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Schlimmer als Scheitern 

 Feber 10, 2022

Sie sprüht nur so. 

Ihre Augen leuchten. 

So lebendig, so wach, so echt, so voller Ideen, so voll von spürbarem Potenzial, das endlich, endlich, endlich durch die Ritzen ihrer alten Schutzpanzer herauswachsen will, das den harten Beton durchbrechen will wie zarte grüne Triebe den Asphalt. 

Doch dann: 

Deckel drauf. 

Die Funken verglühen zu kalter Asche. 

Die Wachheit weicht der Lähmung. 

"Aber ich habe solche Angst zu scheitern!", sagt sie, meine junge Klientin. 

Die Schultern sinken, der Rücken rundet sich, sie schrumpft. 

Resignation statt Begeisterung. 

Rückzug statt Expansion. 

"Failing ahead of time", nennt meine Mentorin das. 

Im Vorhinein scheitern. 

Scheitern, bevor wir es überhaupt versucht haben. 

Es gibt wenig, was mich so traurig macht.


Zwei Arten von Scheitern

Es gibt zwei Arten von Scheitern. 

Weh tun beide. 

Der eine Schmerz ist dumpf, lang und lähmend. Es ist der Schmerz des Nicht-vollständig-lebendig-Seins, des ungelebten Lebens. Des Aufgebens, bevor wir überhaupt losgegangen sind. Des beklemmenden Wissens, dass die ehrliche Antwort auf die Frage "Wer will ich am Ende meines Lebens gewesen sein?" lauten wird: "Eine andere als die, die ich jetzt bin."

Der andere Schmerz ist scharf, kurz und lehrreich. Er ist der Preis für Lebendigkeit und Wachstum. Und in Wirklichkeit ist er nichts anderes als ein liebevoller Hinweis: "Schau mal, Schätzchen, hier geht's lang, nicht dort! Probier doch mal das aus. Oder das. So lange, bis du den Dreh raus hast!"

Nur unser Ego - in Kombination mit einer fehlerfeindlichen Kultur - lässt diesen Hinweis so schmerzhaft sein. Denn wenn wir aufhören, immer recht haben und immer alles richtig machen zu wollen, sind wir augenblicklich von ihm befreit.  

„Und es kam der Tag, da das Risiko, in der Knospe zu verharren, schmerzlicher wurde als das Risiko, zu blühen.“
Anaïs Nin


Das Schlimmste, das passieren kann

Wenn ich meine Klientinnen frage, was das Schlimmste ist, das passieren könnte, schauen sie mich mit großen Augen an. 

Dann stellt sich heraus, dass es nichts gibt, das WIRKLICH bedrohend wäre. Weder besteht das Risiko, in ernsthafte finanzielle Nöte zu geraten, noch wichtige Beziehungen zu verlieren oder sonst irgendwie gröberen Schaden zu nehmen. 

Das Schlimmste, das passieren könnte, ist ein GEFÜHL. 

Und genau DAS ist es, wovor wir so viel Angst haben. 

Das Gefühl von Scham,  Zurückweisung und Unzulänglichkeit. 

Genau DIE Gefühle, die wir um jeden Preis vermeiden wollen. 

Genau DIE Gefühle, die wir empfinden, weil wir noch nicht verstanden haben, dass Scheitern nichts mit unserem Wert als Menschen zu tun hat.

Genau DIE Gefühle, die von uralten Programmierungen und Prägungen hervorgerufen werden, die wir nur nach und nach -  durch beharrliches Üben und effektives Mind Management - durch neue ersetzen können. 

DAS SCHLIMMSTE, DAS PASSIEREN KANN, IST EIN GEFÜHL. 


UND GENAU DAVOR HABEN WIR SO VIEL ANGST. 



Stolz statt Scham

Stolz und Selbstliebe sind die stärksten Mittel gegen Scham. 

Wenn wir also scheitern, können wir zweierlei tun, um die alten Programmierungen zu überschreiben: 

Erstens: Uns in achtsamem Selbstmitgefühl üben und uns all die Liebe und Fürsorge schenken, die wir in einem solchen Moment brauchen, anstatt mit Kritik und Selbstverurteilung einen zweiten Pfeil auf uns zu schießen

Zweitens: Bewusst stolz auf uns sein. Darauf, dass wir es probiert haben. Darauf, dass wir bereit waren, die Komfortzone zu verlassen. Darauf, dass wir, im Gegensatz zu den meisten Menschen, nicht nur geträumt, sondern auch gehandelt haben.

Denn wer Neues wagt und ins Handeln kommt, wer frische Pfade beschreitet, der WIRD scheitern. Unweigerlich. So lange, bis er genug gelernt hat und die Früchte seines Mutes, seiner Hartnäckigkeit und seiner Hingabe ernten kann.  

Der Schlüssel zur Lebendigkeit ist die Bereitschaft, ALLES zu fühlen. 

Der Schlüssel zum Erfolg auch. 

“Ohne Misserfolge zu leben ist unmöglich. Es sei denn, du lebst so vorsichtig, dass du genauso gut gar nicht gelebt haben könntest – was einem totalen Scheitern gleichkommt.”
J. K. Rowling


Die Entscheidung liegt bei dir. Und ...

Welche Art von Schmerz willst du fühlen? 

Den scharfen Schmerz des Wachsens und Lernens? Den lebendigen Schmerz, der dir die Richtung weist? 

Oder den dumpfen Schmerz des Stillstands und des Schrumpfens, der Vergeudung kostbarer Lebenszeit, des Verkümmerns deines Potenzials?

Welchen Schmerz du wählst, liegt bei dir. 

