Den eigenen Körper lieben: Ein radikaler Entschluss

Gedanken erfolgreich umprogrammieren

Es war ganz zu Beginn unserer Beziehung; fast neun Jahre ist es also schon her.

Mein Liebster und ich, damals frisch verliebt und im siebten Himmel, fuhren mit dem Bus nach Prag, um dort ein paar Nächte in eben diesem Himmel zu verbringen.

Mein Liebster ist unter anderem Fotograf. Schon von Berufs wegen macht er sich also viele Gedanken um menschliche Gesichter und Körper. Darüber, wie wir uns selbst sehen, wie andere uns sehen, und welchen Einfluss Licht, Perspektive, Brennweite und Photoshop darauf haben.

Wir sitzen also eng aneinander geschmiegt im Bus und philosophieren darüber, warum es – besonders, aber nicht nur – für Frauen so schwierig ist, den eigenen Körper zu akzeptieren, geschweige denn zu lieben.

Er verstehe das, meint mein Liebster, und natürlich sei ihm klar, dass Werbung, Medien, und allgegenwärtige Schönheitsideale uns beeinflussen.

Aber er habe im zarten Alter von etwa zwanzig Jahren beschlossen, dass sein Körper gut und schön genug sei, und seither habe er das nie wieder in Frage gestellt.

Basta, Ende der Durchsage.

Ich erinnere mich gut daran, wie sehr mich das damals fasziniert hat.

„Neeeein, so einfach ist das nicht!!!!“, rebellierte es in mir.

Immerhin hatte ich mir Ähnliches auch schon oft genug gesagt, und trotzdem mäkelte ich immer noch an meinem Äußeren herum, fühlte mich zu dick, zu x-beinig, zu hellhäutig und und und.

„Das muss daran liegen, dass ich eine Frau bin!“, dachte ich. „Für uns ist es viel schwieriger!“

Das stimmt auch.

Und es stimmt nicht.

Den eigenen Körper lieben – warum es so einfach und so schwierig ist

Für uns Frauen ist es schwieriger, den eigenen Körper zu lieben, weil

  • unser Wert (und unsere materielle Versorgung) jahrhundertelang davon abhängig gemacht wurde, ob wir anderen gefallen oder nicht
  • wir wesentlich mehr mit völlig absurden Schönheits-Idealen bombardiert werden als Männer (auch wenn das Verhältnis sich langsam verändert und Männer dem heute mehr ausgesetzt sind als früher)
  • wir seit jeher als „die Abweichung von der Norm“ betrachtet wurden – von der männlichen Norm nämlich. Diese Abweichung brachte uns immense Nachteile. Von der Norm abzuweichen ist also in jeder Hinsicht etwas Bedrohliches für uns.

Das heißt, wir Frauen müssen tatsächlich mehr innere Arbeit leisten, um aus diesem kollektiven Muster auszusteigen.

Einerseits ist es für uns also schwieriger.

Andererseits ist es auch einfach.

Es ist eine Entscheidung. 

Eine Entscheidung, den eigenen Körper für gut und schön genug zu halten.

Mag sein, dass wir diesen Gedanken intensiver und länger trainieren müssen als mein Liebster, bis er für selbstverständlich geworden ist und sich auch das entsprechende GEFÜHL einstellt.

Aber das Prinzip ist dasselbe.

Und es funktioniert.

Die wahre Schwierigkeit besteht darin, unser Denken über uns selbst zu verändern. ~ Maya Angelou

Mit der Gedanken-Leiter zu mehr Selbstliebe

Es gibt Bücher und Coaching-Programme, in denen uns empfohlen wird, uns nackt vor den Spiegel zu stellen und „Ich liebe mich“ zu sagen.

Das mag für manche Menschenfunktionierten.

Aber nur für diejenigen, die emotional schon ziemlich nah dran sind an „Ich liebe mich selbst“.

Wenn du hingegen – so wie ich früher – voller Selbstkritik, Selbstverachtung und Scham steckst, ist diese Herangehensweise völlig verkehrt.

Unser Körper-Geist-Seele-System schafft den Sprung von „Ich bin das hässlichste Wesen auf Erden“ oder „Mit mir stimmt etwas nicht“ zu „Mein Körper ist wunderschön und ich liebe ihn bedingungslos“ einfach nicht. 

Schon gar nicht, wenn diese alten Glaubenssätze ihre Wurzeln nicht nur in unserer eigenen Biographie, sondern im Familiensystem oder im kollektiven Bewusstsein haben. 

Und dann fühlen wir uns noch schrecklicher als zuvor. 

Also brauchen wir Brücken.

Oder das, was wir im Coaching „Gedanken-Leiter“ nennen.

Wir beginnen mit Babysteps auf dieser Leiter, je nachdem, wo wir gerade stehen.

Für jemanden, der seinen Körper seit Jahrzehnten verachtet, ist ein Gedanke wie „Ich mag meine Augen“ zum Beispiel ein guter Anfang.

Und dann können wir uns langsam nach oben arbeiten auf dieser Leiter.

Und egal, wie lang es dauert: Irgendwann stehen wir dann auf der „Ich liebe meinen Körper, er ist einfach wundervoll!“ – Sprosse.

Irgendwann empfinden wir tief gefühlte, inniger Liebe für uns und unseren Körper.

Aber das braucht Zeit und Geduld.

Und das Verständnis dafür, WARUM es so lang dauert.

Ich mag mich nicht, sondern bin verrückt nach mir! ~ May West

Aber ich FÜHLE es nicht!!!

Auch das passiert im Coaching immer wieder: Wir probieren neue Gedanken aus und testen, wie sie sich ANFÜHLEN.

