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Erfüllung statt Schmerzensgeld: Arbeit neu denken 

 Jänner 10, 2022

Mit 18 schreibe ich eine vorwissenschaftliche Arbeit über Exil-Literatur. Es geht ganz leicht, und die Arbeit ist richtig gut. 

Mit 24 habe ich Alpträume und jede Woche Migräne. In eine Schulklasse zu gehen und testosteron-getränkten Pubertieren etwas über Physik und Mathematik beizubringen, kostet mich nicht nur unmenschlich viel Energie, sondern macht mich auch krank. 

Mit 27 schreibe ich eine Kurzgeschichte, reiche sie ein und gewinne einen Preis dafür. Für mein Journalismus-Studium bekomme ich ein Stipendium. Ich produziere ich ein Radio-Feature, der renommierteste österreichische Radiosender kauft es und strahlt es aus. 

Mit 37 arbeite ich bei einer großen Bildungsorganisation. Jeden Morgen, wenn ich das Bürogebäude betrete, habe ich das Gefühl, meine Seele beim Portier abgeben zu müssen. Wenn ich nach der Arbeit mit der Straßenbahn nachhause fahre, merke ich, dass ich kaum atme, und dass meine Fingergelenke weiß sind. Ohne es zu merken, balle ich meine Hände zu Fäusten. 

Mit 40 bin ich selbstständig und träume von digitalem Nomadentum - aber die Technologien, die ich dafür brauchen würde, gibt es noch nicht, und mein Sohn ist noch nicht mal ein Teenager. 

Mit 43 gestalte ich während meiner Schreibtherapie-Ausbildung eine Collage. In ihrer Mitte erstrahlt das Bild einer Frau, die mit einem Laptop in einer Flughafen-Lobby sitzt und arbeitet. 

Mit 48 bin ich diese Frau. 

Manchmal kommt es mir ein wenig verdächtig vor. Manchmal kann ich noch immer nicht glauben, dass ich DAMIT wesentlich mehr Geld verdiene, als ich jemals als Lehrerin oder Bildungsreferentin verdienen hätte können. Mit etwas, das ich auch tun würde, wenn ich kein Geld verdienen müsste. Mit etwas, das Arbeit ist - manchmal auch VIEL Arbeit -, sich aber nicht nach Arbeit anfühlt. Zumindest nicht nach den gängigen Maßstäben.

Und mit etwas, von dem ich keinen Urlaub brauche. 

„Ich arbeite ohne zu arbeiten.“
Joan Miró

(Manchmal nehme ich eine  Auszeit, um zu regenerieren und Abstand zu gewinnen. Aber nach maximal drei Tagen juckt es mich schon wieder unter den Fingern, die Ideen sprudeln nur so, und mein Schaffensdrang ist kaum zu bremsen.)


Eine neue Art von Arbeit

Es begann Ende des 18. Jahrhunderts in England - das Zeitalter der Industrialisierung.

Und mit diesem Zeitalter machte sich eine Sichtweise auf  Arbeit und ihre Bedeutung breit, die auch heute noch in den Köpfen der meisten Menschen ihr Unwesen treibt (und die die meisten von uns für "normal" halten): 

Erstens: Alle Menschen haben jeden Tag zur gleichen Zeit gleich produktiv zu sein.

Zweitens: Sie bekommen (Schmerzens-)Geld dafür, dass sie ihre Lebenszeit für bestimmte Tätigkeiten zur Verfügung stellen. Ob diese Tätigkeiten ihren Talenten, Stärken und Leidenschaften entsprechen, ist irrelevant.  

Drittens: Das Ziel ist nicht, dass es diesen Menschen gut geht, sondern dass die Wirtschaft wächst und der Gewinn maximiert wird. Dieser Gewinn kommt jedoch nicht denjenigen zugute, die ihn durch ihrer Hände Arbeit erschaffen haben. 

Kommt dir irgendetwas davon seltsam vor? 

Mir schon 😉 

Zum Glück leben wir in anderen Zeiten. Zum Glück haben wir heute andere Möglichkeiten. Aber zum Unglück leben und arbeiten  die meisten Menschen noch immer nach diesem verstaubten Paradigma - und viele davon werden davon krank oder brennen aus. Ihre angeborene Begeisterung, Kreativität und Schaffenskraft erlischt. Sie sind ausgelaugt. Sie leben an sich selbst vorbei. Und irgendwann stirbt etwas in ihnen - der Glaube daran, dass es auch anders ginge. 

Sich in einer Zeit, in der Selbstverwirklichung kein Luxus mehr ist, einem längst überholten Arbeitsparadigma zu beugen, ist nicht selbstlos oder bescheiden. Es hat auch nichts mit Loyalität unseren Ahn*innen gegenüber zu tun.

Es ist ein Rückschritt. 

Es ist ein Nein zu sich selbst. 

Es ist eine Verweigerung dem Leben gegenüber. 

SICH NICHT SELBST ZU VERWIRKLICHEN IST WEDER SELBSTLOS NOCH BESCHEIDEN.


ES IST EIN RÜCKSCHRITT.

 

EIN NEIN ZU SICH SELBST.


