.

Aufatmen. Leichter werden. Und frei.

“How do I listen to others? As if everyone were my Master speaking to me his cherished last words.”
~ Hafiz

3) Aha!

In diesen drei kleinen Buchstaben steckt im Grunde all das, wie ich dem Leben begegnen möchte.

Immer wieder staunen.

Mich immer wieder eines Besseren belehren lassen.

Immer wieder alles Gewusstgeglaubte loslassen und von vorne anfangen.

Alles immer wieder frisch und neu erfahren.

Mich ins Ich-weiß-nicht hinein entspannen.

Jedesmal, wenn ich merke, dass mich etwas irritiert, enttäuscht oder provoziert. Jedesmal, wenn ich merke, dass das Leben andere Stücke spielt, als ich es mir erwünscht, erwartet, erhofft habe. Jedesmal, wenn ich merke, dass innerer Widerstand eine Trennung bewirkt zwischen Innen und Außen. Dann versuche ich, mich an diese innere Haltung des “Aha” zu erinnern.

Aha! So ist das also!

Aha! Leben, zeig du es mir!

Aha! Heute wieder alles anders als gestern!

Jeder Tag ein Neubeginn.

Jeder Moment ein Aha-Erlebnis.

Jeder Augenblick ein Fest.

Big wild love, Laya

Big, wild love

Laya

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