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Die Schönheit des Paradoxons: Wie Widersprüche dir helfen, zu wachsen 

 März 18, 2023

Vier meiner Freundinnen haben kürzlich erfolgreich Bücher veröffentlicht. Sie strahlen und sind sehr präsent in den Medien.  Ich feiere sie und gönne ihnen den Erfolg von Herzen - gleichzeitig verursachen diese Bilder auch einen kleinen Stich  in meinem Solarplexus-Bereich. 


Will auch!!! ?


Bei jeder von ihnen habe ich miterlebt, wie viel jahrelange, unsichtbare Knochenarbeit diesem Triumph vorausging - ohne dass sie im Vorhinein wissen konnten, ob ihre Arbeit jemals von Erfolg gekrönt sein würde. 

Wie ist das nun mit dem Bücher-Schreiben? Darf es leicht gehen?  Oder ist hier  "Love the necessary hard work"  angesagt, wie Danielle Laporte es so wunderbar ausgedrückt hat? 


Wie so oft ist die Antwort nicht dieses oder jenes, sondern BEIDES.


Mal so, mal so, manchmal irgendetwas dazwischen, und manchmal auch ganz anders. 


Manches geht ganz leicht, manches ist Knochenarbeit. 


Als ich 2012 ein Buch veröffentlicht habe, war das ein Kinderspiel: Exposé an nur EINEN Verlag geschickt, sofort Vertrag inklusive beachtlichem Vorab-Honorar eingeheimst, Buch innerhalb von drei Monaten geschrieben, Auflage 10.000 Stück - voilá!


Bei meinem Journalismus-Studium war es ähnlich: Stipendium zugeflogen, mit Leichtigkeit durch den Master gerauscht, Radio-Feature beim renommiertesten österreichischen Sender produziert ... easy cheesy. 


Aber ich kenne es auch ganz anders. Mein Business aufzubauen war alles andere als easy, und cheesy war es schon gar nicht. Meinen Master in Positiver Psychologie habe ich mir WIRKLICH unter Blut, Schweiß und Tränen erkämpft, und er hat mich immer wieder an meine Grenzen gebracht - manchmal sogar deutlich darüber. 


Mein Verstand beißt sich an Widersprüchen wie diesen die Zähne aus. Er will EINE Antwort - und zwar eine eindeutige. So ist es, und nicht anders. Alles andere ist viel zu verwirrend! 


Aber Leben ist selten eindeutig. Mensch-Sein ebenso wenig.  


Komplexität, Ambiguität, Ambivalenz, Sowohl-als-auch - dafür braucht es einen weiten Geist, ein erlöstes Herz,  und vor allem die Königsdisziplin des persönlichen Wachstums: Erspüren, was wann hilfreich ist, anstatt sich an starren Konzepten festzuhalten. 


Das erfordert nicht nur eine Kombination aus Selbstdisziplin und Flexibilität, sondern auch radikale Ehrlichkeit uns selbst gegenüber. Andernfalls besteht die Gefahr, dass wir uns beschummeln. 


Insofern sind Widersprüche und Paradoxien ein wundervoller Nährboden für unser Wachstum - vorausgesetzt, wir wagen ein Tänzchen mit ihnen, statt einfache Antworten für komplexe Fragen zu erwarten, an denen wir uns wie an einem Geländer festhalten können. 


"Ein Paradoxon ist die Wahrheit, die sich selbst verschleiert."
- Denis Diderot


Am Ende geht es nur um EINE Frage, und zwar: "Was ist in diesem Moment HILFREICH?" 

Und nicht um: "Was ist WAHR?"


Ich übe, die Schönheit im Paradoxen zu sehen und die Wahrhaftigkeit in den Widersprüchen. Ich übe, meinen Verstand zu entspannen und mein Herz in die Weite des "Ich weiß nicht" zu atmen. Ich übe, dieser Welt ihre Komplexität zuzugestehen, statt mich ihr zu verwehren, indem ich  in die Anästhesie einfacher Antworten entschlummere.  


 Deshalb teile ich heute sieben meiner Lieblings-Paradoxien mit dir ?