EINE VERWEIGERUNG DEM LEBEN GEGENÜBER.


Warum träume ich von diesem und du von jenem? 

Kürzlich habe ich einen Diplomaten getroffen, der zurzeit in einer Botschaft in London arbeitet. In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat er in Los Angeles, Washington DC, Dubai, Südafrika und vielen anderen Orten gelebt. Alle zwei Jahre ziehen er und seine Familie um. Wohin, das wissen sie frühestens ein paar Monate vorher. 

"Das geht nur, wenn man es aufregend findet, nicht zu wissen, wo man die nächsten Weihnachten verbringen wird", erklärte er mir. 

"Ich finde das auch aufregend. Aber ich möchte selbst entscheiden, wohin ich reise", antwortete ich. "Fühlst du dich nicht fremdbestimmt?"

"Nein", meinte der Diplomat. "Für mich ist es perfekt, so wie es ist."

Ist das nicht interessant? 

Und ist es nicht interessant, dass eine meiner Klientinnen davon träumt, mit einer kleinen Gruppe von Frauen Kräuterwanderungen zu machen, während die andere sich auf einer großen Bühne vor hunderten Zuschauern stehen sieht, die dritte sich nichts Schöneres vorstellen kann als jeden Tag Kinder zu betreuen,  und das Herz der vierten für gesunde Ernährung schlägt? 

Früher fiel es mir schwer zu denken, dass es möglich sein könnte, dass jeder Mensch einer Arbeit nachgeht, die ihn wirklich erfüllt. Denn wer würde dann all die Dinge tun, die ICH niemals tun würde wollen? 

Bis ich erkannt habe, dass unsere Schlüssel-Talente, unsere einzigartigen Stärken und Vorlieben so unterschiedlich sind wie unsere Augen, Haare, Nasen und die Proportionen unserer Arme und Beine.  Und dass eine Arbeit, die für den einen Menschen der blanke Horror wäre, für den anderen  zutiefst erfüllend sein kann.  


Was wir für "normal" halten, ist lebensfeindlich

Zwei meiner Freundinnen sind "nur" mit 25 oder 30 Stunden pro Woche angestellt. Die eine hat keine Kinder, die der anderen sind erwachsen und selbstständig.

Beide erzählen mir, dass sie deshalb ein schlechtes Gewissen haben; sie haben das Gefühl, an ihren freien Tagen  irgendetwas Zusätzliches, Sinnvolles tun zu müssen - ein Business aufbauen oder ehrenamtlich arbeiten oder zumindest im Gemeinderat sitzen. 

38 oder 40 Stunden pro Woche sind normal. Alles, was darunter liegt, ist zu wenig (zumindest für diejenigen, die keine Kinder betreuen). 

Wer, bitte, hat das erfunden? Ist diese Zahl vom Himmel gefallen? Und wieso denken wir, dass wir alle uns an einer solchen Norm orientieren sollten, wo wir doch so unterschiedlich sind wie federleichte Kolibris und tonnenschwere Walrösser, zarte Vergissmeinnichts und mächtige Eichen? 

„Durch das Zuviel-Arbeiten sündigt man am Leben und an der Arbeit selber.“
~ Paula Modersohn-Becker

Es ist lebensfeindlich zu erwarten, dass ganz unterschiedliche Menschen ein und dieselbe Leistung erbringen. 

Es ist lebensfeindlich zu glauben, wir könnten uns über die natürlichen Rhythmen und Zyklen, die allem Lebendigen innewohnen, erheben. 

Es ist lebensfeindlich, uns an willkürlichen Normen zu orientieren, die die Vielfalt und den Facettenreichtum der Menschen völlig außer Acht lassen.


Was uns wirklich glücklich macht

"Arbeit ist die höchste Form des Vergnügens" - in welchem Buch ich diesen Satz gelesen habe, weiß ich leider nicht mehr. Ich kann mich aber gut daran erinnern, dass in mir etwas heftig zu klingeln begonnen hat, als mein Auge auf ihn fiel. 

Die Positive Psychologie gibt diesem Satz recht. Natürlich brauchen wir auch "pures" Vergnügen, Zerstreuung und Regeneration, um ausgewogen zu leben. 

Aber was uns wirklich glücklich macht, ist, unsere Stärken zu leben. Uns zu engagieren. Einer Arbeit nachzugehen, die für uns persönlich Sinn macht. Das Gefühl zu haben, etwas zu bewirken, sei es im Kleinen oder im Großen. Selbstbestimmt und selbstwirksam zu sein.

Das bedeutet nicht, dass jeder Mensch sich selbstständig machen sollte. Ganz und gar nicht! 

Aber jeder Mensch kann auf eine Weise arbeiten, die ihn glücklich macht statt krank. Die ihn erfüllt statt auslaugt. Die die Flamme seiner Begeisterung heller brennen lässt statt sie auszulöschen.

"Arbeit ist sichtbar gemachte Liebe."
Khalil Gibran

DAS bedeutet es für mich, Arbeit neu zu denken.

Und indem wir dieses neue Denken wagen, erschaffen wir Zukunft. 

LAya Commenda Schreiben Coaching


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