Dann bemerken wir: Ja, im KOPF weiß ich es schon. INTELLEKTUELL hab ich es verstanden. Aber ich FÜHLE es nicht!

Und womöglich denken wir dann sogar, dass Mind Management nicht funktioniert.

Tut es aber doch.

Gefühle gehen aus Gedanken hervor.

Aber stell dir vor, du hast zwölf Trillionen Mal gedacht, dein Körper sei ein Mangel-Exemplar. Und dann denkst du EINMAL: „Mein Körper ist schön genug, so wie er ist.“

Dadurch verändert sich dein Gefühl nicht radikal. 

Nicht von heute auf morgen. 

Dennoch ist es ein RADIKALER Schritt. 

Denn wenn du diesen Gedanken übst und trainierst, werden die alten Gewohnheitsgedanken nach und nach überschrieben – und irgendwann FÜHLST du es dann auch.

Es ist wie Klavierspielen. Du lernst ein neues Stück und zu Beginn geht es irgendwie GAR NICHT. Dann geht es ein bisschen besser. Und eines Tages fliegen die Finger plötzlich wie von selbst über die Tasten, ohne dass du darüber nachdenken musst.

Würdest du deshalb denken, dass Klavier-Üben einfach nicht funktioniert?

Eben.

Selbstliebe: Du tust es nicht nur für dich

Einen Entschluss zu fassen, Babysteps zu machen, zu üben, die Leiter langsam raufzuklettern – das alles klingt so lieblich!

Ist es aber nicht.

Ganz im Gegenteil.

Nichts ist furchterregender, als uns selbst bedingungslos zu akzeptieren. ~ C.G. Jung

Wir werden mit ALL unseren Dämonen und Schatten konfrontiert, wenn wir den Weg der Selbstliebe gehen.

Alle die Bereiche, in denen wir NICHT liebevoll zu uns selbst sind, oder in denen wir anderen erlauben, nicht liebevoll zu uns zu sein, werden uns auf dem Silberteller präsentiert.

Wir bemerken:

Oh, der Job, den ich jeden Tag mache, und WIE ich ihn mache, ist ein Ausdruck mangelnder Selbstliebe.

Oh, wie ich mich in meiner Partnerschaft verhalte, ist ein Ausdruck mangelnder Selbstliebe.

Oh, wie wenig Raum ich einnehme, ist ein Ausdruck mangelnder Selbstliebe.

Und ja, diese Erkenntnisse tun weh, und sie fordern uns auf, etwas zu verändern.

Insofern ist das, was mit dem Entschluss, den eigenen Körper für schön und gut genug zu halten begann, eine Reise in ein anderes Leben. 

In ein liebevolles, selbstbestimmtes, freies Leben. 

Das macht diesen Entschluss so radikal. Er verändert nicht nur für uns persönlich etwas, sondern für uns alle. 

Frauen, die sich selbst lieben, sind nicht mehr manipulierbar.

Frauen, die sich selbst lieben, sind gefährlich unabhängig.

Frauen, die sich selbst lieben, erziehen ihre Kinder zu starken, selbstbewussten und selbstbestimmten Menschen.

Frauen, die sich selbst lieben, verändern die Weltwirtschaft – denn sie investieren in Dinge, die sei wirklich glücklich machen, statt die Schönheits-Industrie zu sponsern (*).

Und Frauen, die sich lieben, warten nicht mehr darauf, dass ihnen etwas zugestanden wird, sondern fordern ein, was sie wollen.

FRAUEN, DIE SICH SELBST LIEBEN, WARTEN NICHT MEHR DARAUF, DASS IHNEN ETWAS ZUGESTANDEN WIRD.

SIE FORDERN EIN, WAS SIE WOLLEN.

Neue Gedanken – neuer Mensch

Was für deine Beziehung zu deinem Körper funktioniert, funktioniert natürlich auch für deine Beziehung zu dir als Ganzes.

Es ist ein ENTSCHLUSS, dich selbst für wertvoll zu halten. 

Es ist ein ENTSCHLUSS, davon überzeugt zu sein, dass du gut genug bist. 

Es ist ein ENTSCHLUSS, dich selbst für großartig (und herrlich unperfekt) zu halten. 

Nicht alle deine Gedanken werden von Anfang an mit diesem Entschluss im Einklang stehen. Aber je mehr du dich an ihm ausrichtest, desto mehr verändert sich dein inneres Klima.

Und woran merkst du, dass sich etwas Grundlegendes verändert hat?

Zum Beispiel daran:

Du machst einen „Fehler“, und statt dich zu schämen oder dich zu verurteilen, denkst du: „Hurra, wie interessant! Wofür ist das die Gelegenheit?“

Jemand weist dich zurück, und statt zu denken, dass mit dir irgendetwas nicht stimmt, denkst du: „Das hat nichts mit mir zu tun. Solange ich ich selbst bin, wird es immer Menschen geben, die mich lieben und meinen Wert sehen.“

Du sagst Nein, wo du früher Ja gesagt hättest, und hast keine Angst mehr vor Beziehungsabbruch, Liebesentzug oder Konflikten.

Du triffst keine Menschen mehr, die dir Energie rauben, du machst keine Arbeit mehr, die deine Seele verkümmern lässt, du folgst deinem eigenen Rhythmus, deiner Lebensfreude, deiner Begeisterung … genau so, dass dein Leben dein wahres Wesen widerspiegelt.

Wage, dich selbst zu lieben als wärst du ein Regenbogen mit zwei goldenen Enden. ~ Aberjhani

All das beginnt mit einem Entschluss.

Und mit deiner Bereitschaft, an deine eigene Macht und Gestaltungskraft zu glauben.

Welche neuen Gedanken erlaubst du dir, zu denken? Poste in die Kommentare und inspiriere mich und tausende andere Leserinnen!

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