"Paradoxien sind nicht nur schön, sie sind auch notwendig, um die Welt und ihre Widersprüche zu verstehen."
- Jeanette Winterson



# 1 Es darf leicht sein UND es ist harte Arbeit


Manchmal sitzen mir Klientinnen gegenüber, die sich nach vielen Jahren in klassischen Jobs selbstständig gemacht haben, und dann völlig erschüttert darüber sind, dass Arbeit sich noch immer nach Arbeit anfühlt. Darüber, dass Business kein Spaziergang im milden Frühlingssonnenschein ist.

"Ich will, dass es endlich LEICHT geht!", stöhnen sie und raufen sich die Haare. 


I know. 


Manchmal GEHT es ja auch wirklich leicht, so wie im Fall meines ersten Buches. Dann purzelt eine Idee in unser Feld, wir greifen sie auf, es flutscht, und der Erfolg fällt uns in den Schoß.


Meiner Erfahrung nach ist das aber eher die Ausnahme. 


Manchmal müssen wir uns einfach auf den Allerwertesten setzen, alles andere ausblenden und die harte Arbeit lieben lernen (mit dem richtigen WARUM geht das übrigens leichter). 


Ich fand es auch nie leicht, auf einen Berg zu steigen. Noch jedes Mal habe ich mich nach den ersten hundert Höhenmetern gefragt, wieso ich mir DAS eigentlich antue. Dann erinnere ich mich an einen Ausdruck, den ich von meinen buddhistischen Lehrer*innen gelernt habe:


Freudvolle Anstrengung. 


Ah! Das Schwere darf auch Freude machen. 


Das Leben ist leicht und es ist schwer.  Manchmal flutscht es, manchmal ruckelt es, und manchmal fühlt es sich an wie ein schwerer Karren, den wir hinter uns herziehen. 


"Die Schönheit des Widerspruchs besteht darin, dass er uns dazu zwingt, unsere Vorstellungen zu erweitern und zu verfeinern." 
- Anais Nin

DAS LEBEN IST LEICHT, UND ES IST SCHWER. WIR DÜRFEN DAS GESCHENK DER LEICHTIGKEIT ANNEHMEN - UND MANCHMAL AUCH IN FREUDVOLLER ANSTRENGUNG DIE NOTWENDIGE HARTE ARBEIT VERRICHTEN.



# 2 Wir dürfen es uns gemütlich machen UND wir müssen raus aus der Komfortzone


"Unbehagen ist die Währung für innere Freiheit" - diesen Satz habe ich von meiner Mentorin gelernt. Jedes Mal, wenn ich ihn an meine Klientinnen und Teilnehmerinnen weitergebe, beobachte ich, wie sie ihre Stifte zücken und diesen Satz notieren. 


Und es stimmt ja auch - Wachstum geschieht vor allem in der Stretch-Zone, nicht in der Gemütlichkeit. 


Aber wir brauchen beides. Wir brauchen Zeiten, in denen wir einfach nur genießen, in denen wir nichts WOLLEN. Zeiten, in denen wir uns erlauben, einfach nur zu SEIN, zu ruhen, zu integrieren, und die Früchte zu ernten.


Und dann müssen wir die Gemütlichkeit auch wieder hinter uns lassen, uns der Unsicherheit in die Arme werfen, unseren Halt riskieren (manchmal auch unseren Hals ?), uns auf  neues Terrain wagen. 


Die Kunst besteht darin, die Dinge nicht zu verwechseln: Die Bereitschaft, zu wachsen und sich immer wieder neu zu erfinden, ist etwas anderes als Getriebenheit. Genießen und Regenerieren ist etwas anderes als das Verharren in erstickender Bequemlichkeit.


Die Tasse heißer Kakao schmeckt sooo viel besser, wenn wir davor mit frierendem Atem durchs Schneegestöber gestapft sind. Der Prosecco prickelt um so viel erhebender, wenn wir mit ihm auf ein Ziel anstoßen, das wir erreicht haben. Und unser Schlaf ist um so viel süßer, wenn wir unseren Kopf nach einem erfüllten Tag aufs Kissen betten.