Und doch nicht nur. 

Denn es ist auch unser Umfeld, das darüber entscheidet, ob wir wach, neugierig und risikofreudig sind oder nicht. 

Es sind die Menschen, die uns umgeben, und die Systeme, in die wir eingebettet sind, die darüber bestimmen, ob wir wachsen oder stillstehen, uns ausdehnen oder schrumpfen. 

Das Schöne ist: Auch hier haben wir Entscheidungsspielraum und Gestaltungsmöglichkeiten! Je mehr wir uns mit Menschen umgeben, die uns zujubeln für jeden Versuch - egal, ob er glückt oder nicht -, die unsere Tränen trocknen und uns den Rücken stärken, wenn wir scheitern, desto mutiger werden wir.

Also:  Mach dich auf die Suche nach deiner Seelenfamilie. Finde die Menschen, die an dich glauben - auch und besonders dann, wenn du selbst an dir zweifelst. Umgib dich mit jenen, die lebendig, wach und begeisterungsfähig sind, die in Möglichkeiten denken statt in Schwierigkeiten.

Und sei auch du ein solcher Mensch für andere. 

So bringen wir gemeinsam unsere Angst-Panzer zum Schmelzen und legen die inneren Schätze frei, die schon so lange sehnsüchtig darauf warten, entdeckt und gelebt zu werden. 

Machst du mit? 

Komm, sag JA.

Buchtipps und Ressourcen:

LAya Commenda Schreiben Coaching


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  • Liebe Laya,
    Danke für dein inspirierendes Goldstück und das GrowTalk- Video. Es gibt mir wieder buchstäblich einen „Tritt in den Hintern“- oder vielleicht sollte ich es liebevoller ausdrücken- „Ansporn weiter zu machen“.
    Mit dem „sich Aufraffen“, etwas zu beginnen, weil ich das ja viel doch nicht schaffen könnte, habe ich auch so meine Probleme. Aber, wenn ich es nicht probiert habe, kann ich es eigentlich nicht wissen, ob ich es geschafft hätte.
    In meinem Kopf spukt schon seit Jahren herum, dass ich mal von mir zuhause der Via Nova entlang nach St. Wolfgang gehen möchte.
    Ich habe es irgendwann wieder „ad Acta“ gelegt, weil mir das Gehen Schmerzen bereitet hatte.
    Zurzeit bin ich wieder dran, zu trainieren und Kilometer zu sammeln. Eine App hilft mir beim Zählen. Ich gehe 6x die Woche und die Strecken, die ich gehe, werden länger. Ich habe mir für Februar ein Ziel von 120 Kilometern gesteckt. Das werde ich schaffen. Nächsten Monat etwas mehr. Wenn ich so weiter mache, gewöhnt sich vielleicht mein linkes Knie daran.
    Wie gesagt, wenn ich es nicht probiere, werde ich es nicht wissen.
    Auch andere, lieb gewordene Rituale, haben sich, das ist nicht zuletzt dein Verdienst, etabliert.
    Ich führe ein Essenzenbuch, in das ich allabendlich hinein schreibe und gerade in der letzten Woche habe ich mich mehrmals dazu hinreißen lassen, es nicht zu tun, weil ich so erschöpft gewesen bin.
    Du hast mich wieder aufgerüttelt, dass ich dabei bleiben werde und mich an die Wichtigkeit der Regelmäßigkeit erinnert.
    Danke für deine „Sonntagspredigt“. Sie hat mich wieder sehr inspiriert und motiviert!

    Liebe Grüße, Ingrid

    • Ich muss schmunzeln, liebste Ingrid – manchmal nenne ich mein Goldstück insgeheim die „Worte zum Sonntag“ …. dabei sehe ich mich ganz und gar nicht als Predigerin … naja, manchmal vielleicht doch 😆

      Oh, und ein Tritt in den Hintern kann etwas seeeeehr liebevolles sein! Ich verpasse mir selbst auch regelmäßig einen 😉

      Deine Vision von der Via Nova klingt ganz wundervoll – was für ein schönes Ziel! Und dass du eine solche App nutzt, finde ich großartig, denn alles, was wir messen, wächst.

      Ich schicke die allerbesten Grüße an dein Knie und wünsche dir gaaaanz viel Freude an deiner eigenen Entwicklung, dem Zuwachs an Kraft und mentaler Stärke, und beim Erreichen deiner Ziele!

      Herzlich
      Laya

  • Kann ja sein, dass bei Deinen Klientinnen nichts Schlimmes passieren kann. Aber was ist, wenn man versucht sich selbstständig zu machen. Dann kann man in große finanzielle Nöte kommen. Was ist, wenn man sich mit seinem Freund streitet. Dann kann man verlassen werden und einsam sein.

    • Liebe Susanne, aus deinen Worten spricht sehr viel Angst.

      Wir können nicht ohne Risiko leben, wenn wir lebendig sein wollen. Selbst wenn du dich NICHT selbstständig machst und dir in deiner Beziehung NICHT den Raum nimmst, den du brauchst, kannst du in einem finanziellen Engpass geraten oder verlassen werden.

      Ich habe beides erlebt, und es war das Beste, das mir passieren konnte. Wir sind nicht hierher gekommen, um uns vor dem Leben zu schützen, sondern um das Leben in vollem Kontakt mit ihm zu leben, mit ihm zu tanzen. Das bedeutet nicht, dass wir halsbrecherische Dinge tun oder unnötiges Risiko eingehen müssen – aber ganz ohne Risikobereitschaft verkümmert unsere Seele.

      Alles Liebe
      Laya

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