# 3 Wir brauchen Hingabe UND Durchhaltevermögen /Selbstbehauptung


"Soll eben nicht sein" - dieser Satz klingt nach Hingabe, ist aber in Wirklichkeit oft ein Versteck. 


Wenn die Dinge nicht so laufen, wie wir uns das vorstellen, sind wir gefordert, unsere Pläne und Ideen loszulassen und uns vertrauensvoll dem Fluss des Lebens hinzugeben - manchmal zumindest. Manchmal hingegen geht es darum, sich dem Sturm entgegenzustemmen, die Ärmel hochzukrempeln und mit steifer Oberlippe ein "Jetzt erst recht" Mindset zu entwickeln. 


Wir brauchen beides, Hingabe und Sturheit, Flexibilität und Zielgerichtetheit, Weichheit und harte Kanten.


Zum Glück haben wir das alles in uns. Und wir können lernen, die richtigen Qualitäten, Strategien und Tools zur richtigen Zeit aus dem Werkzeugkoffer zu holen. 

 

# 4 Alles ist schon da UND es gibt noch viel zu lernen


Auch so ein Paradoxon! Klar, das POTENZIAL für alles ist längst da, immer schon, in unserer DNA, wie in einem Samenkorn, in dem die hochgewachsene Pflanze angelegt ist. 


Gleichzeitig braucht es ganz viel, um dieses Potenzial zum Erblühen zu bringen, und es gibt unendlich viel zu lernen auf unserem Weg. Manchmal geht es auch ums VERLERNEN, oder ums Erinnern. Jedenfalls: Der Zugang zum Potenzial erfordert einiges, das wir uns erst aneignen müssen - auch wenn alles längst da ist.


# 5 Der Mensch ist groß und er ist klein


Wir alle sind einzigartig, großartig, wichtig und bedeutsam, das Leben liebt uns und die Welt wäre ohne uns viel ärmer. 


Gleichzeitig sind wir völlig unbedeutend, geringer als ein Wimpernschlag in der ewigen Geschichte der Evolution in einem gleichgültigen Universum. 


Mal ist die eine Sichtweise für mich hilfreich (zum Beispiel wenn ich mich wertlos fühle oder daran zweifle, dass ich überhaupt IRGENDETWAS Interessantes zu sagen habe), mal die andere (zum Beispiel, wenn ich meine "Probleme" suuuuuperwichtig nehme und mich mit ihnen im Kreis drehe).


"In der Kunst wie im Leben sind Widersprüche oft das Zeichen von Reichtum und Tiefe." 
- Octavio Paz


# 6 Wir sind Geist UND wir sind Biologie


Vor einiger Zeit habe ich mich Hals über Kopf verliebt - und ich habe mich "heartbroken" gefühlt. Richtig tiefen Liebeskummer hatte ich, fast wie in Teenager-Zeiten.


Damals habe ich viel über "Liebe" nachgedacht. 


Da ist mal die Biologie. Pheromone, Neurotransmitter, unser instinktiver, animalischer Drang, uns fortzupflanzen, unser Erbgut zu verbreiten. Aus dieser Sicht ist das, was ich als unglaublich starke Anziehung empfunden und als "Liebe" interpretiert habe, nichts weiter als ein Ausdruck unpersönlicher Evolution, die entschieden hat, dass meine DNA und die eines anderen Menschen gut zusammenpassen. 


Dann ist da die Psychologie. Wenn wir derartig obsessiv sind und einen anderen Menschen nicht aus dem Kopf bekommen, hat das womöglich überhaupt  nichts mit "Liebe" zu tun, sondern mit der Reaktivierung eines unsicheren Attachment Styles


Und dann ist da die Spiritualität, die seelische Ebene. Twin Flames? Seelenpartner? Karmischer Ballast? Oder eine uralte Vereinbarung aus früheren Leben, gemeinsam etwas zu lernen, zu lösen? Selbst wenn wir nicht an derlei glauben - womöglich ist dieser spezielle Mensch zumindest ein "Arsch-Engel", der uns etwas lehren will? 


Na, was denn nun? 


Alles vermutlich. 


Für mich waren im Fall meiner Verliebtheit Sichtweise 1 und 2 hilfreicher als die Perspektive der seelischen Ebene, und ich habe mich in einem echten Kraftakt (und mit Unterstützung von Coaching, systemischer Aufstellung und Innerer-Kind-Arbeit) aus dieser Beziehung genommen. 


Glorreiche Entscheidung, kann ich rückblickend  nur sagen.


Sind wir Geist, Seele oder reine Biologie? Alles, alles, alles, und wohl noch viel mehr .... 


"Die größten Wahrheiten werden paradox ausgedrückt."
- Lao Tzu


# 7 Kopf UND Körper


Bis in meine frühen Dreißiger war ich vom Hals abwärts mehr oder weniger taub. 


"Was meint sie mit SPÜREN?", fragte ich mich, wenn irgendjemand mich aufrief, in mich hineinzufühlen und wahrzunehmen, was ich denn nun wollte oder was mir gut tat. 


Dann habe ich angefangen, Yoga zu praktizieren,  zu tanzen und zur Körpertherapie zu gehen.


Ich erinnere mich an ein Gespräch mit meiner Cranio-Therapeutin. "Ich möchte AUCH  ein Körpermensch sein!" rief ich - denn ich bewunderte und beneidete Menschen, die sich geschmeidig  dem Tanz hingeben konnten, ganz im Spüren und Fühlen zu sein schienen, und nicht wie ich alles mit dem Kopf verstehen und lösen wollten. 


Die Therapeutin lächelte. "Dein Kopf ist aber doch Teil deines Körpers!" sagte sie. 


Doch für mich blieb dieser Widerspruch lange bestehen. 


Nach vielen Jahren, in denen ich Yoga und Tanz unterrichtet habe, arbeite ich heute wieder hauptsächlich mit kognitiven Methoden, bin also wieder beim Gehirn und der Macht unserer Gedanken angekommen. Die körperzentrierten Zugänge haben sich integriert, und Embodiment-Tools sind ein wichtiger Bestandteil meiner Methode. Tanzen ist aus meinem Leben nicht wegzudenken. Und sogar das SPÜREN habe ich gelernt, auch die Sprachen meines Herzens und meines  Bauchhirns verstehe ich mittlerweile, und ... pssssst, Geheimtipp .... wenn es um Entscheidungen geht, frage ich  meine Yoni: "Na, was meinst du? Fühlt sich das juicy an?" ?

Widersprüche und Paradoxien anzunehmen, macht auch unsere Beziehungen einfacher. Schließen wir Frieden mit unseren inneren Ambivalenzen, mit der Vielschichtigkeit und Widersprüchlichkeit der Welt, dann können wir auch  Meinungen und Sichtweisen gegenüber tolerant sein, die von den unseren abweichen, und andere Menschen und Kulturen so sein lassen, wie sie nunmal sind. 


Es lebe das Paradoxon! Möge es uns zu Ganzheit, Wahrhaftigkeit und Lebendigkeit führen...


  • Sehr schönes Goldstück liebe Laya. Habe es sehr genossen. Da hat sich schon etwas getan in der Psychologie – Paradoxon erkennen statt innerer Zerissenheit an der man zugrunde gehen kann … Bei deinen Sätzen über „Liebe“ und unpersönliche Evolution hab ich herzlich gelacht. So einfach kann es manchmal sein 😉

  • Danke liebe Laya,
    ich finde deinen Tipp, die Yoni zu befragen, so unglaublich liebevoll, bereichernd und wirklich zauberhaft ??
    Einfach genial ?
    Danke für diese neue Sichtweise,
    herzensgrüße Monika

    • Liebe Monika, gerade habe ich mit einer Teilnehmerin darüber gesprochen – und sie meinte, dass dieser Zugang gemäß meinem Human Design Chart perfekt zu mir passt – demzufolge sollte ich nur Dinge tun, die sich sexy und juicy anfühlen 😉 Vielleicht ist das für dich ja ähnlich, wer weiß?

      Herzensgrüße❤️
      Laya

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